Kulturpreisverleihung am Weyher Theater Freude wie bei kleinen Jungs

Für ihre Erfolge mit dem Weyher Theater wurden Dramaturg Frank Pinkus und Intendant Kay Kruppa mit dem Kulturpreis des Landkreises Diepholz ausgezeichnet. Der Grundstein dafür wurde bei beiden früh gelegt.
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Freude wie bei kleinen Jungs
Von Sebastian Kelm

Weyhe/Landkreis Diepholz. Es ist die Geschichte zweier Jungen, der eine fünf (Frank Pinkus), der andere sechs Jahre alt (Kay Kruppa). In diesem Alter verfällt der spätere Dramaturg in Hamburg beim Froschkönig der „Theatersucht“, wie er es nennt. Sein jüngerer Intendanten-Kollege infiziert sich mit einem Lebensjahr mehr als Sudweyher Grundschüler beim gestiefelten Kater in Bremen mit dem „Theaterfieber“. Die gemeinsame Begeisterung für die Bühne führte sie später zusammen. Nun erhielt das Duo vom Weyher Theater den Kulturpreis des Landkreises Diepholz.

Obwohl sie ein Heimspiel im wie eigentlich immer voll besetzten Saal hatten – diesmal aber mit geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft –, waren die beiden Rampenlicht-erprobten Protagonisten auffallend aufgeregt. Das offenbarte sich nicht so sehr bei den diversen Darbietungen zusammen mit weiteren Ensemblemitgliedern, aber schon bei ihren sympathisch-nervösen Redebeiträgen. Günter Günnemann, Vorsitzender der Kreissparkasse Syke als Stifterin des Preises, lobte vor allem die Gesangseinlagen zum Einstieg. „Wir hatten es noch nie so einfach wie hier“, sagte er aus Veranstaltersicht am Dienstag im privaten Schauspielhaus am Marktplatz von Kirchweyhe. Schließlich stellten die ausgezeichneten Gastgeber nicht nur die Räumlichkeiten, sie kümmerten sich gleich auch um das Programm des Abends.

Landrat Cord Bockhop als Überreicher der Auszeichnung zusammen mit Edith Heckmann, CDU-Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturbeirates, kam vorbereitet. Er konnte seinen Text indes nicht auswendig wie ein Darsteller, musste diesen ablesen. Seine anerkennende Feststellung zum Weyher Theater: „Spaß und Kultur schließen einander nicht aus.“ Das zeige dieses Beispiel eindrucksvoll.

Auftritt Heinz-Hermann Kuhlmann. Dem Geschäftsführer und Gastgeber war es vorbehalten, die Laudatio auf seine beiden wichtigsten Angestellten zu halten. Und auch er: mit Skript – dafür ohne eingebaute Pausen für Szenenapplaus, wie er augenzwinkernd anmerkte. „Sonst trage ich ja immer frei vor. Aber man hat mir gesagt, ich werde auch älter“, so Kuhlmann, der den Anwesenden dann erklärte, in der Theaterwelt werde grundsätzlich geduzt. Das werde bei ihm jetzt nicht anders ein.

Dann wandte er sich den „zwei nicht alltäglichen, wunderbaren Menschen“ zu. Da sei der „positive Dickkopf“ Kay Kruppa, ein „Regisseur mit klarer Ansage“, der nie eine Schauspielschule von innen gesehen habe, aber durch „Feingefühl und Talent“ besteche. Über Frank Pinkus sagte er angesichts der rund 60 selbst geschriebenen Stücken, sein erstes übrigens verfasst mit gerade einmal acht Jahren über den Kasper: „Für mich ist er genial, sein Wissen ist beeindruckend.“

Heinz-Hermann Kuhlmann bescheinigte seinen langjährigen Wegbegleitern eine „einmalige Energieleistung“ bei der Entwicklung des Laientheaters seit dem ersten gemeinsamen Machwerk „Bleib doch zum Frühstück“ im Jahr 2001 zu einer professionellen Bühne mit überregionaler Strahlkraft. Dafür sprächen die Besucher aus bislang 72 verschiedenen Postleitzahl-Gebieten. Kuhlmann verwies weiter auf die Redensart, Kunst komme bekanntlich von Können, um dann wieder ganz persönlich die Gäste anzusprechen: „Ich finde, sie können Kunst. Oder was meint Ihr?“ Seine Lobesrede schloss er mit Worten zum gemeinsamen Weg der Theaterleitung bis hierher: „Ich verneige mich und sage: Danke, dass ich dabei sein konnte.“

Bühne frei für die Hauptrollen der Veranstaltung. Frank Pinkus erinnerte sich daran, wie er exakt am Tag der Geburt seines heutigen Mitstreiters begeistert „Kabale und Liebe“ von Schiller sah. Und daran, wie er an seinem Geburtstag wiederum „bockig“ wurde, weil er nicht die erhofften Shakespeare-Werke geschenkt bekam. „Mein Theatergott“, so der Dramaturg.

Der hatte einige Engagements an Bühnen – nebenbei auch eine selbst gegründete Theaterpruppe – im Hamburger Raum, später dann eine Anstellung bei einem Verlag in Norderstedt vor den Toren der Hansestadt. Dabei hätte er nach dem Studium eigentlich Lehrer für Deutsch und Philosophie werden können. Was seinen Eltern wohl auch genehmer gewesen wäre.

Nach dem zweiten Staatsexamen bereits Rechtsanwalt in der Brinkumer Kanzlei von Michael Umlandt war hingegen Kruppa, wie er den Anwesenden berichtete. Keine Geringere als Barbara Havliza, ihres Zeichens Niedersachsens Justizministerin und damals Vorgesetzte des Weyhers, hatte ihm zufolge aber gesagt: „Sie werden nicht lange Rechtsanwalt bleiben. Ihr Leben ist die Bühne.“ Und sie sollte recht behalten. Eine Ahnung hatten offenbar aber schon früher seine Lehrer. So habe in seinem ersten Zeugnis gestanden: „Kay hat Freude am darstellenden Spiel.“

Erste richtige Bühnenerfahrung sammelte Kay Kruppa mit 17 Jahren bei der Lahauser Bühne, für die er nach eigenen Angaben so ziemlich jede Kneipe der Region bespielt hat. Später verschlug es ihn nach Bremen ans Waldau-Theater und an das Packhaustheater.

Dort wirkte er ab Sommer 2000 in „Von Mail zu Mail“ mit – an der Seite des Autoren Pinkus. Gleich sei man sich sympathisch gewesen. Der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Kruppa über ihn und Pinkus: „Wir funken einfach auf der gleichen Welle.“

Sie eint auch der gemeinsame Lebenstraum vom Erfolg im Theaterbereich. Und der Grundstein dafür würde anscheinend früh gelegt. Mit Blick auf die jetzige Auszeichnung sagte Pinkus sichtlich bewegt: „Wenn man das dem Fünfjährigen von früher erzählt hätte, der kleine Bursche hätte über beide Wangen gestrahlt.“ Noch ergriffener Kruppa, dem vor Rührung – was etwas heißen muss für einen erfahrenen Theatermann – die Stimme versagte: „Ich fühle bei Premieren immer noch diesen sechsjährigen Jungen in mir.“ Auch an Kinder und Jugendliche der heutigen Generation haben Kruppa und Pinkus gedacht: Das Preisgeld von jeweils 5000 Euro spenden sie an die Gemeinde Weyhe – für ein Basketballfeld am Jugendhaus Leeste sowie ein Trampolin an der Grundschule Kirchweyhe.

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