Hospizverein Weyhe lädt zur Diskussion ein

Die Frage nach dem guten Sterben

Was ist gutes Sterben, gibt es das überhaupt? Diese Frage stellt der Weyher Hospizverein den Weyher Bürgern, die ihre Gedanken dazu mitteilen können. Das geschieht in Vorbereitung auf eine Podiumsdiskussion.
24.09.2021, 17:35
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Die Frage nach dem guten Sterben
Von Alexandra Penth

Weyhe. Schon jetzt ist einiges an Post beim Hospizverein Weyhe eingegangen. Karin Meiners hat einen sechsseitigen, von Hand geschriebenen Brief vor sich liegen von einer sterbenskranken Frau. "Ich möchte ein Beispiel dafür sein können, dass der Tod nicht als schwarzes Ungeheuer gesehen werden muss", liest Meiners aus dem Brief vor. Die Vorsitzende des Hospizvereins und ihre Stellvertreterin Jutta Gudde sammeln derzeit Beiträge der Weyher Bürger zu den Fragen: Was ist gutes Sterben? Gibt es gutes Sterben? Die Einsendungen sollen Eingang in die geplante Podiumsdiskussion des Vereins am Donnerstag, 14. Oktober, finden. Denn genau dann steht ab 19 Uhr in der Tanzschule Reiners, Im Bruch 48, die Frage nach dem guten Sterben im Fokus. Anlass ist der Welthospiztag am 9. Oktober.

Bei Einverständnis der Verfasser wird der Hospizverein die Beiträge auch auf seiner Internetseite veröffentlichen, auf Wunsch auch anonym. Die niedergeschriebenen Gedanken sollen auch Eingang in die Veranstaltung am 14. Oktober finden. "Wir stellen bei der Diskussion eine Litfaßsäule auf, dort können zum Beispiel auch gemalte Bilder aufgehängt werden", erklärt Jutta Gudde. Eingeladen zur Diskussion sind Lilja Helms von Pro Dem, Bianca Sengrün vom Palliativ-Stützpunkt des Landkreises Diepholz, Petra Brackmann vom stationären Hospiz Zugvogel, Marion Engler von der Palliativstation des Klinikums Links der Weser, die zwei Jugendlichen Joshua Härtel und Sabine Apel sowie Karin Meiners vom Hospizverein. Die Moderation übernimmt Martin Busch. "Ich finde es ganz toll, dass sich auch zwei junge Menschen an der Diskussion beteiligen wollen. Ich bin gespannt, wie sie sich dazu äußern werden", sagt Gudde. 

Karin Meiners und sie sind erfahrene Hospizbegleiterinnen. Dass die Gesellschaft dem Thema Tod und Sterben teilweise nur bedingt aufgeschlossen gegenübersteht, merken sie immer wieder. Zum Beispiel bei Veranstaltungen, bei denen sich der Verein präsentiert. "Wir hatten eine Bude auf dem Weihnachtsmarkt mit richtig schicken Sachen, aber keinem Schild vom Hospizverein", berichtet Meiners von einer Gegebenheit. Bei der Frage einer jungen Frau nach dem Preis für eine Ware baten die Mitglieder stattdessen um eine Spende für den Hospizverein. Die Frau sei daraufhin zunächst regelrecht zurückgewichen, erinnert sich Meiners. 

Dabei sei es wichtig, das Thema immer wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. "Man muss sich mit dem Sterben auseinandersetzen – und klar will man sich schön verabschieden." Sich mit Instrumenten wie Vorsorgevollmacht und Betreuungs- sowie Patientenverfügung zu beschäftigen, sei dabei keine Frage des Alters, betonen Gudde und Meiners.

Was gutes Sterben bedeuten kann, haben beide schon oft gesehen. In einem Fall hatte sich um eine alleinstehende Frau ein ganzes Netzwerk gebildet. So hatten Nachbarn, Freunde und der Hospizverein sich per Nachrichtendienst abgestimmt, sodass immer jemand erreichbar war. Auch die Versorgung der zwei Katzen der Frau sei so gewährleistet worden. "Die Frau hat jeden Tag noch Pläne gemacht, was sie noch erledigen will", berichtet Gudde. So hatte sie am Sterbebett noch Blumen für Freunde bestellt als Zeichen der Dankbarkeit. Auf der anderen Seite erleben die Hospizbegleiterinnen auch häufig, dass sich Angehörige bei der Versorgung des Sterbenden so aufopfern, dass manchmal kein Raum ist, die letzte gemeinsame Zeit bewusst zu erleben und sich zu verabschieden. Auch da wollen die Ehrenamtlichen helfen und entlasten.

Im Umgang mit dem Tod hat die Corona-Pandemie teilweise deutliche Spuren in den Familien hinterlassen, sagt Gudde. Die Trauergruppen des Vereins sind noch einmal mehr gefragt als zuvor. "Man konnte sich eine Zeit lang nicht richtig verabschieden von Angehörigen. Trauerfeiern waren nur in ganz kleinen Runden möglich. Viele konnten das nicht aufarbeiten", sagt Gudde. Umso wichtiger sei es nun, offen darüber zu sprechen. Gudde ist seit zehn Jahren für Sterbende in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörige da, Karin Meiners seit der Gründung des Vereins vor 24 Jahren. Damals initiierte sie auch sofort die erste Trauergruppe.

In Vorbereitung auf den Welthospiztag plant der Weyher Verein neben der Podiumsdiskussion zwei Aktionen auf dem Weyher Marktplatz während des Wochenmarktes am 2. und 9. Oktober. Worum es genau gehen wird, verraten Meiners und Gudde noch nicht. Beide überlegen nun schon einmal, wie sie die Frage beantworten werden, was gutes Sterben ausmacht. Denn auch für sie gibt es eine persönliche Antwort darauf. 

Wer seine Gedanken und Gefühle zum Thema "Was ist gutes Sterben? Gibt es gutes Sterben?" mit dem Hospizverein oder vielleicht auch der Öffentlichkeit teilen möchte, kann bis zur Podiumsdiskussion am Donnerstag, 14. Oktober, seinen Beitrag an den Hospizverein Weyhe per E-Mail an hospiz.weyhe@gmx.de oder per Post an Hospiz Weyhe e.V., Henry-Wetjen-Platz 4, 28844 Weyhe, schicken. Der Eintritt zur der Podiumsveranstaltung ist frei, es gelten die Corona-Regeln. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet der Hospizverein um Anmeldung bis spätestens Dienstag, 12. Oktober, unter der Rufnummer 0421/808074 oder per E-Mail an die genannte Adresse. 

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