Fußball

„Wir müssen uns nicht verstecken“

Er ist schon lange beim SC Weyhe und zur Identifikationsfigur geworden. Im Interview spricht Christoph True über den Aufstieg, die Landesliga und den Wunschgegner zum Auftakt.
04.08.2020, 17:29
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
„Wir müssen uns nicht verstecken“

Den Ball und die Landesliga im Blick: Christoph True vom SC Weyhe freut sich bereits auf die kommende Saison.

Thorin Mentrup

Wie groß war die Freude, nach der langen Corona-Zwangspause wieder auf dem Platz zu stehen?

Christoph True: Super groß. Georg Tylla und ich sind den kompletten März und April und selbst Anfang Mai viel gelaufen für den Fall, dass die Nachricht kommt, dass es doch weitergehen kann. So oft habe ich meine Laufschuhe im Frühjahr bestimmt noch nie getragen. Aber die Freude, dann doch wieder auf dem Platz zu stehen, mit dem Ball am Fuß, vor allem mit den Jungs zusammen, war schon richtig groß. Als wir das erste Mal wieder spielen durften beim Training – vorher durften wir ja nur Torschuss- und Passübungen machen – und Zweikämpfe führen konnten, das war schon etwas Besonderes.

Es fühlt sich also wieder richtig wie Fußball an?

Man hat schon gemerkt, dass es ein bisschen ungewohnt war. Wir haben beim ersten Training auch direkt ein Elf-gegen-Elf über den ganzen Platz gemacht. Da hat man schon gespürt, dass man einfach lange Zeit gar nicht gespielt und auch nicht auf dem großen Feld gestanden hat.

Für den SC Weyhe war die Situation zu Beginn der Unterbrechung und auch nach dem Abbruch der Saison eine spezielle: Ihr Team lag auf Rang drei – wie am Ende der Vorsaison. Damals war der knapp verpasste Aufstieg durchaus bitter. Haben Sie befürchtet, dass Ihnen und Ihrem Team wieder nur die Rolle des ersten Gratulanten bleiben würde?

Ja, auf jeden Fall. Gerade im letzten Jahr war es super knapp und super ärgerlich. Die Rückrunde, die wir mit zwölf Siegen und einem Unentschieden gespielt haben, war natürlich bombastisch gut. Wir hatten in der Hinrunde einige schwächere Spiele wie gegen Vegesack und Roland dabei. Wenn es dieses Jahr wieder nicht geklappt hätte, wäre es wieder der Punkt gewesen, dass wir es in der Hinrunde verspielt hätten. Burg und Surheide sind aber auch wirklich gut. Sie standen zum Zeitpunkt des Abbruchs zurecht ganz oben.

Auch wenn es dieses Mal ein Happy End für Sie und Ihr Team gab: Haben die vergangenen Saisons gezeigt, dass man für den Aufstieg keinen Zähler liegen lassen darf?

Gerade gegen die Mannschaften, die unten gestanden haben, darf man sich keine Fehler erlauben. Wir haben auch gelernt, dass es aufs Torverhältnis ankommt. Man muss Spiele über 90 Minuten durchspielen und darf nicht abschalten, sondern – ohne überheblich klingen zu wollen – dann auch auf das dritte und vierte Tor gehen. Das kann am Ende entscheidend sein.

Ist das ein Lernprozess, den eine Mannschaft, die wie der SC Weyhe in den Jahren zuvor im Mittelfeld rangierte, durchlaufen muss?

Definitiv. Das ist nicht nur im Sport so. Das ist auch ein Prozess, der in der Arbeitswelt stattfindet, wenn man junge Leute dabei hat. Ich habe auf der Arbeit mit Auszubildenden zu tun. Da merkt man schon, dass es einigen schwer fällt, die Konzentration über den ganzen Tag hoch zu halten. Im Fußball ist es nicht anders. 90 Minuten konzentriert zu sein, egal ob im Training oder im Spiel, das ist ein Prozess. Das machen unsere Jüngeren immer besser.

In welcher Rolle sehen Sie sich als langjähriger Weyher und erfahrener Spieler? Nehmen Sie sich besonders in die Pflicht, die jungen Spieler zu unterstützen?

Natürlich. Man versucht immer, Hilfestellung zu geben und den einen oder anderen Tipp oder Erfahrungen, die man gemacht hat, weiterzugeben und besonders in Spielen, in denen es schwierig ist, voranzugehen – auch mal verbal, um die jüngeren Spieler aufzuwecken und ihnen Halt zu geben.

Zurück in den Mai und Juni: Zu dieser Zeit kristallisierte sich heraus, dass die Saison nicht mehr weitergehen wird. Wie sehr haben Sie und Ihr Team in Richtung des FC Oberneuland geschielt, dessen Aufstieg von der Bremen-Liga in die Regionalliga Nord die Landesliga-Tür für den SCW öffnen würde?

Der Aufstieg war erst einmal gar nicht so präsent. Im Endeffekt war es Harry (Trainer Harald Meyer, Anm. d. Red.), der uns informiert hat, dass es doch gelingen könnte. Ein Stück weit hatte ich mich bis dahin bereits damit abgefunden, dass es wieder nicht klappen würde. Dementsprechend war die Freude umso größer, dass es dann doch passiert ist. Wenn auch nicht sportlich, sondern auf dem zweiten Weg sozusagen.

