Gästeführer in Stuhr Jens Oyen führt neuerdings in die Vergangenheit

Neu im Team der Stuhrer Gästeführer ist Jens Oyen. Der 50-Jährige möchte zunächst über einen Hof in Eggese berichten, kann sich aber bereits viele weitere Tourenansätze vorstellen.
16.04.2019, 17:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stephen Kraut

Der Hof in Eggese liegt ruhig in der Mittagssonne. Vom Tor aus ist keine Bewegung auf dem Gelände zu erkennen – mit einer Ausnahme: Jens Oyen kommt aus der alten Scheune herüber. Der 50-Jährige ist seit Kurzem Gästeführer in Stuhr und befindet sich an diesem Tag auf seinem künftigen Arbeitsort. Denn den Hof, der zum Teil aus dem Jahre 1670 stammt, und damit verbunden auch verschiedene Aspekte des damaligen Lebens, will Oyen den Interessierten näherbringen. Aber er hat darüber hinaus bereits jede Menge weiterer Ideen.

„Die Einfahrt führte eigentlich noch weiter, dorthin, wo sich heute das Feld befindet“, berichtet Oyen schon am Eingang. Dann führt er über das alte Kopfsteinpflaster zu der Scheune, aus der er kurz zuvor herauskam. Dort erklärt der frischgebackene Gästeführer, was es mit der alten Kutsche im Inneren auf sich hat und wieso sich das Gebäude, trotz vieler Jahre auf dem Buckel, einst an einem anderen Ort befunden hat. Schnell wird deutlich: Oyen kennt sich nicht nur aus, der Mitarbeiter einer Gemeinde-Bauverwaltung in der Wesermarsch ist bei diesem Thema sehr engagiert. „Das wurde bei der Ausbildung zum Gästeführer deutlich: Wenn man Feuer und Flamme für das Thema ist, über das man spricht, darf auch mal etwas schiefgehen.“

Auf die Möglichkeit, Gästeführer zu werden, stieß Oyen über die Presse. In Bookholzberg wurde eine entsprechende Ausbildung angeboten, der 50-Jährige nahm diese Gelegenheit wahr. Das war im September 2018. Anfang diesen Jahres dann gab es die Urkunde, die ihn als Gästeführer ausweist. Er fügt hinzu, dass so eine Ausbildung viel Wert auf Qualität lege. „Die Thematik war schon weit gefasst“, berichtet er von den Inhalten des Kurses. Dabei, fügt er schmunzelnd hinzu, sei natürlich vor allem der bauhistorische Aspekt interessant gewesen. Aber auch an der eigenen Präsentation wurde gearbeitet, so Oyen. „Es wurden Aufnahmen von uns während eines Vortrags gemacht. Das war sehr umstritten, im Nachhinein haben aber alle gesagt, dass es geholfen hat“, erinnert er sich. Auch auf anderem Wege habe er üben können. „Es kamen schon einmal Nachbarn hier vorbei“, die seien ebenfalls direkt „abgefangen“ worden, fügt er lachend hinzu.

Die Verbindung zu dem in Privatbesitz befindlichen Gelände kam Oyen zufolge über persönliche Kontakte zustande. Aktuell bereitet er dort nicht nur seine Gästeführungen vor, sondern hat auch ein Auge auf den baulichen Zustand. Wobei er klarstellt: „Zunächst soll alles so bleiben, wie es ist.“ Es gehe ihm in erster Linie darum, dass sich die Situation der Häuser nicht verschlimmert. Vor allem die Dächer mussten in diesem Zusammenhang gesichert werden, weiß er. „Es bietet sich an“, erklärt Oyen zu seiner Unterstützung. Aus seiner beruflichen Tätigkeit habe er schließlich die Kontakte.

Wenn dann doch etwas verändert werden muss auf dem Gelände, versuchen er und die Eigentümer aber, alles wiederzuverwerten, wie der Gästeführer berichtet. „Eine Eiche musste gefällt werden, daraus wurden Bohlen gemacht“, nennt er ein Beispiel. Das dafür nicht zu verwendende Material wandere in den Ofen. „Vielleicht kann man sich dann hier im Zuge einer Führung auch mal anschauen, wie damals hier gearbeitet wurde“, kann Oyen sich eine weitere Tour vorstellen. Denn generell werde auf traditionelle Baustoffe auf dem Hof gesetzt.

Aber das ist längst nicht die einzige Idee, die der 50-Jährige bereits hat. Beim Schritt heraus aus der Scheune blickt er in Richtung einer Biogasanlage. „Vielleicht kann man eine Führung dort und hier anbieten – Landwirtschaft früher und heute“, nennt er ein weiteres mögliches Thema. Generell möchte er auch auf Kooperationen mit anderen Gästeführern setzen. Bei einer Fahrt in Richtung der Moordeicher Wälder auf der Babywaldroute sei ein Zwischenstopp auf dem Eggeser Hof angedacht. Für die Zukunft kann Oyen sich zudem eine Gästeführung auf Plattdeutsch vorstellen. „Mir fehlt allerdings noch mein 'Adsche'“, zieht er einen Vergleich zur Fernsehserie „Neues aus Büttenwarder“.

Nun steht aber erst einmal Jens Oyens erste eigene Tour an (siehe unten). Noch ist er entspannt: „Mal schauen, wie die Resonanz ist“, sagt er nur. Die Leidenschaft tritt später zum Vorschein, beim Blick in die Vergangenheit.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+