Nabu und Gemeinde wollen Ufer aufwerten

Kooperation statt Klage in Sachen Ochtum in Weyhe

Die vom Nabu Weyhe angekündigte Klage nach dem Beschluss, das Gewerbegebiet Dreye-West III in Richtung Ochtum zu erweitern, ist vom Tisch. Stattdessen wollen Naturschützer und Gemeinde nun vor Ort kooperieren.
16.07.2021, 15:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kooperation statt Klage in Sachen Ochtum in Weyhe
Von Alexandra Penth
Kooperation statt Klage in Sachen Ochtum in Weyhe

Setzen auf eine langfristige Kooperation: Umweltbeauftragter Ulf Panten (v. l.), Bürgermeister Frank Seidel sowie Thomas Brugger und Bernd Daneke vom Weyher Nabu.

Penth

Weyhe. Die Klage, die der Weyher Naturschutzbund (Nabu) nach dem Ratsbeschluss für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Dreye-West III Ende 2019 in Erwägung gezogen hatte, ist vom Tisch. Stattdessen haben sich die Naturschützer und die Gemeindeverwaltung nun auf gemeinsame Schritte verständigt, dem Naturschutz entlang der dort fließenden Ochtum als Lebensraum für Flora und Fauna Rechnung zu tragen. "Bei einem Klageverfahren weiß man erst einmal nicht, ob man Recht hat oder am Ende verliert", sagt Thomas Brugger, der erste Vorsitzende des Weyher Nabu. Die Naturschützer hätten sich ihm zufolge auf ein Verfahren von bis zu drei Jahren und Kosten von mehreren tausend Euro einstellen müssen. "Damit wäre schlussendlich wohl ein Millionenschaden verursacht worden, da es bereits Zusagen an Unternehmen gab", führt Brugger weiter aus. 

Ernst sei es den Naturschützern mit der Klage seinerzeit aber gewesen. So habe auch die Rechtsabteilung des Nabu Niedersachsen das Anliegen geprüft und den Einwand für berechtigt befunden. Wie berichtet, war die Rohrweihe in der Debatte nach Bruggers Worten zu einer Art "Symbolvogel" geworden. Zwei Paare der per EU-Vogelschutzrichtlinie streng geschützten Art sollten nämlich in der Nähe des Gewerbegebietes Dreye-West III brüten, wie es damals hieß. 

Kurz nach dem Beschluss zur Erweiterung sei die Gemeindeverwaltung auf den Nabu zugegangen. "Das waren fruchtbare Gespräche", sagt Brugger. Die Einigung beinhaltet, dass die Gewerbefläche auch zum Schutze der Rohrweihe nun bis auf 60 statt 50 Meter an die Ochtum heranrückt. Auch über die Ausrichtung der späteren Gebäude sei gesprochen worden. "Wir wollten keine Umfahrung, sodass ständige Bewegung vermieden wird", erklärt Brugger. Optisch soll das Gewerbegebiet ebenfalls abgegrenzt werden. Bernd Daneke, der zweite Vorsitzende des Weyher Nabu, steht in der Leester Marsch und deutet in die Ferne. Dort ragen die Bauten des bestehenden Gewerbegebietes in die Höhe. "Das rückt durch die Erweiterung noch einmal ein ordentliches Stück nach vorne", sagt er. Daher sollen Baumreihen hinter den Gebäuden das Gebiet etwas abschirmen. 

Um weitere Bebauung zu verhindern, planen Gemeinde und Nabu außerdem, die Biotopstruktur auf einer an das bestehende Gewerbegebiet angrenzenden Fläche im Nordwesten zu erweitern, die ursprünglich beplant werden sollte. Brugger erklärt: "Wenn man eine Biotopstruktur anlegt, ist die Fläche langfristig nicht mehr bebaubar." Längs auf der Fläche soll ein Grabenareal mit Feuchtbiotopen entstehen, führt Ulf Panten, der Umweltbeauftragte der Gemeinde Weyhe, die Pläne aus. Laut Bürgermeister Frank Seidel wolle die Gemeinde sich um Fördermittel bewerben, um ihre Pläne möglichst kurzfristig in die Tat umzusetzen. Brugger schweben insgesamt Investitionen im mittleren sechsstelligen Bereich vor und er hofft, dass die Zusammenarbeit innerhalb von zwei Jahren die ersten Früchte trägt. 

Bei der Kooperation geht es insgesamt darum, mittel- bis langfristig zusammenhängende Biotopstrukturen entlang der Ochtum zu schaffen. Zielmarke wären gut 20 Hektar. In der Nähe des Radweges An der Weide nach Bremen hat der Mittelweserverband bereits eine Auenlandschaft angelegt. Ulf Panten kann sich vorstellen, solche Strukturen auch auf Flächen der Gemeinde mit Anschluss an die Ochtum zu übertragen. So etwa bei den beiden ins Auge gefassten Ausgleichsflächen für die Gewerbegebiets-Erweiterung. Insgesamt sollen sie circa 11,5 Hektar umfassen. Die größere liegt westlich des Biotops am Ende der Straße Horstkamp in Leeste, die kleinere am Zipfel der gegenüberliegenden Seite der Ochtum. Die Ausgleichsflächen sollen parallel zum Fortschreiten der Bebauung in Dreye-West III angelegt werden. Ein Teil der größeren Ausgleichsfläche ist dabei bereits eingesät worden, berichtet Panten.

Auch das Biotop in der Leester Marsch solle im Zuge der Kooperation aufgewertet werden. Die Flächen dort gehören der Gemeinde und dem Nabu und umfassen zusammen drei bis vier Hektar. Auch der Mittelweserverband unterhält in dem Bereich ein Areal, das "grüne Band" entlang der Ochtum fällt ebenfalls in seinen Zuständigkeitsbereich. Der Verband müsste noch mit ins Boot geholt werden, sagt Panten. Bisher gebe es lediglich Überlegungen, für konkrete Vorhaben bedürfe es der politischen Zustimmung, um an Fördergelder zu kommen und letztlich auch eigene Haushaltsmittel vorzuhalten sowie weiterer Genehmigungen. Brugger: "Es war das Bestreben, dass wir mit der Gemeinde einen Konsens finden."

Seidel betont, dass die Gespräche nie unter der Prämisse stattgefunden hätten, eine mögliche Klage abzuwenden. Sie sollten vielmehr eine Verbesserung schaffen. "Um die Natur wird nicht gepokert", sagt er. Das Thema hatte nicht zuletzt bei Weyhes Umweltbeauftragtem Panten "echt Bauschmerzen verursacht", befand er sich gewissermaßen zwischen den Stühlen. Umso erfreuter ist er, dass Nabu und Gemeinde nun gemeinsame Wege gehen wollen: "Mit so einem Projekt erreicht man am Ende mehr als mit einem Klageverfahren."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+