Fußball

Das nächste Abenteuer

Ungewöhnliche Wege ist die Truppe von Trainer Max Hurdalek schon immer gegangen. Und das bleibt auch in der neuen Saison so, wenn ein Großteil des Teams in den Frauenbereich wechselt.
12.08.2020, 15:11
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Das nächste Abenteuer

Beim 3:0 über die SG Rodenberg jubelten die Talente des TSV Weyhe-Lahausen zum letzten Mal in einem Punktspiel. Für die meisten Spielerinnen geht es nun im Frauenbereich weiter.

Thorin Mentrup

Lahausen. Die Fußballerinnen des TSV Weyhe-Lahausen beschreiten neue Wege. „Mal wieder“, sagt Trainer Max Hurdalek. Seine Mannschaft hatte stets ihren eigenen Plan. Da war die Saison, als sie im Kreis Verden ihre Punktspiele austrug, da war der Wechsel in den Bezirk Weser-Ems. Zuletzt griffen die Lahauserinnen zu, als ein Platz in der B-Juniorinnen-Niedersachsenliga frei wurde. Es war alles andere als ein linearer Weg. Und der ist es auch jetzt nicht. Denn Hurdaleks Mannschaft nimmt beim Wechsel in den Seniorinnenbereich einen Platz in der Bezirksliga ein. Lahausens Team um Michael Cordes, das in der Saison 2018/19 den Sprung in den Bezirk geschafft hatte, geht dafür in die Kreisliga zurück. So war es seit langer Zeit besprochen, und genauso ist es auch passiert. „Da können wir uns nur bei Michael und seiner Mannschaft bedanken“, findet Hurdalek.

Dass die Zusammenarbeit gut funktioniert, ist auch in der neuen Saison wichtig, insbesondere für Hurdaleks Truppe. Nur 16 Spielerinnen ist der Kader groß. Nicht gerade üppig. „Aber wir gehen trotzdem optimistisch in die Saison“, lässt sich der Coach die Vorfreude auf das erste Jahr im Seniorinnenbereich nicht nehmen. Die sportlichen Abenteuer, die sein Team bislang gestartet hat, verkamen schließlich nie zum Desaster. Auch das Jahr in der Niedersachsenliga habe seine Talente weitergebracht, glaubt Hurdalek, an dessen Seite Marco Mozcinski, Ralf Brümmer und Christoph True arbeiten.

Auf drei Spielerinnen, die in der vergangenen Serie eine feste Größe waren, müssen die Lahauserinnen in der Frauen-Bezirksliga erst einmal verzichten. Gemeint sind Tomke Meeri Bruck, im Vorjahr Kapitänin, Yana Gross und Leni Glatthor. Sportliche Gründe sind dafür nicht ausschlaggebend. Es ist im Jahr 2005 geboren und damit zu jung. Bitter ist das vor allem im Fall Bruck, die am 2. Januar Geburtstag hat. „Wäre sie zwei Tage früher geboren, gäbe es kein Problem“, sagt Hurdalek. Doch die Regularien sind eindeutig: Das Trio darf noch nicht im Frauenbereich spielen. Lange haben die Lahauser trotzdem darum gekämpft, die Mannschaft nicht auseinanderreißen zu müssen. Vergeblich.

Das ist für Hurdalek aus mehreren Gründen ärgerlich. Zum einen richtet er den Blick auf das eigene Team und die drei Spielerinnen. „Alle könnten locker bei den Damen mitspielen“, ist er überzeugt. In dieser Hinsicht sei die Niedersachsenliga eine gute Vorbereitung gewesen. Das Tempo war hoch, alle Kontrahenten taktisch und fußballerisch stark. Körperlich, das gibt er zu, werde sich sein Team sicherlich an den Frauenbereich gewöhnen müssen. Das ist ein Grund, aus dem die 2005er nicht aufrücken dürfen. Jugendschutz ist das Zauberwort.

