Dreyer Firma Adesiv liefert weltweit

Lacke, Klebstoffe und viele Ideen für die Zukunft

Die Firma Adesiv aus Dreye hat sich auf die Produktion von Lacken und Klebstoffen für Verpackungen spezialisiert, ist aber auch in der Forschung tätig. Das Verfahren De-Ink ist eines der Ergebnisse.
03.05.2021, 17:25
Lesedauer: 4 Min
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Lacke, Klebstoffe und viele Ideen für die Zukunft
Von Claudia Ihmels
Lacke, Klebstoffe und viele Ideen für die Zukunft

In dem großen Behälter werden wässerige Lacke hergestellt. Mitarbeiter Erich Absolon kontrolliert die Produktion.

Michael Galian

Weyhe-Dreye. Bei Kundenterminen hat Tim Kammer immer einen kleinen Wasserkocher in der Tasche. Denn so kann der Mitarbeiter des Dreyer Unternehmens Adesiv schnell und einfach demonstrieren, was es mit dem De-Ink-Verfahren auf sich hat. Denn das Unternehmen hat sich nicht nur auf die Produktion von Lacken und Klebstoffen spezialisiert, sondern sich auch der Forschung verschrieben. De-Ink, das das Entfärben von Kunststoffverpackungen mit heißem Wasser und damit sortenreines Recycling ermöglicht, ist dabei eines der jüngsten Ergebnisse.

Die Lacke, Klebstoffe und Primer, die in der Produktionshalle an der Gutenbergstraße herstellt werden, finden vor allem in der Druckindustrie und im Speziellen auf Lebensmittelverpackungen Verwendung. Auch wer schon einmal auf einem Konzert oder im Fußballstadion ein Getränk gekauft hat, hat dies dort mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Becher getrunken, der mit einem Produkt von Adesiv versehen war.

Gegründet wurde das Unternehmen im November 2006. Adesiv-Geschäftsführer Detlef Drosdziok arbeitete zuvor für ein in der selben Branche tätiges Unternehmen in Bremen. „Als der Standort geschlossen wurde, haben wir zu dritt überlegt, was wir jetzt machen“, erinnert er sich. Das Ergebnis war, dass sich der promovierte Diplom-Chemiker zusammen mit zwei weiteren Kollegen selbstständig gemacht hat, einer dieser Kollegen war Jens Guth, heute ebenfalls noch Geschäftsführer bei Adesiv.

Dass Dreye zum Standort des neuen Unternehmens wurde, habe sich durch einen Kontakt mit der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Weyhe ergeben. „Wir sind auch weiterhin zufrieden mit dem Standort“, sagt Drosdziok. Er liege logistisch sehr günstig, vor allem durch die Nähe zur Autobahn. Und eine gute Verkehrsanbindung ist für Adesiv wichtig, kommen die Produkte des Unternehmens doch weltweit zum Einsatz. „Sogar in Neuseeland“, so Drosdziok.

Die Kunden des zwölf Mitarbeiter starken Unternehmens sind Firmen, die Aluminium- und Kunststofffolien beschichten oder Papier beziehungsweise Kartons bedrucken. Außerdem produziert Adesiv spezielle Klebstoffe für flexible Materialien. „Wir sind eine relativ kleine Firma im Lackbereich, weil wird viele Spezialitäten herstellen“, sagt Tim Kammer, der bei Adesiv für die Anwendungstechnik und den Vertrieb zuständig ist. Sonderlösungen würden zum Tagesgeschäft gehören.

Zum Portfolio gehören dabei auch Lacke für In-Mould-Labeling (IML). Beim IML-Verfahren wird ein Etikett mit Hilfe einer Spritzgussmaschine direkt gedruckt, zum Beispiel bei Plastikverpackungen von Lebensmitteln, aber auch bei Kartonverpackungen. „Dafür braucht es unseren Lack“, sagt Drosdziok. Denn der Lack schütze die Farbe. Außerdem bietet Adesiv einen speziellen Lack für Peel-Off-Etiketten an. „Unser Lack ermöglicht, dass man das Etikett runterziehen kann, um die Rückseite zu lesen“, so der Geschäftsführer. Anwendung finde dieses Verfahren zum Beispiel bei Gewinnspielen, wie bei abziehbaren Etiketten auf Bierflaschen.

Drei Mitarbeiter - ein Chemiker und zwei Laboranten - widmen sich bei Adesiv intensiv der Forschung. „Wir suchen uns Nischen und müssen permanent am Ball bleiben“, sagt Detlef Drosdziok. Viele Menschen sehen Kunststoffverpackungen mittlerweile kritisch, Umweltfreundlichkeit und Recycling spielen eine immer größere Rolle. Eine Entwicklung von Adesiv nennt sich zum Beispiel Natur-Bond. Für dieses Verfahren werden natürliche Rohstoffe wie Stroh und Eiweißverbindungen verwendet. Dadurch „sind die damit veredelten Materialien komplett kompostierbar und bauen sich umweltverträglich wesentlich schneller ab als bisherige Verpackungen“, teilt das Unternehmen dazu mit.

Da man bei Adesiv jedoch davon ausgeht, dass Kunststoffe dennoch auch weiterhin für viele Anwendungen unverzichtbar sein werden, hat man sich auch darüber Gedanken gemacht. Bislang sei das Problem, dass das recycelte Material eine bestimmte, meist graue Farbe hat, so Tim Kammer. Dadurch komme es aber für viele Dinge nicht mehr in Frage. „Wir haben uns deshalb gefragt, wie wir die Farbe runterbekommen“, so Kammer. Die Lösung von Adesiv nennt sich De-Ink und setzt nicht erst beim Recycling-Prozess ein, sondern schon beim Bedrucken der Verpackung. „Nach Aufbringen eines Primers und einer weiteren Behandlung mit einem wasserbasierten Lack kann die auf die Produkte kratzfest aufgebrachte Farbe einfach mit heißem Wasser wieder flächig vom Kunststoff gelöst werden“, so die Erklärung. Die abgewaschenen Rückstände könnten anschließend aus dem Waschwasser gefiltert und der Kunststoff wieder sortenrein recycelt werden. Das Material ist dann zum Beispiel weiß und nicht durch das Mischen der Farben grau.

Für alle Verpackungen sei das Verfahren natürlich nicht geeignet, räumt Tim Kammer ein. Für den Behälter einer Fünf-Minuten-Terrine würde es zum Beispiel nicht funktionieren, weil dieser erhitzt werden muss. Dafür würde sich De-Ink für Verpackungen von Süßigkeiten und Kosmetikartikeln anbieten. „Wir sind fest davon überzeugt, dass es eine super Lösung für viele Produkte auf dem Markt ist“, sagt Tim Kammer und Detlef Drosdziok ergänzt, dass Adesiv das Verfahren auch schon zum Patent angemeldet hat. Dennoch haben beide die Erfahrung gemacht, dass es auch immer „genügend Druck“ geben muss, bevor sich ein neues Verfahren durchsetzt. „Es gibt aber viel positive Resonanz“, sagt Tim Kammer. Schließlich kann er mit heißem Wasser aus seinem kleinen Wasserkocher ja auch jederzeit demonstrieren, wie einfach De-Ink funktioniert.

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