Nabu Weyhe bekommt Recht

Kleines Moor wieder unter Wasser

Erfolg für den Weyher Nabu – vor allem aber für die Amphibienwelt in Leeste: Der Landkreis Diepholz stimmt zu, dass die Trinkwasserförderung Einfluss haben könnte auf den Wasserverlust im Kleinen Moor.
05.03.2020, 17:55
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Kleines Moor wieder unter Wasser
Von Alexandra Penth
Kleines Moor wieder unter Wasser

Wieder Wasser im Kleinen Moor. Dafür haben Thomas Brugger, seine Mitstreiter und die Gemeinde Weyhe gesorgt.

Alexandra Penth

Anderthalb Jahre hat Thomas Brugger dafür gekämpft. Im Januar kam nun die Bestätigung vom Landkreis Diepholz: Das Kleine Moor in unmittelbarer Nähe zum Böttchers Moor in Leeste ist grundwasserabhängig. Was das bedeutet? Die Trinkwasserförderung der Harzwasserwerke könnte sehr wohl Einfluss haben auf den Wassergehalt des Moores. Dass der Landkreis als Untere Wasserbehörde den Weyher Naturschützern Recht gibt, hat vor allem positive Auswirkungen auf die Amphibienwelt.

Mit zielstrebigen, weiten Schritten geht der Vorsitzende der örtlichen Nabugruppe durch das an die Naturschutzstation angrenzende Waldstück, über Baumstümpfe hinweg und über morastigen Boden. Am versteckten Kleinen Moor hält er und deutet auf die kleine Wasserfläche: „Der Grundwasserspiegel ist um ein bis eineinhalb Meter abgesackt.“ Dass sich überhaupt Wasser in der Mulde befindet, ist keine Selbstverständlichkeit. Seit September 2018 lag das Kleine Moor auf dem Trockenen. Der Nabu hatte im Zuge dessen eine geographische Höhenmessung veranlasst und mithilfe von Grundwasserdaten belegt, dass der Grundwasserspiegel unter die Sohle des Moores gefallen war. Damit sah der Landkreis bestätigt, dass das Gewässer keine dichte Beckensohle hat und sich auch aus Grundwasser speist. Auf die Antwort Ende Januar hin wurden die Gemeinde Weyhe und der Nabu tätig. Vor drei Wochen ist das Kleine Moor per Bagger in einem Bereich um bis zu 50 Zentimeter vertieft worden. Grundwasser und das Regenwasser der vergangenen Wochen sind in das Becken gelaufen. Die Gemeinde war mit Bedacht vorgegangen, sagt Brugger. Man habe erst die Bestätigung des Landkreises abgewartet, weil Konflikte mit den Harzwasserwerken befürchtet wurden. So hätte es gut heißen können, dass die Beckensohle erst durch die Baggerarbeiten beschädigt worden wäre.

In den 1960er-Jahren noch bildete ein Graben eine Verbindung zwischen Kleinem und Böttchers Moor. Daran erinnert heute ein im Trockenen liegendes Rohr. Der Rückgang des Wassers „fing in den 1970er- und 1980er-Jahren an, als immer mehr Brunnen gebaut wurden“, sagt Brugger. 19 sind es in Weyhe und Umgebung. Nicht einmal einen Kilometer entfernt liegen die Brunnen HFB3 und Nummer 11.

Brugger geht die einstige Verbindung der Moore entlang und auf das Böttchers Moor zu. Gut 20 Meter vor dem Wasser bleibt er demonstrativ stehen. „Hier würde ich normalerweise im Wasser stehen.“ Die trockenen Sommer haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. Brugger will aber auf etwas anderes hinaus und deutet auf die mit Schilf bewachsenen Ränder. Der zum Kleinen Moor zeigende Teil steht weitestgehend im Trockenen, genau wie die dortige Uferböschung, die Tieren Schutz bietet. „Der Fischreiher hat hier ein leichtes Spiel“, sagt Brugger. Und da lauert im Wasser noch ein weiteres Problem: ein ausgesetzter Sonnenbarsch. Der stammt ursprünglich aus Nordamerika und verdrängt andere Arten. „Der ist zur Massenplage geworden und schädlich für die Brut“, sagt Brugger.

Die Widrigkeiten haben derzeit große Auswirkungen. Denn eigentlich ist das Kleine Moor Hauptlaichgewässer für Amphibien in Weyhe. Mitglieder des Nabu hatten zuletzt bis zu 3800 Amphibien am Kleinen Moor eingesammelt und sie ins größere Böttchers Moor umgesiedelt, darunter Erdkröten, Teichmolche und Frösche. Da sich die Tiere aber in etwa 14 Tagen auf den Weg zum Kleinen Moor machen, sind sie aufgrund der vielen freien und ungeschützten Fläche leichte Beute für andere. Zumindest aber bietet das Kleine Moor nun wieder einen Lebensraum für sie.

Mit der Beurteilung des Landkreises könnte laut Brugger nun eine Kompensationspflicht für die Harzwasserwerke einhergehen. Denkbar wäre zum Beispiel, Tonpellets im Kleinen Moor zu verteilen, die sich als Tonschicht über den Boden legen, sodass kein Wasser mehr nach unten entweichen kann. Das würde wohl frühestens im Herbst oder Winter geschehen. Laut Martin Kleingünther von der Unteren Wasserbehörde heißt das Urteil „nicht automatisch, dass die Harzwasserwerke zur Verantwortung gezogen werden“. Das sei im Zusammenhang mit dem Beweissicherungsverfahren zu sehen, das der niedersächsische Wasserversorger führen muss. Zu dem hat er sich verpflichtet, nachdem er 2010 die Wasserfördermenge von 16 Millionen Kubikmeter pro Jahr auf 20 erhöhen wollte. Werden also Auswirkungen auf die Natur berechnet, dann auf Grundlage der vier Millionen Kubikmeter Differenz. Außerdem müsse der klimatische Einfluss berücksichtigt werden, so Kleingünther.

Thomas Brugger sieht es insgesamt kritisch, dass potenziell immer mehr Wasser gefördert wurde, die klimatischen Veränderungen aber nicht genügend berücksichtigt wurden. „In den 1960er-Jahren hatten wir hier etwa 700 Liter pro Quadratmeter Niederschlag pro Jahr. Die Werte lagen im vorletzten Jahr bei 300“, erklärt der Naturschützer, der findet: „Es gibt so etwas wie einen Krieg um Wasser.“ Der Nabu-Vorsitzende überlegt, ein Gutachten über den gesamten Einfluss der Wasserförderung auf das Böttchers Moor erstellen zu lassen. Ihm gehe es nicht um Schuldzuweisungen. Brugger: „Mich interessiert nicht, wer Schuld ist, mich interessiert, wie ich diese Moore retten kann.“

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