Gedenkfeier in der KGS Leeste

Ein Zeichen für Frieden und Freiheit

Bei einer Gedenkfeier des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die im Juli verstorbene Holocaust-Überlebende, Esther Bejarano, hat sich die Microphone Mafia gegen Diskriminierung von Menschen ausgesprochen.
05.09.2021, 19:43
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
Ein Zeichen für Frieden und Freiheit

Joram Bejarano liest aus dem Buch seiner im Juli verstorbenen Mutter Esther.

Niklas Golitschek

Weyhe-Leeste. Ihr Vermächtnis lebt weiter. Bei einer Gedenkfeier für die im Juli verstorbene Holocaust-Überlebende, Esther Bejarano, in der Kooperativen Gesamtschule (KGS Leeste) sind am Sonntagnachmittag ihr Sohn Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven mit ihrer Band Microphone Mafia aufgetreten.

Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus. Mit diesem Motto hat Bejarano mit ihrer Gruppe jahrelang die Welt bereist und über ihre Erlebnisse während des Nationalsozialismus und im Konzentrationslager aufgeklärt. „Es war ihr Wunsch, dass wir weitermachen“, erzählte Joram Bejarano. Dabei solle auch weiterhin gemeinsam gesungen und gelacht werden.

Lockerer ging es allerdings erst im zweiten Teil des Programms zu. Im ersten las Bejarano aus dem Buch seiner Mutter, was Esther Bejarano sonst selbst getan hatte. Doch die Worte und die Inhalte blieben dieselben. Wie Esther Bejarano rekapitulierte, dass ihr Vater als Halbjude unbehelligt in Breslau hätte weiterleben können, wenn er sich von seiner Frau scheiden lässt. Wie er sich trotzdem entscheidet, ihr beizustehen und mit ihr in den Tod zu gehen.

Es ist jede Form von Diskriminierung, gegen die sich Bejarano und die Microphone Mafia stellen. Die Sängerin zwar nicht mehr mit ihrer eindrucksvollen Bühnenpräsenz. Doch aus den Lautsprechern spricht sie weiterhin zu ihrem Publikum. So zählte auch in der KGS Leeste wieder die Hymne der israelischen „Frieden Jetzt“-Bewegung zum Programm. „Es war der Wunsch meiner Mutter, das aufzuführen, bis in Palästina eine Zwei-Staaten-Lösung gefunden wird“, erläuterte Joram Bejarano. Zwar lasse die Abwahl des früheren Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wieder hoffen, doch in der israelischen Bevölkerung müsse sich die anti-palästinensische Haltung ändern. Selbst in Israel geboren leide auch er darunter sehr.

Doch auch in Deutschland ist Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Problem. Mehr als 200 Todesopfer seit 1990 zählte Kutlu Yurtseven durch rechtsextreme Attentate. Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Duisburg, Solingen, Hanau. Und immer wieder seien die Opfer zu Täter erklärt worden. „Es wird immer noch zu sehr geschwiegen“, kritisierte er. Das Mittelmeer nannte er das derzeit größte Massengrab und wer es doch bis Europa schaffe, werde mit Hass, Feuer und Schlägen begrüßt. Auch der Umgang der Türkei mit geflüchteten Menschen sei „einfach nur ekelhaft“. Wegen dieser andauernden Diskriminierung sei es wichtig, das Schweigen zu brechen. Doch der Widerstand brauche ein Lächeln im Gesicht. „Wir stehen für Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit“, bekräftigte Yurtseven – zu lange sei den Rechten der Pathos überlassen worden.

Auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) als Organisator des Konzerts, Reiner Hoffmann, verwies auf die Verantwortung, sich für eine weltweit friedliche Zukunft einzusetzen wie es Bejarano als Rückkehrerin ins Land der Täter und Mörder gemacht hatte. Dafür verdiene sie Hochachtung, Respekt und Demut. Noch immer beeinträchtigten Ausgrenzung, Diskriminierung und Ungleichbehandlung den Alltag vieler Menschen. „Die extreme Rechte modert noch immer“, mahnte er.

Zur Sache

Straße oder Platz für Esther Bejarano

Weyhe. In einem Antrag an Bürgermeister Frank Seidel bittet die Weyher SPD darum, Esther Bejarano bei der Vergabe von zukünftigen Straßen oder Platznamen zu berücksichtigen. Ferner wird die Verwaltung gebeten, zu prüfen, ob es bereits einen repräsentativen Platz gibt, der nach Bejarano benannt werden könnte. Als Begründung gibt die SPD an, dass die am 21. Juli 2021 verstorbene jüdische Überlebende des Holocausts in vielen Veranstaltungen - insbesondere mit Schülern - über ihr Schicksal berichtet hat. Durch diese Erinnerungen wollte sie laut SPD den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus unterstützen. Durch die Benennung einer Straße in Weyhe, verbunden mit einer kleinen Tafel über ihre Person und ihr Schicksal, soll diese Erinnerungsarbeit konkret vor Ort unterstützt werden, heißt es im Schreiben der Sozialdemokraten.

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