Kriegerdenkmal in Erichshof Ein Mahnmal für den Frieden

Die Arbeiten am Denkmal in Erichshof sind fast abgeschlossen. Aus der Stätte soll ein Mahnmal für den Frieden werden, befindet Archivar Hermann Greve. Die Eröffnung findet passend dazu am Antikriegstag statt.
25.08.2022, 17:11
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Mahnmal für den Frieden
Von Wolfgang Sembritzki

Weyhe-Erichshof. Am Ende wird es der Antikriegstag anstatt des Tages der Befreiung am 8. Mai. "Es ist ein langer Prozess, der jetzt zum Ende kommt", sagt Gemeindepressesprecher Sebastian Kelm. Das Kriegerdenkmal an der Langen Reihe in Erichshof wurde umgestaltet (wir berichteten), am kommenden Donnerstag, 1. September soll es nun feierlich eingeweiht werden.

Fast 100 Jahre hat das Denkmal gehalten, ehe die Gemeinde 2017 zu dem Schluss kam, dass es baufällig ist. "Es hatte kein Fundament und war einsturzgefährdet", weiß Gemeindearchivar Hermann Greve über die 1920 errichtete Gedenkstätte. Über die Jahre hinweg sei über die undichte Verdachung Wasser ins Innere des Denkmals gelaufen, "als wir es aufgemacht haben, roch es wie in einem nassen Keller". Das Urteil einer Bremer Fachfirma fiel ebenfalls verheerend aus. Angesichts drohender horrender Sanierungskosten hat sich die Gemeinde daher entschlossen, das Denkmal grundlegend umzustrukturieren.

Nun steht an der Langen Reihe eine große, geteilte Welle. Alles, was am alten Denkmal verbaut war, sollte allerdings wiederverwendet werden. Die Findlinge der alten Stätte schichteten Elsa Töbelmann und Henning Greve, die den Umbau konzeptionierten, zu einem Hügel auf. In einem Weg dazwischen hängen die alten Tafeln sowie ein eisernes Kreuz, das den Umbau ebenfalls überlebte. Auf einer Seite der Welle hängen die alten Inschriften, auf der anderen Seite neuere Tafeln und Keramiken mit Antikriegssprüchen. Die Idee einer Welle stammt von Elsa Töbelmann.

Einfach war der Umbau nicht: "Wir haben ein Denkmal unter Denkmalschutz beseitigen müssen", erklärt Hermann Greve. Ständig musste mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover Rücksprache gehalten werden. Das war allerdings angesichts des schlechten Zustands auch nötig: "Wenn es gefährlich wird, muss man was tun", weiß auch Weyhes Kulturbeauftragte Tina Fischer.

Lesen Sie auch

Bei allem Erhalt des alten Denkmals war es Henning und Hermann Greve jedoch wichtig, das Denkmal richtig einzuordnen. Daher gibt es zu den bestehenden Inschriften und Symbolen, die laut Hermann Greve "auch stören", weitere Tafeln zur Einordnung des Abgebildeten. "Wir wollen den Geist von damals nicht weitergeben", sagt Henning Greve in Bezug auf die alte Bezeichnung der Gefallenen als "Helden". Aus dem Kriegerdenkmal soll vielmehr eine Stätte des Friedens werden. Denn die Inschriften "sind zum Teil nicht harmlos", sagt Hermann Greve.

Das Gegenteil sei der Fall: 1920 wurde es gar darauf angelegt, in Kriegsdenkmälern "Feindbilder beizubehalten", um die Menschen auf den nächsten Krieg vorzubereiten. Der Bevölkerung wurde eingeredet, dass die in den Inschriften genannten Männer "für uns gestorben" und damit Helden seien. Es sollte kurz nach dem Ersten Weltkrieg ein gesellschaftliches Klima erzeugt werden, dass Deutschland von Feinden umgeben sei und sich alsbald wieder zur Wehr setzen solle, erklärt der Archivar. "Das Leid der Bevölkerung taucht nicht auf", ergänzt dazu Henning Greve. Dass Menschen im Krieg ihre Angehörigen verloren haben, bleibe viel zu oft unerwähnt, dabei präge es die Nachkommen und Verwandten für ihr ganzes Leben, bedauert Hermann Greve: "Wir wollen aus einem Ehrendenkmal ein Mahnmal für den Frieden machen."

Die Bevölkerung sollte einen neuen Zugang zur Erinnerungskultur bekommen, gerade in Zeiten, in denen viele Denkmäler marode sind und im Laufe der kommenden Jahre saniert werden müssen. Am Denkmal in Erichshof haben auch 20 Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste mitgearbeitet. Diese waren 2019 für eine Exkursion zum Denkmal gefahren und haben sich mit zeichnerischen Vorschlägen an der Umgestaltung beteiligt. Diese flossen etwa in die Keramiken ein, auf denen Antikriegssprüche und -symbole zu sehen sind.

Eröffnet wird der umgestaltete Bereich am kommenden Donnerstag, 1. September, um 15 Uhr. Neben diversen Wortbeiträgen wird die Veranstaltung auch musikalisch begleitet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+