Projekt Adelante 2.0 in Weyhe

Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Zwei Monate arbeiten die spanischen Erzieherinnen und Erzieher im Zuge des Projekts Adelante 2.0 in der Gemeinde Weyhe. Schon jetzt haben sie sich gut eingelebt.
16.05.2019, 17:38
Lesedauer: 3 Min
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Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel
Von Alexandra Penth
Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Eine Delegation aus Barcelona, die vor Ort das Projekt Adelante 2.0 koordiniert, ist nach Weyhe gekommen, um zu hören, wie es den Teilnehmern des Erzieher-Programms nach zwei Monaten in der neuen Umgebung ergeht.

Penth

Weyhe/Barcelona. Andrea Conejo Tarin lebt erst seit zwei Monaten in Leeste. Trotzdem sagt die 26-Jährige: „Ich fühle mich zu Hause.“ Die junge Spanierin spricht erstaunlich gut Deutsch, bedenkt man, dass sie es erst seit Kurzem lernt. In ihrer Heimat hat sie den Beruf der Erzieherin erlernt, doch mangels Perspektiven ist sie nach Deutschland gekommen. Seit acht Wochen arbeitet Andrea Conejo Tarin nun als Sozialassistentin in der Kindertagesstätte Jahnstraße. Als eine von sieben Fachkräften, darunter ein Mann, nimmt die aus der Großstadt Valencia stammende Frau am Projekt Adelante 2.0 teil, das es auch schon in der Nachbargemeinde Stuhr gibt. Ziel ist es, spanischen Erziehern die Anerkennung ihrer Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen, um einerseits deren Zukunftschancen zu verbessern und andererseits gegen den Fachkräftemangel in Deutschland anzukämpfen. Bei dem Projekt arbeiten die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und die Firma Practi-Go zusammen.

18 eher abenteuerliche Vorstellungsgespräche hatte es im November 2018 gegeben, wie Katharina Hebecker vom Fachbereich Bildung und Freizeit der Gemeinde am Donnerstag im Weyher Rathaus berichtete. Denn die fanden per Videochat Skype statt. Das Problem seien nicht etwa sprachliche Barrieren, sondern die manchmal mittendrin abbrechende Internetverbindung gewesen, sagte Hebecker, der ein Übersetzer zur Verfügung stand. Aus den Gesprächen hat die Gemeindemitarbeiterin vor allem eines mitgenommen: „Sie sind alle sehr motiviert.“

Vielleicht mag es an der digitalen Verbindung etwas gehapert haben, doch das trifft mitnichten auf die guten Kontakte zwischen beiden europäischen Ländern zu. „Wir leben in einem vereinten Europa, gekennzeichnet durch Grundfreiheiten“, sagte Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte und meinte damit insbesondere die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU. „Es soll keine Grenzen geben, wo Sie leben und wo Sie arbeiten“, sagte der Rathauschef an die Projektteilnehmer gewandt.

In sechs Weyher Kindertagesstätte arbeitet derzeit ein Adelante-Teilnehmer, eine Fachkraft ist im Haus der Krippenkinder beschäftigt. Sie belegen wöchentlich einen Deutschkurs, um bis Ende der Projektzeit das Niveau von B2 oder C1 zu erwerben. In der Heimat sind sie ausgebildete Erzieher, steigen in Deutschland nun aber als Sozialassistenten mit niedrigerer Qualifikation ein. Diesen „Rückschritt“ nehmen die jungen Menschen in Kauf mit dem Ziel, nach den 14 Monaten Projektlaufzeit als Erzieherin und Erzieher in Deutschland anerkannt zu werden. Denn dafür, erklärte Guido Klemm von der ZAV, bedarf es des Sprachniveaus C1. Er berichtete auch, dass die Erfahrungen mit Adelante 2.0 bislang auch andernorts positiv gewesen seien. „Um so ein Projekt auszuführen, braucht man starke Partner“, dankte er den Mitstreitern, die sich auch aus Sprachschulen und spanischen Berufsschulen zusammensetzen. 65 Erzieherinnen und Erzieher aus Spanien hat Adelante 2.0 in diesem Jahr insgesamt rekrutiert. Demnächst startet der nächste Anlauf für 2020, bei denen 80 Fachkräfte die Chance bekommen sollen, in Deutschland zu arbeiten. Im April ist es für die Nachfolger so weit – dann womöglich auch wieder in Weyhe.

Andrea Conejo Tarin möchte als Erzieherin arbeiten und ihr in Spanien begonnenes Pädagogikstudium an einer Fernhochschule fortsetzen. Sie fühlt sich schon jetzt angekommen. Beim Umzug vom Wohnheim in die eigene Leester Wohnung hatte sie viel Hilfe, sie macht regelmäßig Wassersport und – worüber sie sich sehr freut – sie braucht nur fünf Minuten mit dem Rad zur Arbeit. Der jungen Frau gefällt das Konzept in hiesigen Kindergärten. „Die Kinder sind hier autonomer als in Spanien“, sagt sie. Es gebe mehr Freiraum für die Kinder, es werde nicht allzu strikt nach „Lehrplan“ gearbeitet. Andrea Conejo Tarin: „In Spanien ist ein Erzieher für eine ganze Gruppe zuständig. Das ist hier anders.“

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