Gelände im Gewerbegebiet „Im Bruch II“ Kontroverse um Grünfläche

Wie eine öffentliche Grünfläche sieht das Areal mitten im Gewerbegebiet „Im Bruch II“ schon nicht mehr aus. Der Schotterplatz, der daraus geworden ist, wird aber auch als Bedrohung für das nahe Biotop gesehen.
04.04.2019, 15:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Kirchweyhe. Das Areal an der Straße Im Bruch, direkt neben dem Gelände des SC Weyhe, hat eine durchaus wechselhafte Geschichte hinter sich. In den 1980er-Jahren setzte die Gemeinde dort die Planungen für einen Babywald um. „Diese Idee fand aber keinen großen Anklang in der Bevölkerung“, berichtet Thomas Brugger, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Weyhe. Der Babywald sei mit Aufstellung eines Bebauungsplans verschwunden. „Heute befindet sich dort ein Schotterplatz“, fügt der Vorsitzende hinzu. Die Fläche daneben ist laut Bebauungsplan dagegen als öffentliche Grünfläche gekennzeichnet. In der Realität jedoch ist das Areal, das inzwischen dem Autohaus Brandt gehört, eingezäunt, diverse Fahrzeuge sind unter den Bäumen geparkt. Brugger kritisiert diesen Umstand. Und befürchtet negative Auswirkungen für das nahe Biotop.

„Es hat keine Änderung im Bebauungsplan gegeben“, stellt Brugger zunächst klar. In der im Internet einzusehenden jüngsten Version ist das fragliche Gebiet tatsächlich als öffentliche Grünfläche ausgewiesen. Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt in Weyhe, bestätigt das auf Nachfrage: „Aus planungsrechtlicher Sicht handelt es sich um eine im Bebauungsplan unter anderem als 'Grünfläche' festgesetzte Fläche, die inmitten gewerblicher Bauflächen liegt“, erklärt er. „Diese befindet sich teilweise im Privateigentum und ist überwiegend noch durch Grünstrukturen geprägt“, fügt Nadrowski hinzu. Auf Anfrage bestätigt auch Günter von Ahsen, einer der Geschäftsführer des Weyher Autohauses, dass die Fläche dem Unternehmen gehört. „Wir haben sie vor zwei Jahren gekauft“, informiert er. Zu den weiteren Plänen mit dem Gebiet erklärt er: „Es ist Fakt, dass wir keinen Wald oder eine Wiese kaufen.“

Thomas Brugger will dem Unternehmen auch keinen Vorwurf machen. „Das Autohaus fragt nach Flächen, die Gemeinde bietet sie an“, sagt er. Das Problem ist für ihn dabei auch ein im Norden des ehemaligen Babywaldes befindliches Biotop mit See, das zwar durch das Naturschutzgesetz geschützt sei. „Aber es ist fraglich, was damit geschieht, wenn Autos drumherum unterwegs sind“, sagt Brugger. Es gehe ihm dabei auch um die Vernetzung mit anderen Flächen. Und entsprechende Fauna sei in dem Gebiet definitiv vorhanden. „An den Bahnschienen sind häufig Rehe unterwegs“, nennt er ein Beispiel.

Nadrowski erklärt dazu: „Allerdings besteht auch im Bereich des Plangebietes 'Im Bruch' eine große Nachfrage nach weiteren Gewerbeflächen, insbesondere durch dort ansässige Betriebe.“ Dies spiegele den allgemeinen Engpass an Weyher Gewerbeflächen wider. „Hintergrund ist, dass vor einer Neuinanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen im Außenbereich zunächst bestehende Gewerbegebiete intensiver genutzt werden sollen. Dies entspricht dem gesetzlich gebotenen Grundsatz von der sparsamen und schonenden Inanspruchnahme von Grund und Boden“, so Nadrowski. Zum weiteren Vorgehen mit dem Gebiet kann der Fachbereichsleiter sagen: „Nach Entscheidungen in den zuständigen Gremien wird in einem Planänderungsverfahren für den Bereich 'Im Bruch' sichergestellt, dass der naturschutzrechtliche Ausgleich in vollem Umfang durch die notwendigen Maßnahmen außerhalb des Plangebietes realisiert wird.“

Ziel des beabsichtigten Bebauungsplans sei es somit, „insbesondere Bestandsbetriebe im Gemeindegebiet zu halten und ihnen deshalb dort, wo es vertretbar ist, Erweiterungsmöglichkeiten einzuräumen“, sagt Nadrowski. Bestandteil sei es daher, die Erweiterungsabsichten mit den Eigentümern zu „harmonisieren“. Auf die Frage, inwieweit die aktuelle Nutzung der Fläche aber tatsächlich noch dem Charakter einer öffentlichen Grünfläche entspricht, äußerte sich Nadrowski nicht.

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