Weyhes neue JU-Vorsitzende

Konservativ und kooperativ

Kaum ein Jahr bei der Jungen Union Weyhe, keine drei Monate in der CDU, schon hat Yasmine Goldschmidt die ersten Ämter inne – und große Ziele vor Augen. Sie blickt auch über den Tellerrand.
08.01.2019, 18:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Konservativ und kooperativ
Von Sebastian Kelm

Weyhe. Es ist eine politische Laufbahn im Eiltempo: Gerade mal genau ein Jahr ist es her, dass Yasmine Goldschmidt in die Junge Union eintrat. Jetzt stieg sie zur Chefin der Weyher Ortsgruppe auf. Mitglied in der Mutterpartei CDU ist sie erst seit Herbst 2018, dort aber auch schon im Gemeindeverbandsvorstand vertreten. Und wann will sie dann für die Christdemokraten im Weyher Rat sitzen? „Na, in drei Jahren wird ja wieder gewählt“, sagt die junge Lahauserin selbstbewusst grinsend, „da will ich schon dabei sein.“ Irgendwann dann Bundestag? „Landtag würde ich machen“, formuliert sie eine nicht unbedingt bescheidene Ambition. Hannover sei ihr eben – durchaus im wörtlichen Sinne – näher als Berlin: „Ich bin total heimatverbunden.“

Nach dem Abitur 2016 in Bremen zog sie aber – wohl auch Ausdruck ihrer Zielstrebigkeit – erst einmal in die weite Welt hinaus: In Los Angeles machte sie einen Sprachkursus, anschließend erweiterte sie in Peking ihren Horizont. Danach wollte sie eigentlich Journalistin werden. „Ich hatte mich an der Axel-Springer-Akademie beworben und bei RTL“, erzählt die 22-Jährige. Bei der letzten Runde habe sie sich auf den Wissenstest vorbereiten müssen. „Beim Lernen habe ich gemerkt, dass ich Politik an sich viel spannender finde“, sagt sie. Die Konsequenz: ein Studium des Europäischen und Internationalen Rechts in Oldenburg, wobei sie ihre Vorlesungen in Bremen hat. Darüber hinaus – trotz weiterer Nebentätigkeit als freie Journalistin – der Einstieg in die JU und die Lokalpolitik.

„Ich wollte mich für Weyhe engagieren“, nennt sie einen Antrieb. Günstigeres Bauen zu fördern, ist eines ihrer Hauptanliegen: „Für Leute in meinem Alter ist es fast unmöglich, eine Eigentumswohnung zu bekommen.“ Bei allen Bauprojekten müssten allerdings auch Lösungen für die Verkehrssituation geschaffen werden: „Es wird ja nicht nur alles dichtgebaut, alles ist ja auch verstopft.“ Vor allem den ÖPNV habe sie da im Blick.

Sie möchte als Weyhes JU-Vorsitzende zudem verstärkt die kleineren Gebiete auf die Karte holen. „Über Kirchweyhe wird viel geredet, um Dreye oder Sudweyhe geht es fast nie“, findet sie. Der CDU gefalle dieses „Ortsteildenken“ nicht so, die wolle Weyhe meist lieber als Ganzes sehen. Aber ihr sei es wichtig, gerade da anzusetzen, bei weiteren Überlegungen für das Dreyer Dorfzentrum etwa.

Näher dran sein will sie auch an ihrer eigenen Generation. Ihr geht es darum, mehr Jugendliche für die Politik zu begeistern – prinzipiell egal in welche Richtung. „Dazu planen wir eine gemeinsame Veranstaltung, zusammen mit anderen politischen Jugendorganisationen der Region“, verrät sie. Mit den Jusos könne sie sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen: „Ich glaube, da gibt es genug Schnittpunkte.“ Ausschließen will Yasmine Goldschmidt lediglich eine Annäherung an Parteien weiter rechts und links des bürgerlichen Lagers, genauer die AfD und die Linken.

Sich ansonsten aber kooperativ zu zeigen, sich für andere zu öffnen und gemeinsame Sache zu machen, sei ihrer Ansicht nach unabdingbar. Geschlossen könne man zum Beispiel viel glaubhafter an Schülervertretungen herantreten. Denn gerne würde sie über diese für eine höhere Beteiligung bei der Europa-Wahl Ende Mai werben – ganz neutral.

Apropos Wahlen: Sie hat bei der Regionalkonferenz der Kreis-CDU im Dezember in Neubruchhausen nach eigenen Angaben für Friedrich Merz als neuen Parteivorsitzenden gestimmt, der es letztlich aber bekanntlich nicht geworden ist. Warum sie ihn Annegret Kramp-Karrenbauer vorgezogen hätte, begründet sie wie folgt: „Ich bin auch eher konservativ eingestellt.“ Auf christliche Werte lege sie ebenfalls großen Wert, sagt Yasmine Goldschmidt, deren Vater auch in der CDU ist.

Vorbilder in der Partei habe sie nicht wirklich, eine gewisse Bewunderung aber für die hiesigen Abgeordneten Volker Meyer und den Landkreis-Vertreter in der Hauptstadt, Axel Knoerig. Die Bundestagswahl 2017 habe ihr eine „Zusatzmotivation“ gegeben, sich politisch einzubringen: „Mein Motto lautet: Machen statt meckern.“ Was sie sonst macht: ihre Hobbys Tennis, Joggen und Klavier. So lange sie noch Zeit dafür hat, schließlich hat sie einiges vor. Welcher Bereich sie im Landtag reizen würde, weiß sie sogar schon: Rechts- und Verfassungsfragen, Unterausschuss Justizvollzug und Straffälligenhilfe.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+