Silvesterschwimmen 2018 Kampf gegen die nasse Kälte

Bei Wind und Wetter sprangen vor dem Jahreswechsel wieder nur die ganz hart Gesottenen in die sieben Grad kalte Weser, um am traditionellen Silvesterschwimmen teilzunehmen.
31.12.2018, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson

Weyhe-Dreye. Er war bereits bei der allerersten Auflage des Silvesterschwimmens im Jahre 1976 mit dabei – nun soll aber endgültig Schluss sein für den 75-jährigen und gleichzeitig ältesten Teilnehmer, Werner Muffler. Die 43. Ausgabe des traditionellen Schwimmens in der Weser soll seine Abschiedsvorstellung gewesen sein. „Es macht gar keinen Spaß mehr, das liegt einfach am Wetter“, betonte er und fügte hinzu: „Es war zu nebelig, ich habe die Vögel gar nicht richtig sehen können“. Auf die Frage, ob er im nächsten Jahr nicht sowieso wieder ins Wasser springen würde, wenn die Sonne scheinen sollte, antwortete er mit einem deutlichen „Nein“.

Gegen halb elf sprangen am Montag insgesamt 24 Schwimmer und sechs Schwimmerinnen in die sieben Grad kalte Weser. Eine Teilnehmerzahl, die für die Organisatoren etwas enttäuschend ist. „Der Rekord liegt bei knapp über 50 Leuten. In der Vergangenheit waren es zumeist 40. Vielleicht liegt es am Wetter“, konnte sich Schumacher diesen Rückschritt nicht wirklich erklären.

Bekleidet mit einem Neopren-Tauchanzug, Schwimmflossen, Handschuhen, ein wenig Blei sowie gegebenenfalls Taucherbrillen oder Schnorcheln machten sich die hart Gesottenen auf die fünf Kilometer lange Strecke vom Campingplatz Bollerholz bis hin zum Ende des Dreyer Hafens. Diese Ausrüstung ist für alle Teilnehmer absolute Pflicht. Der Pressesprecher der Dreyer Wehr, Lars Schumacher, erinnert sich dabei heute noch an skurrile Ideen anderer Schwimmer. „Vor Jahren versuchten es welche mit einem Surfanzug und hielten es damit nur eine halbe Stunde lang aus. Es ist auch schon einmal vorgekommen, dass Leute mit einer Badehose schwimmen wollten – sie erhielten aber keine Zulassung“.

In der Weser sind die Teilnehmer durch sechs Boote der Feuerwehr und der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) begleitet worden. Dabei sollten die Schwimmer in erster Linie darauf achten, in einer großen Gruppe zusammen zu bleiben. Denn wenn sich Ausreißer auf den Weg nach vorne machen, müsste ein Boot dementsprechend neben ihnen her fahren. „Da steht der Sicherheitsgedanke im Vordergrund“, erklärte Schumacher. Daran hielten sich nicht alle Wettkämpfer. Nach rund 70 Minuten kraulten die mit 14 Jahren jüngste Teilnehmerin, Elina Schumacher, sowie Uwe Falke erschöpft und mit den letzten Kräften ins Ziel. „Am Kältesten fand ich es an den Füßen, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Es hat großen Spaß gemacht“, sagte Elina, während Falke ergänzte: „Ich habe zu Beginn am Rücken gefroren, aber das legte sich“. Kurz darauf erreichten zwei weitere Schwimmer das Ufer am Dreyer Hafen. Einer der Schwimmer hatte dabei einen Geheimtipp parat – er kämpfte sich nämlich mit einem Helm präpariert durch die Fluten.

Zum Abschluss erreichte eine etwas größere Gruppe aus rund zehn Schwimmern, darunter auch Werner Muffler, das herbeigesehnte Ziel. Gemeinsam mit einem kleinen Floß der DLRG im Schlepptau und einer großen Kanne Glühwein benötigten sie rund anderthalb Stunden für die sportliche Herausforderung. Mit viel Applaus von den rekordverdächtigen rund 150 Zuschauern, die begeistert an der Strecke standen, wurden die Leistungen aller Schwimmer verdientermaßen toleriert. Lediglich eine Teilnehmerin gab wegen Unterkühlung an den Füßen völlig entkräftet auf und wurde schließlich von den Helfern an Land gebracht. Auch sie erhielt großen Beifall und viele aufbauende Worte. Ein Zuschauer kritisierte, dass sie keine Flossen angezogen hatte.

Als alle Teilnehmer um kurz nach zwölf nach einem Gruppenfoto strahlend aus der Weser stiegen, stand selbstverständlich noch das gemütliche Beisammensein auf dem Programm. Mit heißem Glühwein versorgten Helfer der Ortsfeuerwehr und DLRG die Schwimmer. Auch Werner Muffler freute sich über die wichtige und leckere Erwärmung zum Abschied. Im Zuge des Silvesterschwimmens ist es für ihn höchstwahrscheinlich der letzte Schluck gewesen. Aber auch ohne den 75-jährigen wird im nächsten Jahr die 44. Auflage des traditionellen Silvesterschwimmens stattfinden. Und wer weiß, vielleicht steigt er bei tollem Wetter doch wieder in die Weser, um den Vögeln beim Fliegen zusehen zu können.

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