Fährräder für Geflüchtete Viele Spenden, große Nachfrage

Fast 60 Fahrräder sind am Montag in Weyhe für Geflüchtete gespendet worden. Das ohnehin schon gut gefüllte Lager in Melchiorshausen ist damit mehr als voll und die ehrenamtlichen Schrauber haben gut zu tun.
26.04.2022, 14:18
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Viele Spenden, große Nachfrage
Von Claudia Ihmels

Weyhe-Melchiorshausen. Hans Budde zieht noch schnell die letzten Schrauben nach, überprüft die Bremsen und das Licht. "Fertig", sagt der 69-Jährige. Das Jungenfahrrad, das Budde ehrenamtlich in der Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt für Bedürftige in Melchiorshausen hergerichtet hat, ist bereit für einen neuen Besitzer. Und der wird sich sicherlich schnell finden, denn die Nachfrage nach einem Fortbewegungsmittel unter den ukrainischen Flüchtlingen ist groß – ebenso wie die Hilfsbereitschaft vieler Weyher Bürger. Allein fast 60 Räder sind nach einem Aufruf am Montag abgegeben worden. Weitere Spenden werden nicht benötigt.

Seit 2016 gibt es die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt der Gemeinde Weyhe, zuerst befand sie sich an der Ladestraße in Leeste, später folgte der Umzug in eine ehemalige Firmenhalle am Bollmannsdamm in Melchiorshausen. Feste Öffnungszeiten hat die Werkstatt nicht, der Kontakt für Interessenten und Spender wird über Sebastian Kelm hergestellt, der bei der Gemeinde Weyhe für die Bereiche Integration und Inklusion zuständig ist. 260 Menschen aus der Ukraine sind nach seinen Angaben seit Kriegsbeginn in Weyhe untergekommen. "Zum richtigen Ankommen in der neuen Heimat gehört natürlich auch, vernünftig von A nach B zu kommen", so Kelm. Dabei wolle die Gemeinde behilflich sein und gibt kostenlos gebrauchte Fahrräder aus, um möglichst schnell möglichst viele Geflüchtete und Bedürftige mit einem Drahtesel zu versorgen. 

Etliche Fahrräder stehen dafür auch am Montag schon bereit. Eigentlich hat die Werkstatt an diesem Tag geöffnet, um Spenden anzunehmen, aber natürlich wird auch niemand weggeschickt, der auf der Suche nach einem Rad ist. Die ehrenamtlichen Schrauber Hans Budde, Erwin Irmer, Rudi Preßler, Fred Asendorf und Udo Hergert haben alle Hände voll zu tun. Sie kennen schließlich genau die Räder im Bestand und wissen, welches Rad für einen Interessenten passen könnte. Auch Hans Budde ist nach der Reparatur des einen Rades direkt wieder gefragt, denn ein kleiner Junge interessiert sich für ein Kinderrad in Polizei-Optik. Schnell hat Hans Budde den Sattel auf die richtige Höhe eingestellt, sodass der Junge eine Proberunde fahren kann. Hans Budde engagiert sich bereits seit 2016 für das Projekt. "Ich war gerade Rentner, habe den Aufruf gelesen und wollte ein wenig helfen", erklärt er seine Motivation. Beruflich sei er im kaufmännischen Bereich tätig gewesen, aber technische Dinge hätten ihn schon immer interessiert. 

Erwin Irmer ist ebenfalls ein Ehrenamtlicher der ersten Stunde. Der gelernte Landmaschinen-Techniker und Kfz-Mechaniker-Meister freut sich, sein Können in der Werkstatt einsetzen zu können. "Wir schmeißen hier nichts weg", sagt der 81-Jährige. Für ältere Fahrräder sei es oft schwierig, noch Ersatzteile zu bekommen. Dazu schlachten die Ehrenamtlichen dann diejenigen Räder aus, die nicht mehr hergerichtet werden können. In den Regalen der Werkstatt finden sich fein säuberlich sortiert Fahrradketten, Pedale und Sättel. Selbst mit Gepäckträgern können die Ehrenamtlichen helfen und so auch an diesem Nachmittag einem Jugendlichen zu einer neuen Ladefläche für sein Fahrrad verhelfen.

Vor der Lagerhalle fährt derweil Christian Meinecke mit Auto und Anhänger vor. Er hat drei Fahrräder für Erwachsene geladen, außerdem einige Sättel. "Ich möchte das gerne spenden und würde mich freuen, wenn noch jemand Freude daran hat", sagt der Leester. Erwin Irmer schaut sich die Sachen an und hilft anschließend beim Abladen. Sofort ist er aber auch schon wieder an anderer Stelle gefragt, denn zur selben Zeit bringt eine Frau ein Dreirad vorbei. Auch das wird gerne angenommen. 

Mittlerweile ist das Team mit Fahrrädern sehr gut ausgestattet. Durch die allein am Montag knapp 60 gespendeten Räder sei das Lager nun mehr als voll, so Sebastian Kelm. Das seien auch mehr Spenden als gehofft gewesen, freut er sich. Weitere Spenden werden daher nicht benötigt. Die Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt am Bollmannsdamm 2 (hinter dem Village) ist aber am Montag, 2. Mai, von 14 bis 17 Uhr für einen Ausgabetag geöffnet. Ukrainische und andere Interessierte an einem Fortbewegungsmittel können sich außerdem an Sebastian Kelm (E-Mail: kelm@weyhe.de, Telefonnummer: 0 42 03/71-2 20) wenden. 

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