Konzert in der Felicianuskirche

Harmonisches Zusammenspiel

Freunde der Barockmusik sind am Sonntag in Kirchweyhe auf ihre Kosten kommen. In der Felicianuskirche gab es ein Konzert zum Tag des offenen Denkmals.
14.09.2020, 18:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Bayer-Thiemig
Harmonisches Zusammenspiel

Die Musikerinnen zogen die Gäste mit ihrem Spiel in den Bann der Barockmusik.

Vasil Dinev

„Wem die Kunst das Leben ist, dessen Leben ist eine große Kunst“, schrieb der große Organist und Komponist Johann Sebastian Bach (1685-1750) vor weit über 300 Jahren einem seiner Freunde. Kunst hat bekanntlich viele Facetten, eine dürfte aber die Musik sein. Bach war Barock-Komponist, genauso wie seine berühmten Zeitgenossen Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann. Und herrliche Barockmusik weckte am Sonntag nicht nur ein wenig Vorfreude auf die noch kommende Weihnachtszeit (Gebäck gibt es ja auch schon), sondern bescherte den Besuchern der Kirchweyher Felicianuskirche hochkarätigen Kulturgenuss, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Musikalisch wie publikumsmäßig war das Konzert zum Tag des offenen Denkmals ein Volltreffer. Zwar stand aufgrund der schwierigen Situation der Corona-Pandemie im Gotteshaus wegen der Abstands- und Hygieneregeln nur eine wesentlich geringere Zahl an Plätzen zur Verfügung. Nichtsdestotrotz lockte die traditionelle Aufführung zahlreiche Musikfreunde an, sodass fast alle möglichen Sitzplätze besetzt waren. Die Begrüßung übernahm Kantorin Elisabeth Geppert, die nicht nur „viel Freude beim Zuhören“ wünschte, sondern sich genauso wie die Gäste über das erste Konzert seit Monaten freute.

Ausführende dieses wunderschönen und abwechslungsreichen Barockvortrages waren Elisabeth Geppert selbst an der Orgel, Blockflötistin Ursula Bederke und Margarete Thyssen an Blockflöte und Gambe. Gesangliche Unterstützung gab es von der sehr engagierten Kirchenvorsteherin Petra Müller.

Das erste Werk, das erklang, war die Triosonate a-Moll des Franzosen Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755), deren festlicher Charakter ausgezeichnet auf den Anlass des Konzerts einstimmte. Boismortier gilt als der französische Telemann, seine Musik ist genauso farbig, fantasie- wie kunstvoll und abwechslungsreich. Mit der im Anschluss präsentierten Triosonate d-Moll des belgischen Komponisten Jean-Baptiste Loeillet (1680-1730) kam zudem Eleganz in die Felicianuskirche. Das gefiel dem Publikum. Immer wieder gab es Applaus.

Es folgte Telemanns hoch virtuoses Trio d-Moll und die von Petra Müller gesanglich begleitete Arie „Er gebe uns ein fröhlich Herz“ aus der Erntedankkantate „Nun danket alle Gott“. Die Aufführungen waren eine Hommage an den Schreiber der schönen Melodien, wie Zeitgenossen ihn bezeichneten. Mit seinen mehr als 3600 Werke aller musikalischer Gattungen zählt Georg Philipp Telemann (1681-1767) übrigens zu den produktivsten Komponisten der Musikgeschichte überhaupt, zu den ganz Großen dieser Zeit.

Zudem standen Werke auf dem mehr als einstündigen Programm, bei denen die Akteurinnen die verschiedenen Klangfarben der meisterhaft gespielten Instrumente hervorhoben, das Publikum die enorme Präzision des Zusammenspiels spüren konnte.

Das Stück „Engels Nachtegaeltje“ von Jacob van Eyck aus dem Jahr 1644 beschränkte sich auf die Blockflöten, eine spielend im Altarraum, eine weitere als Antwort auf der Empore: Was sich sehr allgemein mit Tirilieren beschreiben lässt, hatte hier musikalisch den Anschein einer freien Improvisation mit wiederholten Tonpassagen und virtuosen Tonleitern auf- und abwärts. Der Beifall der Gäste schien endlos.

Die Musikerinnen spielten in verschiedenen Besetzungen technisch versiert mit großem Können und Hingabe an die Musik. Der ausgesprochen entspannende und beruhigende Gamben-Klang, das beeindruckte Spiel an den verschiedenen Flöten mit Vielseitigkeit und Virtuosität sowie der volltönende Orgelklang von der Empore und der großartige Farbton der Truhenorgel im Altarbereich der Kirche machten die Musik am Sonntag so zu etwas ganz Lebendigem. Herrliche Töne entlockten die Protagonisten Werken von Johann Sebastian Bach (Konzert in G-Dur nach Antonio Vivaldi) oder Boismortiers Sonate in d-Moll.

Die Frauen beendeten ihr Konzert mit der Triosonate F-Dur von Georg Friedrich Händel (1685-1759) – einem Werk, das besonders gut zu einem Ende passt, welches in seiner Ruhe und Würde sich dazu eignet, Hast und Sorgen auch noch auf dem Nachhauseweg vergessen zu machen. Regelrecht umjubelt wurde das Quartett, das sich noch zu einer Zugabe verleiten ließ.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+