Denkmal in Erichshof Erinnerungskultur im Wandel

Das Kriegerdenkmal in Erichshof ist mit einem Festakt wiedereröffnet worden. Das neu gestaltete Areal soll fortan als Mahnmal für den Frieden stehen.
02.09.2022, 14:30
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Erinnerungskultur im Wandel
Von Wolfgang Sembritzki

Weyhe-Erichshof. Das Kriegerdenkmal in Erichshof ist am Donnerstagnachmittag offiziell wiedereröffnet worden. Wortbeiträge kamen von Bürgermeister Frank Seidel, dem gestaltenden Künstlerpaar Elsa Töbelmann und Henning Greve sowie von Gemeindearchivar Hermann Greve. Alle einte der Gedanke, der künftig von dem Areal ausgehen soll: Frieden.

Ganz so viele Teilnehmende wie bei der ersten Eröffnung des Denkmals im Jahr 1920 kamen dieses Jahr allerdings nicht. Zwischen 300 und 400 Menschen seien damals zur Einweihung erschienen, erklärte Bürgermeister Frank Seidel: "Das war eine ganz andere Betroffenheit kurz nach dem Ersten Weltkrieg." Allerdings sei es eine Betroffenheit vom Krieg gewesen, die durch die russische Aggression in der Ukraine auch heute wieder präsent ist.

Zur Einweihung der neu gestalteten Stätte wurden dann 50 derzeitige und ehemalige Weyher Ratsmitglieder geladen, auch die Öffentlichkeit war angehalten, dem Festakt beizuwohnen. Symbolträchtiger hätte der Einweihungstag kaum sein können, jährte sich doch der deutsche Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkrieges zum 83. Mal.

Der Krieg soll jedoch nicht im Vordergrund stehen, wenn Menschen künftig am Mahnmal vorbeigehen oder verweilen, wurde Seidel nicht müde zu betonen: "Es ist gut, dass sich das Denkmal weiterentwickelt hat." Menschen, die es betrachten oder hindurchgehen, sollten sich mit dem Frieden beschäftigen, führte das Gemeindeoberhaupt weiter aus und sprach Elsa Töbelmann, Henning Greve, Hermann Greve, den an der Gestaltung beteiligten Schülern der KGS Leeste sowie den Nachbarn, die die Arbeitenden teils mit Strom und Getränken versorgten, seinen Dank aus, ehe er mit den Worten "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!" schloss.

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Künstler Henning Greve resümierte daraufhin den "längeren Prozess" der Umgestaltung, der 2019 baulich begonnen hatte: "Wir haben Neues aus einem kaputten Denkmal gemacht." Alle Bestandteile der maroden alten Stele wurden wiederverwendet und flossen in die neue Stätte ein. Am Ende der Abwägung überzeugte das Künstler paar die Idee eines Hügels "als Ruine der Zeitgeschichte" am meisten, erinnerte sich Elsa Töbelmann. So lasse sich nun die "Zeit der Zerstörung" durchschreiten. Den Fokus legten die Künstler darauf, jüngeren Generationen einen Zugang zum Gedenken zu verschaffen: "Wir haben eine spielerische, lebendige, aber trotzdem würdige Form gefunden, damit umzugehen", bilanzierte Henning Greve. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass der Gefallenen nicht mehr gedacht werden soll. Vielmehr sei es darum gegangen, den Kreis der Betroffenen zu erweitern. Töbelmann habe sich dafür eingesetzt, dass auch die Hinterbliebenen der Gefallenen, die mit dem Tod ihrer Liebsten leben lernen mussten, in ein helleres Licht gerückt werden.

Gemeindearchivar Hermann Greve ließ daraufhin die Entwicklung seit der Entdeckung des maroden Zustands des Denkmals im Jahr 2017 Revue passieren (wir berichteten). Ein Hin und Her mit den Denkmalbehörden in Diepholz und Hannover sei es gewesen, ehe die Umgestaltung überhaupt praktisch angegangen werden konnte. Bei dem "langen Schöpfungsprozess" halfen auch Schüler der KGS Leeste in einem Workshop mit, von denen einer sogar zur Eröffnung gekommen war. Am Ende des Prozesses steht nun ein begehbarer Ort, der auch zum Verweilen einladen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen soll. "Wir schenken das Denkmal jetzt dem Ortsteil Erichshof zurück", erklärte der Archivar. Zuspruch für die Neugestaltung gab es von nahezu allen Seiten, manche Ältere hätten den Abriss allerdings auch bedauert. Das Denkmal sei für Hinterbliebene auch ein Ort zur Trauer gewesen, an dem sie etwa Blumen niederlegten, weil die Angehörigen fern der Heimat gefallen waren und das tatsächliche Grab nicht bekannt war.

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