Auftritt von Frank Lüdecke in Kirchweyhe „Kabarett verändert den Zuschauer nicht“

Die Hoffnung darauf, dass Kabarett den Zuschauer oder den Weltenlauf verändert, hat Frank Lüdecke schon früh aufgegeben. Dennoch macht er weiter. Am Sonnabend, 19. Oktober, kommt er nach Kirchweyhe.
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Von Maike Plaggenborg
Herr Lüdecke, damit einem das Lachen nicht im Halse stecken bleibt: Gibt es Grenzen für Sie? Themen, an die sich nicht heranwagen?

Frank Lüdecke: Nein. Es kann aber sein, dass ich mich zu Themen nicht äußere. Etwa, wenn ich mich zu wenig damit auskenne. Oder wenn ich keine interessante künstlerische Verarbeitung finde. Die Grenzen liegen also eher in mir selbst.

Spaß ist ja mitunter eine ernste Sache. Hoffen Sie – mit einem Augenzwinkern gefragt - auf Besserung in der Welt durch Ihr Kabarett?

Diese Hoffnung habe ich schon sehr früh aufgegeben. Als Student dachte ich noch mitunter in diese Richtung. Heute weiß ich: Kabarett verändert den Zuschauer nicht und auch nicht den Weltenlauf. Das anzunehmen hielte ich für naiv. Wenn etwas geschieht, dann vielleicht in sehr homöopathischer Dosis. Aber Kabarett kann anregen, in Frage stellen, bestärken, unterhalten und überhaupt: Den Blick auf etwas lenken. Das ist schon sehr, sehr viel.

Wie ist es, mit Dieter Hallervorden zusammenzuarbeiten, für den Sie auch Hauptautor waren?

Dieter Hallervorden ist in seiner Arbeitsweise sehr minutiös. Er bereitet alle seine Projekte langfristig vor und ist auch während der Realisierung sehr genau. Ich bin auch sehr genau, benötige aber immer etwas den Termindruck als Kreativitätsschub. Dadurch haben wir bisweilen einen gewissen Gesprächsbedarf. Gerade bereiten wir ein Theaterstück vor, das er zu seinem 85. Geburtstag plant. Er wird die Hauptrolle spielen, ich führe Regie. Außerdem führt er ja zwei Theater in Berlin. Und da ich mit meiner Frau gerade das älteste Kabarett Berlins übernommen habe – die „Stachelschweine“ im Europa Center – bin ich sehr dankbar, dass ich auf seine Erfahrungen zurückgreifen darf. Unsere Zusammenarbeit ist nach all den Jahren sehr kollegial und freundschaftlich geworden.

Eigentlich haben Sie Geschichte und Germanistik studiert und auch abgeschlossen. Während des Studiums haben Sie bereits fünf Kabarettprogramme geschrieben. Warum zog es Sie dennoch auf die Bühne?

Ich habe schon zu Schulzeiten Kabarett gemacht. Während der Studienzeit habe ich nur im Sommer studiert und im Winter Programme gespielt. Deshalb kam ich auf 16 Semester. Im Berlin der 1980er-Jahre lag das noch deutlich unter dem Durchschnitt.

Gab es einen beruflichen Plan B?

Es gab ihn nicht. Meine Entscheidung stand schon sehr früh fest. Aber es hätte ihn geben können. Ich hatte eine Möglichkeit an der Universität zu bleiben oder auch als Journalist zum „Tagesspiegel“ zu gehen, für den ich Freier Autor war. Aber das waren letztlich keine Alternativen.

In Ihren Programmen geht es um Politik und Gesellschaft – immer mit einem bösen aber auch lächelnden Blick. Warum stürzen Sie sich auf diese Kost?

Die Beschäftigung mit unserer Gesellschaft war immer das, was mich interessiert hat. Und das ist die Aufgabe von Kunst, so wie ich sie jedenfalls verstehe. Und damit sage ich auch, dass Kabarett eine Kunstform ist. Was heute in vielen Feuilletons leider anders gesehen wird.

Was genau können die Besucher Ihres Auftritts in Kirchweyhe am 19. Oktober erwarten?

Dass ich versuchen werde, die Zuschauer mit politischen und gesellschaftlichen Themen in zwei Stunden so zu unterhalten, dass sie am Schluss sagen: Das war ein toller, ein unterhaltsamer und sehr anregender Abend. Das könnte klappen, auch in Weyhe.

Die Fragen stellte Maike Plaggenborg.

Info

Zur Person

Der Kabarettist Frank Lüdecke

wird 1961 in Berlin-Charlottenburg geboren. Schon während der Schulzeit beginnt er mit Kabarett, gründet zur Abiturfeier das Amateur-Projekt „Phrasenmäher“, mit dem er 1992 den Kleinkunstpreis des Saarlandes und im Anschluss drei weitere Auszeichnungen bekommt – ebenso für seine Auftritte als Solokünstler in den darauf folgenden Jahren. Für das kommende Jahr 2020 kündigt er sein achtes eigenes Programm an sowie seine Arbeit am Berliner Schlosspark Theater als Regisseur einer französischen Komödie mit Dieter Hallervorden und Peter Bause in den Hauptrollen.

Info

Zur Sache

Comedy-Show

Mit seinem Programm „Über die Verhältnisse“ tritt der Kabarettist Frank Lüdecke am Sonnabend, 19. Oktober, um 20 Uhr in der Kooperativen Gesamtschule Kirchweyhe, Hauptstraße 99 auf. Einlass ist ab 19.30 Uhr.

Die Karten kosten 16 Euro (14 Euro ermäßigter Preis) und sind im Bürgerbüro zu den Öffnungszeiten des Weyher Rathauses und an der Abendkasse erhältlich. Vorbestellungen sind nicht möglich.

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