Glasfaser-Ausbau in Weyhe

Abgehängt im „Bermuda-Dreieck“

Oliver Pechstein und Karl-Heinz Schulte fallen beim aktuellen Glasfaser-Ausbau in Weyhe hintenüber. Obwohl sie die Baustellen in der Nachbarschaft haben, kommen sie nicht ans Netz.
27.04.2021, 18:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
Abgehängt im „Bermuda-Dreieck“

Von der Glasfaserversorgung in Weyhe abgehängt: Für Karl-Heinz Schulte (links) und Oliver Pechstein ist ein Anschluss wegen der Lage ihrer Wohnsitze derzeit nicht in Sicht.

TAMMO ERNST

Weyhe. Die gesamte Nachbarschaft bekommt schnelles Internet – nur zwei Haushalte bleiben unberücksichtigt. Oliver Pechstein und Karl-Heinz Schulte beschreiben als großes Ärgernis, was sie seit einigen Monaten an der Rumpsfelder Heide erleben. „Ich fühle mich vollkommen alleine gelassen. Keiner nimmt das Zepter in die Hand“, sagt Schulte.

Mit ihren beiden Häusern liegen die beiden etwas abseits, im „Bermuda-Dreieck“ zwischen Leeste, Lahausen und Melchiorshausen, wie sie selbst witzeln. Da entsteht leicht der Eindruck, dass sie einfach übersehen wurden, wo die Deutsche Glasfaser nun entlang der Rumpsfelder Heide die Anschlüsse in Eigenverantwortung verlegt und auf der anderen Seite ein geförderter Ausbau erfolgt, den künftig Nordischnet vermarktet. „Ich finde, das ist nicht erklärbar, wieso beide Häuser ausgelassen werden“, merkt Schulte an.

Doch genau in dieser Konstellation liegt das Problem: Weil die Übertragungsrate in der Rumpsfelder Heide über 30 Mbit pro Sekunde liegt, fällt sie unter die sogenannten schwarzen Flecken, „in denen der Eigenbetrieb nicht aktiv werden darf und kann“, erklärt Mareike Rein, Sprecherin des Landkreises Diepholz: „Dem Landkreis ist es nur erlaubt, dort mit öffentlichen Geldern einzugreifen, wo ein Marktversagen festgestellt wurde und dadurch die weißen Flecken definiert wurden.“ Deshalb habe der Landkreis keinen Handlungsspielraum, solange sich die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht ändern.

Für Oliver Pechstein ist das umso frustrierender, da er an der Rumpsfelder Heide ein Sachverständigenbüro mit 13 Mitarbeitern hat. Doch immer wieder komme es zu Verbindungsabbrüchen, auch die Investition von mehreren tausend Euro in eine neue Telefonanlage habe daran nichts geändert. „Die Infrastruktur stimmt nicht“, ist seine Schlussfolgerung. Auf Nachfrage bestätigte eine Vodafone-Sprecherin, dass die technischen Werte nicht gut seien. Da eine Ferndiagnose nicht möglich sei, sei nun ein Termin vor Ort vereinbart worden. Auch Schultes Anschluss werde überprüft. In den vergangenen sechs Monaten sei dem Unternehmen allerdings keine Störung gemeldet worden. Grundsätzlich verfüge Weyhe mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit pro Sekunde über ein „hochmodernes Netz“, das auch kontinuierlich ausgebaut werde.

Für Pechstein mit seinem Sachverständigenbüro wird die Bandbreite dennoch allmählich knapp, unabhängig von der Stabilität, wie er sagt. „Wir haben wahnsinnig hohe Datenmengen zu verschicken – auch schnell“, merkt er an. Zumal sich die beiden frühzeitig bemüht hätten, an das Glasfasernetz angeschlossen zu werden. Doch seien sie nirgends vorangekommen. Dabei wäre Pechstein auch bereit gewesen, einen Teil der Kosten selbst zu tragen. Nun überlege er, das Unternehmen nach Bremen zu verlegen: „Ich habe mich drauf verlassen, dass wir Glasfaser bekommen wie angekündigt.“

Dass die Deutsche Glasfaser die beiden anders als den Rest der Rumpsfelder Heide berücksichtigt hat, begründet Sprecher Dennis Slobodian mit der Lage der beiden Häuser. Andernorts seien zwar schon Lösungen gefunden worden, wenn etwa die Siedlung den Tiefbau übernehme. Doch: „In dem Fall ist es wirklich schwierig.“ Beim Glasfaser-Ausbau sei nicht die Entfernung zum Nachbarhaus entscheidend, sondern zum Verteilerkasten. Bei Schulte und Pechstein müssten hier mehrere hundert Meter überbrückt werden. Selbst mit einem Eigenanteil der beiden wäre die Summe immer noch hoch. Zumal sie eben in der Theorie bereits gut versorgt seien und zu den nicht förderfähigen schwarzen Flecken zählen.

Für Weyhes Wirtschaftsförderer Dennis Sander ist der Frust der beiden nachvollziehbar. „Wir setzen uns immer für die Bürger ein und haben Gespräche mit den Anbietern geführt“, betont er. Doch sei der Einfluss der Gemeinde hier gering. In Melchiorshausen etwa gebe es ein Positivbeispiel, bei dem der Anschluss einer Straße an das Glasfasernetz auf Initiative der Anwohner noch gelungen sei. Auch für Pechstein und Schulte setze er sich noch ein. Ein gemeinsames Treffen mit den Betroffenen und dem Anbieter sei bislang jedoch noch nicht zustande gekommen. „Wir haben ein Interesse, dass es ein Angebot und eine Lösung gibt“, beteuert Sander.

Durch Corona habe sich gezeigt, dass Deutschland beim Breitbandausbau hinterher sei. Umso glücklicher sei die Gemeinde, dass nun viele Haushalte erschlossen werden. „Wir haben jetzt vermehrt Adressen, die nicht wirtschaftlich und keine weißen Flecken des Landkreises sind“, beobachtet Sander jedoch auch. Eine Hoffnung liege daher in der neuen Förderperiode ab dem Jahr 2022, die auch graue Flecken beinhalten soll. Davon könnten dann auch Pechstein und Schulte profitieren. Doch wisse er auch, dass das keine schnelle Lösung sei. „Für mich ist das Thema alles andere als vom Tisch. Ich bleibe dran und hoffe, dass es irgendwann ein Angebot gibt“, sagt er weiter. Er hoffe, dass das jüngst von der Bundesregierung beschlossene Recht auf schnelles Internet kein reines Versprechen bleibe. Wie schnell das Internet dann mindestens sein muss, ist allerdings noch nicht festgelegt.

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