Music Night in der Felicianuskirche

Applaus hält minutenlang an

Zwar fand die Music Night der Felicianuskirche in Kirchweyhe am Wochenende kleiner statt als üblich, dafür war die Euphorie, wieder ein Konzert erleben zu können, beim Publikum umso größer.
27.09.2020, 17:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Bayer-Thiemig
Applaus hält minutenlang an

Trotz Abstand und Corona-Regeln war auch die kleinere Version der Music Night in der Felicianuskirche ein Genuss fürs Publikum.

Michael Braunschädel

Weyhe-Kirchweyhe. Öffentliches Singen und Musizieren im großen Rahmen ist wegen der Corona-Pandemie derzeit heikel. Dazu haben sich auch die Verantwortlichen der Felicianuskirche Gedanken gemacht und ihre traditionelle Music Night am Freitagabend kleiner als üblich angeboten.

Und was da an die zwei Stunden als „Gute-Laune-Konzert“ präsentiert wurde, verzückte die Besucher. Sie applaudierten nach jedem Beitrag, es gab Kopfnicken, wippende Beine, leuchtende Augen und hier und da laute Begeisterungsäußerungen. „Musik erreicht Stellen, wo Hände gar nicht hinkommen“, meinte ein Besucherehepaar strahlend zur Pause und betonte: „Musik trifft mitten ins Herz.“

„Schön, dass ihr da seid“, begrüßte Gerd Brüning vom Posaunenchor die anwesenden Musikliebhaber und betonte: „Es ist ein Lichtblick in dieser heftigen Zeit, die uns einiges abverlangt. Wenn wir uns ein bisschen am Riemen reißen, dann geht es. Wir müssen alle mithelfen.“ Während draußen die Bäume am Kirchplatz ihr herbstliches Gewand schon angelegt hatten, stimmte gleich zu Beginn der Posaunenchor mit einer „Festlichen Intrade“ auf den Konzertabend ein. Mit dem traditionellen Straßenmarsch „San Carlo“ hatte das kleine Ensemble (sonst sind es an die 30 Instrumentalisten) aus drei Trompetern, zwei Flügelhörnern und vier Posaunisten des Posaunenchores der Kirchengemeinde die Besucher gleich auf ihrer Seite. Unter der Leitung von Oscar Alemany Lopez spielte der Chor Altbewährtes wie „Aus Böhmen kommt die Musik“ oder das schottische Volkslied „Highland Cathedral“ und bewies, dass es für Wohlklänge nicht immer eine große Besetzung braucht. Eingetaucht in die schöne Kirchenbeleuchtung glänzten die Messinginstrumente, die Bläserinnen und Bläser sorgten für die perfekte Klangfarbe. Freundlich erklangen die Blechbläser nicht nur mit „Do Lord“, sondern die Frauen und Männer steuerten einen ordentlich Ohrenschmaus mit „Just A Closer“ bei, bevor der Kracher „Oh Happy Day“ intoniert wurde.

Dass Musik Freude macht, auch oder gerade in Krisenzeiten, wusste die School-House-Seven-Jazzband. Die Männer stellten sich wie gewohnt mit fröhlich und beschwingter Musik in ungebremster Spiellaune vor. Boris Wagner (Klarinette und Saxofon), Olaf Wetjen (Posaune), Andreas Schniesa (Trompete und Gesang), Dr. Bernd Sagell (Banjo und Gesang), Jürgen Brings (Gitarre), Dirk Haverland (Schlagzeug) und David Bär (Kontrabass) wussten wie es geht, egal ob mit Dixieland-Jazz, ein bisschen Blues, Swing oder Ragtime: Die Musiker schienen irgendwie alles zu können, haben sich im Laufe der Jahre ein beachtliches Repertoire aufgebaut. Dabei spannte sich der Liederreigen von der Jazzkomposition „Tin Roof Blues“ bis hin zum legendären Song „Bei mir biste scheen“ der Andrew Sisters. Das kam an.

Der Abend lebte von der Harmonie und Kraft der Protagonisten. Was Annemarie Bothe aus Steinfeld ihrer Querflöte entlockte, fand den ungeteilten Beifall der Gäste. Sie schenkte den Konzertbesuchern den bekanntesten und bezauberndsten Tango von Astor Piazzolla, den langsamen „Oblivion“ oder ließ melodieschön den „Moon River“ erklingen.

Lea Pünter (Studentin der Musik und Politik für Lehramt in Bremen) hingegen faszinierte gesanglich mit modernen Songs wie „Make You Feel My Love“ oder dem Twilight-Titelsong „A Thousand Years“ von Christina Perri die aufmerksamen Zuhörer. „Was für eine Stimme“, war immer wieder zu hören. Die 23-Jährige war übrigens keine Unbekannte in Kirchweyhe, hatte sie doch immer wieder bei den Kindermusicals in der Felicianuskirche mitgewirkt. Und ohne Kantorin Elisabeth Geppert wäre in der Felicianuskirche vieles nicht möglich, sie erwies sich als einfühlsame Begleiterin am Klavier, hatte die gesamte Organisation inne.

Alle Türen waren während des Konzertes weit geöffnet. Oder wie Gerd Brüning sagte: „Wir sorgen für frischen Geist verbunden mit frischer Luft.“ Da konnte der Gast nur „Danke“ sagen. Das taten die Besucher auch in Form von Applaus, der dann doch minutenlang anhielt. Eine gemeinsame Zugabe „Oh, When The Saints“ bildete den krönenden Abschluss.

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