Als Nachrücker darf man sich aber trotzdem als richtiger Aufsteiger fühlen, oder?

Definitiv. Ich bin auch der Meinung, dass wir sportlich das Niveau haben, in der Liga mitzuhalten. Ich glaube, dass wir auch einfach in die Klasse müssen, um die jungen Leute im Verein zu halten. Wir haben einige Spieler, die das Niveau für die Landesliga haben – und vielleicht sogar noch höher.

Konnten Sie und Ihr Team den Aufstieg überhaupt feiern?

Aktuell noch gar nicht. Aber wir werden noch eine Mannschaftsfeier machen, auf der wir sicherlich mit dem einen oder anderen Bier darauf anstoßen werden. Wir hatten wegen Corona keine richtige Abschlussfeier. Wir hatten eine Mannschaftsfahrt geplant. Zu dem Zeitpunkt hätten wir fahren dürfen, aber wir haben uns dafür ausgesprochen, sie unter etwaigen Auflagen ausfallen zu lassen.

Haben Sie den Aufstieg mit ihrer langen Geschichte beim SC Weyhe ganz besonders genossen und das gute Gefühl auch in den August mitgenommen?

Ja, vor allem auch unter dem Aspekt, dass ich der einzige war, der beim letzten Landesligaspiel auf dem Platz gestanden hat (3:3 beim SVGO Bremen am 28. Mai 2013) und noch hier ist. Es ist ein wirklich geiles Gefühl, jetzt wieder dabei zu sein und vor allem auch mit dieser Mannschaft. Mit so vielen Leuten, die ich wie Rudi (Spitzname von Trainer Dennis Lingnau) und Harry schon seit 20 Jahren kenne, oder auch Simon (Peters, der das Trainer-Trio komplettiert), den ich seit der B-Jugend kenne, glaube ich, dass das noch einmal eine tolle Erfahrung wird.

Was bedeutet der Aufstieg für den Verein?

Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Ich bekomme es ja in den Gesprächen mit unseren Trainern mit, wie schwer es ist, Neuzugänge zu bekommen. Die Konkurrenz ist extrem groß, nicht nur im Bremer Fußballverband. Man hat auch noch Heiligenfelde, Stuhr oder Seckenhausen, die aufstrebend sind. Unter diesem Aspekt war es wichtig, aus der Bezirksliga herauszukommen, um an Attraktivität zu gewinnen. Und natürlich auch, um jungen Leuten wie Jesse (Wieczorek) oder Joel (Braune), deren Weg sicherlich noch nicht zu Ende ist, eine Perspektive in diesem Verein zu bieten.

Der Blick richtet sich in Weyhe nun auf die Landesliga. Wie schätzen Sie die Klasse ein?

Ich kann die Liga ganz schwer einschätzen. Wir haben in den vergangenen drei Jahre in der ersten Pokalrunde jeweils gegen Landesligisten gespielt. Das waren immer knappe Dinger (2019: 7:8 nach Elfmeterschießen gegen den SV Grohn; 2018: 7:6 nach Elfmeterschießen gegen OT Bremen; 2017: 2:4 gegen die SV Hemelingen). Von daher würde ich schon sagen, dass wir in der Klasse mithalten können. Natürlich kennt man die Aufsteiger der letzten Jahren: Türkspor, Hasenbüren, unsere Mitaufsteiger Burg und Surheide. Und – örtlich bedingt – ganz klar auch Melchiorshausen, wo viele ehemalige Weyher spielen. Das sind Mannschaften, die man auf dem Radar hat. Aber es sind auch ein paar Wundertüten dabei.

Wie weit sehen Sie Ihre Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung?

Wir sind jetzt in der dritten Trainingswoche. Davor hatten wir einen Plan, der viele Läufe und Ausdauerübungen beinhaltete. Was ich so verfolgt habe, haben wir das gut durchgezogen. Ich denke dafür, dass wir im September anfangen sollen, sind wir auf einem guten Weg.

Mit welchem Ziel starten Sie in die Landesliga?

Ich würde tatsächlich sagen, zwischen Platz sechs und zehn ist möglich. Ich denke, das Niveau haben wir. Klar werden einige Teams, die im letzten Jahr oben dabei waren, wieder dort stehen. Aber wir müssen uns nicht verstecken.

Noch ist es ein guter Monat bis zum Saisonstart. Welchen Gegner wünschen Sie sich zum Auftakt?

Melchiorshausen natürlich. Ein Heimspiel am besten. Ich glaube, das wäre ein gebührender Einstand. Vielleicht nicht bei 30 Grad, aber bei 20 Grad und Sonnenschein. Dann findet sich sicherlich der eine oder andere auf der Sportanlage ein und bekommt ein schönes Fußballspiel geboten. So kann die Landesliga losgehen.

Das Gespräch führte Thorin Mentrup.

Info

Zur Person

Christoph True (32)

ist eine Weyher Identifikationsfigur. Seine ersten beiden Herrenjahre spielte er noch beim SV Dreye in der Kreisliga Diepholz, seit 2008 ist die Heimat des Mittelfeldspielers wieder die Zentralsportanlage. In der kommenden Saison startet er mit seinem Team in der Bremer Landesliga. Dort spielte der SCW zuletzt in der Serie 2012/13.

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