Leester schließt Fachgeschäft Start in ein Leben ohne Berufskleidung

Spätestens zum 30. Juni soll in Leeste für Helmut Sommer Schluss sein mit dem Verkauf von Arbeitskleidung. Der 68-Jährige schließt die Firma Frick und hat bereits mit dem Abverkauf der Ware begonnen.
10.03.2021, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Weyhe-Leeste. Helmut Sommer nennt sich selbst "eine Art Allrounder". Beruflich hat er im Laufe seines Lebens mehrere Richtungen eingeschlagen. Am längsten geblieben ist er letztlich beim Verkauf von Berufskleidung, Arbeitsschutz und Outdoorkleidung. Doch damit soll in Kürze Schluss sein. Auf Sommer wartet der Ruhestand. Bis der den Schlüssel in seinem Geschäft in Leeste, der Frick GmbH & Co. KG, aber das letzte Mal herumdreht, möchte er noch ein paar Dinge loswerden.

Ware ist gemeint. Und von der hat Sommer noch bis zum Sommer was in petto. Bis zum 30. Juni hat er kalkuliert, wie er sagt. Aber: „Das richtet sich danach, wie schnell der Abverkauf vonstatten geht.“ Der läuft seit dem Ende vergangener Woche. Aktuell ist beispielsweise gerade Saison für Schnittschutzbekleidung und -stiefel gewesen. Denn bis zum Beginn der Brutzeit werden allerhand Bäume beschnitten. Was es nicht im Lager gibt, beschafft der Fachmann für Spezialkleidung, der er nicht immer gewesen ist.

Immerhin finden sich Wurzeln zum jetzigen Job gleich zu Beginn seiner Laufbahn. Sommer startete als Groß- und Einzelhandelskaufmannslehrling in der Bremer Baumwollbörse und hatte damit mit Rohbaumwollimport zu tun. Später ging der Ursprungsbremer der Liebe wegen nach Kassel, arbeitete bei einer Spedition, studierte dann aber Sozialpädagogik. Als er den Abschluss hatte, stellte er fest: Auf eine Stelle kamen 200 Bewerbungen. Sommer sattelte um. Während des Studiums hatte er nebenbei als Arzneikurier gearbeitet und baute schließlich seinen eigenen Kurierdienst auf mit einem Kompagnon, den er in seinem Anerkennungsjahr kennengelernt hatte. „Der Kurierdienst wuchs so schnell“, sagt Sommer. Irgendwann hatte das Unternehmen 50 Fahrzeuge, zehn eigene Mitarbeiter und einige selbstständige Fahrer. Nach zehn Jahren machte er gemeinsam mit seiner Frau – beide über Jahrzehnte Irlandreisende – für ein Jahr einen Abstecher auf die Insel. Dort haben sie Fahrten als Fremdenführer angeboten.

Geschäft aus Bremen übernommen

„Das war schon einzigartig“, sagt der 68-Jährige, der dann im Anschluss in Leeste sesshaft wurde – beruflich und privat. „Ich habe dann die Anzeige der Firma Frick gesehen.“ Und die war seit 1956 in der Bremer Neustadt ansässig. Sommer wagte sich abermals auf ein neues Feld und übernahm den Betrieb 1999, verlagerte ihn aber auch nach Leeste an seinen heutigen Standort Am Junkernhof – ein doppelter Neustart also. Denn mit Berufskleidung hatte der Kaufmann zuvor nichts zu tun. „Das war mehr als ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er heute rückblickend. Aber: „Man wächst mit seinen Aufgaben“.

Und dazu gehörte in den knapp 22 vergangenen Jahren der Verkauf von Bundhosen, Handschuhen, Wasserschutzkleidung, Sicherheitsschuhen und vielen weiteren Artikeln. 2600 verschiedene insgesamt, verrät ihm sein Computer. Über den kann alles beschafft werden, was fehlt. Ausgestattet hat er in der Vergangenheit Mitarbeiter des Bauhofes, Maler, Handwerker aus der metallverarbeitenden Industrie, kurzum: „Alles, was mit Bau zusammenhängt“. Und dazu gehört dann auch die klassische Zimmermannshose. Weitere eingekleidete Berufszweige sind außerdem Elektriker, Ärzte, Apotheker und auch Bestattungsunternehmen. Der Kundenkreis erstreckt sich über Bassum, Verden, Syke, Oyten, Osterholz-Scharmbeck und Bremen.

Zum Großteil geht es in Sommers Spezialsparte um Großaufträge, also Unternehmen, die ihre ganze Belegschaft mit Arbeitskleidung versorgen. Aber auch einzelne Gewerbetreibende und Privatleute gehören zu den Kunden. Noch dazu haben sich die Produktlinien verändert mit neuen Modellen, „Mut zur Farbe“, berichtet Sommer. „Früher gab es den Blaumann. Punkt. Und der Maler hatte eine weiße Hose.“

„Viele Firmen möchten alles aus einer Hand haben“, sagt der Geschäftsmann. Beispielsweise Arbeitskleidung mit dem Firmenlogo darauf. Auch darum kümmert sich Sommer. Dafür arbeitet der Wahlweyher mit einem Bremer Unternehmen zusammen, das sich um Druck und Stickerei kümmert. Der Betrieb ist es auch, der den Kundenstamm nach der Schließung der Firma Frick übernehmen wird, so Sommer. Ware, die übrig bleibt, werde er wohl spenden.

Was gebraucht wurde, war bis vor einem Jahr in der Zeit von 8 bis 18 Uhr durchgehend zu haben, danach öffnete er von 8 bis 17 Uhr, vor Ort war er an sechs Tagen pro Woche. Jetzt in der Ausverkaufsphase ist Sommer, zu dessen Belegschaft auch eine weitere Vollzeitkraft gehörte sowie eine Schneiderin, die bei Bedarf auch jetzt noch von zu Hause mitarbeitet, von 9 bis 16 Uhr verfügbar. Wenn er sonnabends da ist, macht er auf, wenn jemand klopft. „Wenn man selbstständig ist, kann man nicht mit normalen Arbeitszeiten operieren“, sagt Sommer. Meistens war er schon deutlich vor der Öffnung am Tage im Geschäft. Sommer ist jemand, der seine Arbeit mag. „Es war immer ein spannender Job“, sagt er. „Es hat mir immer Spaß gemacht.“

Freude auf Ruhestand

Ob er sich auf seinen Ruhestand freut? „Wie verrückt“, antwortet er, ohne zu überlegen. Und dann will er seine Zeit wieder mehr mit Fotografie verbringen und Fotobücher aus den vergangenen Jahren anfertigen. Die Jahre 2012 bis 2020 fehlen noch, sagt er. Auch dem Walken, allerdings ohne Stöcke, will er sich verstärkt widmen. „Das ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen.“

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