Der Wunsch des Trainers

Hurdalek würde sich eine Einzelfallprüfung wünschen, besonders vor dem Hintergrund, dass es keinen A-Juniorinnenspielbetrieb gibt. Sein Eindruck: Die meisten B-Jugendmannschaften lösen sich auf, wenn ein Teil in den Seniorinnenbereich aufrückt. „Das können nicht viele Vereine auffangen“, sieht er den Mädchen- und Frauenfußball nicht nur im Kreis Diepholz nicht breit genug aufgestellt. Die Spielerinnen verteilten sich dann auf Nachbarvereine oder hörten ganz auf, glaubt er.

Im Fall Lahausen gibt es zumindest eine gute Lösung für Bruck, Glatthor und Gross: Alle drei können in der B-Jugend-Bezirksliga weiterspielen. Dort wird der TSV unter Trainer Sven Kindermann vertreten sein und unter anderem auf den TSV Okel treffen. Vier Spielerinnen um Bruck werden zudem mit Zweitspielrecht beim TSV Krusenbusch auflaufen, der wie im Vorjahr in der Niedersachsenliga antritt. Um die fußballerische Förderung muss sich Hurdalek also keine Sorgen machen. Dennoch hätte er alle drei am liebsten in seinem Team. Allen bleibt nur eine Option: abwarten.

Ein Heimspiel zum Auftakt

Mit Blick auf Anfang September, wenn die neue Saison mit einem Heimspiel gegen die SG Erichshagen/Sebbenhausen II starten soll, schalten die Lahauserinnen dagegen in den Vollgasmodus. Sie wollen gut vorbereitet sein, wenn der Ball für sie in der Bezirksliga rollt. Dann auch mit Lucienne Charlotte Strege im Aufgebot: Die 19-Jährige hat in der vergangenen Serie bereits bei den TSV-Frauen in dieser Klasse gespielt. Die Stürmerin dürfte dem Team gut zu Gesicht stehen. Ein bisschen Erfahrung kann auch den Lahauserinnen nicht schaden.

Lediglich acht Teams zählt die Bezirksliga, eines steigt auf, zwei steigen ab. Ein Blick auf das Vorjahr zeigt, wie stark die Liga ist: Die Lahauser Truppe um Michael Cordes holte lediglich zwei Zähler in elf Spielen, für den SV Mörsen-Scharrendorf standen neun Punkte nach zwölf Begegnungen zu Buche. Besser schlugen sich mit dem SV Friesen Lembruch (19 Punkte aus zwölf Spielen), der TuS Sulingen (21 aus zwölf) und der SV Heiligenfelde (18 aus zehn) die anderen drei Vereine aus dem Landkreis Diepholz. Mit diesen werden die Lahauserinnen die Klingen kreuzen. Besonders auf das Nordkreis-Duell mit Heiligenfelde freuen sich die Lahauserinnen.

Der Optimismus bleibt

Es wird eine Saison des Ankommens und zugleich ein Übergangsjahr für den TSV. Dennoch will er seinen Platz finden in der Bezirksliga. „Uns fehlt es letztlich nur in der Breite des Kaders. Wir sind eine sehr gute Truppe und nicht chancenlos. Wir trauen uns das zu, sonst hätten wir den Platz ja nicht angenommen“, ist Hurdalek überzeugt davon, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Einige seiner Spielerinnen haben bereits im Frauenbereich ausgeholfen. „Da habe ich keinen Unterschied gesehen. Aber auch in der Niedersachsenliga haben die Gegnerinnen nicht mit Watte geschmissen“, sieht der Trainer sein Team gerüstet. Der Plan: „Wir wollen unsere Stärken einbringen.“ Mit Tempo und einer klugen Taktik die an einigen Stellen noch fehlende Robustheit ausgleichen.

Wie weit der TSV, der neue Spielerinnen jederzeit begrüßen würde, bereits ist, das werden unter anderem die Testspiele in den kommenden Wochen zeigen. Direkt der erste Kontrahent am kommenden Sonntag wird ein echter Prüfstein sein: Gegner 1. FC Ohmstede spielt in der Landesliga. Die Lahauserinnen bleiben sich also treu: Es gilt, mit den Aufgaben zu wachsen.

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