Anti-Rassismus-Tag an KGS Leeste Rassismus bekämpfen und Zivilcourage zeigen

Rassismus bekämpfen und Zivilcourage zeigen – das ist das Ziel des Anti-Rassismus-Tages, den die KGS Leeste am Freitag wieder veranstaltet hat. Dabei sprach auch Fachjournalistin Andrea Röpke mit den Schülern.
09.07.2021, 17:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ina Ulbricht

Weyhe-Leeste. „Rassismus gibt es überall“, gibt Franziska Lücke, Schülersprecherin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste, anlässlich des Anti-Rassismus-Tags an der Schule zu bedenken. „Dagegen wollen wir vorgehen." Aus diesem Anlass organisiere die Schülervertretung der KGS seit fast 20 Jahren einmal im Jahr den Anti-Rassismus-Tag. Dieses Mal standen dabei die Themen Alltagsrassismus, Rassismus im Sport und Rechtsextremismus in Weyhe im Fokus. Dazu hatte jeder Jahrgang eigene Projekte und Workshops organisiert. „Wir wollen zeigen, wie man Rassismus bekämpft und Zivilcourage zeigt“, so Lücke.

Unter anderem hatten die Schüler die Fachjournalistin Andrea Röpke sowie Maria Wöhr von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts via Zoom in die Klassenräume geschaltet. „Wir haben eine neue rechte Mitte“, warnte Röpke, die sich auf Rechtsextremismus spezialisiert hat, zu Beginn ihres Vortrags. Bereits in den 1990er-Jahren habe sie an den Alt-Nazi-Treffen der „Stillen Hilfe“ teilgenommen, erzählte sie über die Anfänge ihrer Arbeit. 13 Jahre lang habe sie über diese Gruppierung, die für ihre Unterstützung von NS-Tätern in die Kritik geriet, recherchiert und auch ihre Diplom-Arbeit über dieses Thema geschrieben. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit sei die „Heimattreue Deutsche Jugend“, so die Journalistin. „Dort werden die Kinder von klein auf auf Nationalsozialismus eingeschworen“, erzählte Röpke. Die Organisation sei zwar mittlerweile verboten, sei aber weiterhin aktiv.

Immer wieder sei sie bei ihrer Arbeit auch mit Gewalt konfrontiert worden, so Röpke. „Die AfD hat schnell gezeigt, dass kritische Journalisten ungewollt sind“, berichtete sie. „Dafür greifen sie auch zu harten Mitteln und reißen uns die Kamera aus der Hand.“ Ihr Buch „Völkische Landnahme“ sei von Rechtsextremen symbolträchtig verbrannt worden. „Gewalt ist immer ein Teil dieser Szene“, sagte die Journalistin und verwies unter anderem auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 und die Morddrohungen an den SPD-Bürgermeister Arnd Focke aus Estorf im Landkreis Nienburg. „Gewalt ist legitim für sie, nicht unser Rechtssystem“, so Röpke weiter. Feindbilder seien Migranten, Obdachlose, Homosexuelle und Juden. „Der Terror, den wir heute haben, der die Demokratie bedroht, ist der rechte“, mahnte sie und verwies auf den Brandanschlag auf ein Restaurant in Syke im vergangenen Jahr. Sie kritisierte, dass obwohl auf dem Polizei-Video einiges zu sehen und zu hören sei von den Tätern, die Ermittlungen dennoch eingestellt worden seien.

Generell gebe es zu wenig Aufklärung, monierte Andrea Röpke. „Es gibt nur eine mobile Beratungsstelle für ganz Niedersachsen und zwei oder drei Leute in Bremen“, sagte sie. Dabei gebe es auch im Bremer Umland durchaus rechte Gruppen. Die Bremer Band „Endlöser“ habe etwa ihre Proberäume im Bereich Bassen (Gemeinde Oyten). Auch die wohl bekannteste Band der rechten Szene – „Kategorie C“ – stamme aus der Region Bremen.

„Gefährlich sind auch Bruderschaften aus verschiedenen Szenen, wie etwa Rocker, Kampfsport oder Security“, so Röpke. Ebenfalls bedenklich laut der Journalistin: Dass es mittlerweile auch Rechtsextremismus außerhalb der klassischen Szene gibt. Als Beispiel nannte sie Pegida: „Das sind erboste Leute, die mit der Politik nicht einverstanden sind“, sagte sie. Gesteuert werde das Ganze jedoch von Rechts. Es würden Massenproteste organisiert und entsprechende Inhalte auf sozialen Medien gestreut. „Die Wissenschaft sagt schon lange, dass wir eine Demokratie-Müdigkeit in Deutschland haben“, gab Röpke zu bedenken.

Aus dieser Müdigkeit hervor gingen dann Initiativen wie „Bremen-Nord wehrt sich“, „Rekumer Straße 12 – nicht mit uns“ oder der Frauenmarsch im Jahr 2018 in Delmenhorst. Solche Märsche würden oft von der AfD organisiert, so Röpke, die anmerkte, dass auch der Diepholzer Kreisverband der Alternative für Deutschland genau beobachtet werden müsse.

Ansprechpartner für rechte Themen ist die Mobile Beratungsstelle gegen Rechts für den Landkreis Oldenburg, deren Mitarbeiterin Maria Wöhr ebenfalls zugeschaltet war. „Zu unseren Aufgaben gehören die aufsuchende und unabhängige Beratung“, erläuterte sie. Dabei sei die Vernetzung mit regionalen Akteuren wichtig. Der Ansatz der Beratungsstelle sei „Hilfe zur Selbsthilfe“, betonte sie. Aber auch die Analyse, Recherche und Dokumentation von rechtsextremen Vorkommnissen gehöre zu den Aufgaben der Beratungsstelle.

In der anschließenden Diskussionsrunde wollte ein Schüler wissen, ob es rechtsextreme Gruppen in Weyhe gibt. „Das kann ich nicht genau sagen“, antwortete Andrea Röpke. Einzelne Aktivisten in unterschiedlichen Spektren – etwa der Security-Szene – gebe es aber durchaus. Auch für die „MC Legion“ gebe es einen Anlaufpunkt in Weyhe. Generell wisse man aber leider zu wenig über die Strukturen, so Röpke.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht