Feuerwehr Weyhe

Über vier Jahrzehnte für die Menschen da

Eine besondere Auszeichnung für über 40 Jahre Feuerwehrdienst steht Norbert Warnke aus Erichshof bevor: Der 57-Jährige soll in der nächsten Weyher Ratssitzung zum Ehrengemeindebrandmeister ernannt werden.
12.10.2021, 15:55
Lesedauer: 3 Min
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Über vier Jahrzehnte für die Menschen da
Von Wolfgang Sembritzki

Weyhe. Norbert Warnke hat einiges zu erzählen. Kein Wunder nach 43 Jahren Feuerwehrzugehörigkeit. Der 57-Jährige hat viele Positionen in Gemeinde-, Orts- und Kreisfeuerwehr bekleidet, nun kommt eine hinzu: Der Rat der Gemeinde Weyhe soll Warnke zum Ehrengemeindebrandmeister ernennen.

Die Liste seiner bisherigen Titel ist lang: Mitglied, Gruppenführer, Jugendfeuerwehrwart, Leiter der Lotsen- und Erkundungsgruppe, Ortsbrandmeister, stellvertretender Gemeindebrandmeister, Gemeindebrandmeister und erster stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Landkreis Diepholz war beziehungsweise ist er schon, aufgeteilt auf über vier Jahrzehnte. Los ging es für den Abteilungsleiter eines Reifen-Großhändlers für Landwirtschafts- und Baumaschinen 1978: Norbert Warnke startete seine Feuerwehrkarriere und trat in die Jugendfeuerwehr Leeste ein. Vorkenntnisse oder Vorbilder habe er nicht gehabt, erklärt er, aus seiner Familie sei sonst niemand Feuerwehrmitglied gewesen: "Ich bin unbeleckt in die Feuerwehr gegangen." Drei Jahre später wechselte er zu seiner Heimatfeuerwehr in Erichshof.

Ereignisse und dienstliche Erfolge

Natürlich habe es Höhen und Tiefen gegeben, das erkläre sich bei solch einer langen Laufbahn von selbst. Gefragt nach seinen Highlights eröffnet Warnke zwei Kategorien: die Ereignisse, denen er beiwohnen durfte und die dienstlichen Erfolge, die er sich auf die Fahne schreibt. In die erstgenannte Riege fallen für ihn unter anderem die Gründung der Jugendfeuerwehr Melchiorshausen 1988 und deutsche Jugendfeuerwehrmeisterschaft, die 2007 in Weyhe stattfand. Zu seinen persönlichen Erfolgen zählt er unter anderem Organisatorisches: "Unter meiner Führung wurde jede Weyher Feuerwehr mit einem wasserführenden Fahrzeug ausgestattet", freut er sich. Auch der Bau des Gerätehauses in Leeste fiel in seine Amtszeit, ebenso wie "viele Kleinigkeiten".

Da wo Licht ist, findet sich bekanntlich auch Schatten. Die liegen im Feuerwehrwesen erwartungsgemäß in schlimmen Einsätzen. Für Warnke ist dies etwa der erste größere Einsatz, den er als Ortsbrandmeister bei einem Brand geleitet hat und bei dem eine Frau ums Leben kam. Hinzu kommen viele Unfälle, bei denen Personen verletzt oder gar getötet wurden: "Das sind Bilder, die man nie vergisst." Eingebrannt hat sich auch ein Dachstuhlbrand, bei dem plötzlich der Funkkontakt zu einem Trupp abgerissen war: "Da wird man nervös", gesteht er ein. Trotz mitunter erschreckender Bilder sei jedoch vieles Routine geworden. Natürlich gibt es Dienstvorschriften, die bestimmte Verhaltensweisen erfordern. Die habe man auch immer im Kopf. Dennoch könne es sein, dass einem das Bauchgefühl dann etwas anderes sagt.

Eine steile Karriere

Am meisten schätzt Norbert Warnke die Zusammenarbeit unter Feuerwehrleuten. Sein Antrieb sei klar: "Ich will Menschen helfen." Um seine Kompetenz im Dienst stetig zu erweitern, habe er immer wieder Lehrgänge besucht, neue Aufgaben übernommen, sich fortgebildet – und sei so auf die genannten Posten gekommen. Den Blick auf die Kameradschaft dürfe man dabei trotz Führungspositionen nicht verlieren, beschwört er das "Wir-Gefühl": "Meine Maxime lautet: Schau immer, was links und rechts von dir passiert." Das sei wichtig, hat sich doch in den vergangenen 40 Jahren nicht nur Norbert Warnke und das Feuerwehrwesen, sondern auch die Gesellschaft verändert. Problematisch sieht er den Anspruch mancher Menschen, etwa, wenn sie wegen Kleinigkeiten die Feuerwehr rufen: "Früher ist jemand, der einen kleineren Ast auf der Straße sieht, ausgestiegen und hat ihn selbst weggeräumt." Feuerwehrleute absolvierten eine lange Ausbildung und sind im Landkreis ehrenamtlich tätig. Heißt: "Jeder hat einen Job, eine Familie und ein Recht auf ein Familienleben", so Warnke.

Kein Verständnis hat Norbert Warnke, wenn Feuerwehrler verbal oder gar tätlich angegriffen werden: "Wir haben eine hohe Verantwortung, müssen Menschenleben und hohe Sachwerte retten", dafür stellten die Engagierten ihr eigenes Wohl zur Verfügung. Mitunter fehlt ihm da die Wertschätzung aus der Bevölkerung. Dennoch möchte er solange es geht im aktiven Dienst bleiben, Stand jetzt wären das noch rund zehn Jahre. Junge Menschen könne er nur ermuntern, in die Wehr einzutreten, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen und den Gemeinschaftssinn nicht aus den Augen zu verlieren. Denn: "Alleine kann ich gar nichts."

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