Kammermusik in der Felicianuskirche

Im Sog der Kammermusik

Kammermusik mal nicht klassisch besetzt: Das ist die Idee hinter dem Trio Estival. Es verzauberte am Sonntag das Publikum in der Felicianuskirche in Kirchweyhe mit Harfe, Flöte und Bratsche.
11.02.2019, 16:36
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Von Anke Bayer-Thiemig
Im Sog der Kammermusik

Das Trio Estival weiß, wie es mit Harfe, Flöte und Bratsche sein Publikum in den Bann zieht. Das war auch am Sonntag in der Weyher Felicianuskirche der Fall.

Jonas Kako

Weyhe-Kirchweyhe. Viele der Kammermusikkonzerte sind klassisch mit Streichinstrumenten und Flügel besetzt. Das war am Sonntag in der Felicianuskirche anders: An diesem Tag erklang ein Zusammenspiel aus Harfe, Flöte und Bratsche – drei Instrumente, die sowohl ein individuelles Eigenleben führen als sich auch in der Gemeinschaft wohlfühlen. Für die musikalische Gestaltung des frühen Abends konnte mit dem Trio Estival ein in seiner Besetzung ungewöhnliches und zugleich ungemein faszinierendes Kammermusikensemble gewonnen werden.

„Ich hoffe, wir können Sie erwärmen in dieser sehr kalten Kirche“, begrüßte Sigrun Busch die etwa 50 Besucher. Und um es vorwegzunehmen: Es war wirklich sehr kalt im Gotteshaus. Doch mit gewohnter Herzlichkeit wurden jede Menge Wolldecken an die Gäste verteilt.

Wunderschön war zudem die hereinbrechende Dunkelheit vor den großen, bunten Kirchenfenstern, die mit dem Licht brennender Kerzen illuminiert waren. Und wenn die Augen ein wenig abgelenkt sind, kommen andere Sinne schließlich umso mehr zu ihrem Recht.

Sigrun Busch (Quer- und Piccoloflöte), Joachim Brockes (Bratsche) und Eva Pressl (Harfe) musizierten zur Einstimmung eine Sonate des französischen Barockmeisters Jean-Marie Leclair (1697-1764). Dieser in Lyon geborene Korbflechtersohn wurde Violinist, Komponist, Tänzer und Opern-Ballettmeister in Turin und Kompositeur am Hofe in Paris. Die Triosonate D-Dur op. II, Nr. 8 war von höfischer Eleganz, zumal die Harfe den Continuo-Part zupfte und die Bratsche zum Kontrastprogramm der Flöte avancierte.

Doch auch was danach mit Jolivets „Petite Suite“ aus dem Jahr 1941 folgte, bestehend aus fünf kurzen, thematisch verbundenen Sätzen, war für viele der Gäste ein Novum, das viel Applaus erhielt. André Jolivet (1905-1974) war übrigens unter den französischen Komponisten seiner Zeit ein Außenseiter, gilt heute jedoch als bedeutendster französischer Komponist seiner Generation.

Ein weiterer Teil des Konzerts „Musik aus Frankreich“ war mit dem „Deux Interludes“ gefüllt, eine einfühlsame, klangvolle Melodie, eine Art Zwischenmusik, von Jacques Ibert (1890-1962) komponiert. Spanischen Charakter hatte vor allem das zweite Stück von Ibert, das Allegro vivo.

Dieses allein bot bereits reichlich Gesprächsstoff, doch Höhepunkt und Abschluss des eindrucksvollen Programms war die „Sonate pour Flute, Alto et Harpe“ von Debussy (1862-1918), in der sich das Urteil des Komponisten über das eigene Werk – „ein Gnadengeschenk“ – eindrucksvoll in der raffinierten Lust am reinen Spiel manifestierte.

Die eigentlich längst verloren geglaubte Tradition der Kammermusik erfuhr in der Felicianuskirche wieder einmal eine Renaissance, und schnell stellte sich heraus, dass hier drei gestandene und sehr routinierte Musiker am Werk waren. Das Trio Estival gründete sich im Sommer 2018. Die beiden Musikerinnen Eva Pressl und Sigrun Busch konnten den Bremer Bratschisten Joachim Brockes zu ihrem Duo hinzugewinnen.

Klarheit und Eindringlichkeit, klangliche Spannung sowie Autonomie und der gemeinsame Zug zur dichten, deutlichen Formulierung zeichneten das Musizieren des Trios aus. Das Publikum ließ sich mitreißen vom Sog dieser Musik und erklatschte sich mit bemerkenswert ausdauerndem Beifall eine Zugabe. „Ein unvergesslicher Kammermusikabend der Extraklasse“, war dann auch auf dem Nachhauseweg zu hören.

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