Musical Unplugged in der KGS Leeste

Berührende Stimmen und persönliche Geschichten

Zwei besondere Abende hat das Ensemble Musical Unplugged den Zuschauern in der KGS Leeste am Wochenende beschert. Berührende Musical-Songs trafen auf persönliche Geschichten eines außergewöhnlichen Jahres.
26.09.2021, 14:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Otto Kirmse

Weyhe-Leeste. Die hervorragenden musikalischen Leistungen des Ensembles „Musical Unplugged“ waren am Wochenende bei gleich zwei Terminen im Kulturforum der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste zu genießen. Die drei Sänger Jessica Knief, Catharina Zogmayer sowie Lars Michalsky hatten sich die Aufgabe gestellt, über ihre Befindlichkeiten während der Corona-Lockdown-Zeit in musikalischer Form zu berichten. Begleitet wurden sie von der Pianistin Bettina Fischer. Um seine Gedanken und Gefühle auszudrücken, hatte das Ensemble mit Unterstützung durch Intendant Marco Langer vom Theater 360-Grad-Performance Anleihen bei bekannten Musiktiteln und Musicals genommen. Dafür wurden die Songs von Struktur und Rhythmus zum Teil etwas abgeändert. So entstand ein Programm, um die Corona-Pause zu beenden, ein langes ungewisses Hin und Her: Man wusste nie, ob es weitergehen würde, ob man sich zu Proben werde zusammenfinden dürfen oder nicht, und wenn ja, dann wie. So wurde der Titel „Traum und Wirklichkeit“ zum Leitmotiv für das Projekt, es blieb unklar bis zuletzt, ob man den Traum, den Auftritt, wirklich würde erleben dürfen.

Mit der Intonation von „A Million Dreams“ aus dem Film „Greatest Showman“ eröffnete Bettina Fischer am Piano den Abend, noch verblieben die Sänger im Dunkel der bislang unbeleuchteten Bühne. Die Zuhörer waren wohl bereits voll großer Erwartungen, denn sobald die beiden Sängerinnen in das Licht traten, um mit dem ersten Lied zu beginnen, gab es bereits herzlichen Empfangs-Applaus. Aus dem Dunkel der hinteren Bühne trat Tenor Lars Michalsky ins Licht zu seinen zwei Mitsängerinnen und gemeinsam trugen sie „A Million Dreams“ vor. In diesem Lied ist thematisiert, dass man wohl eine Million Träume braucht, um sich daraus seine Welt erschaffen zu können. Mutig und kraftvoll klangen die Stimmen und begeistert kam der Beifall der Zuhörer. Lars Michalsky stellte die Musiker vor und berichtete, dass es genauso gewesen sei, wie in dem Lied beschrieben: Man hatte schon für einen Weihnachtsauftritt geprobt, doch musste man alles wieder wegen Corona absagen. In den beiden folgenden Liedern wurde beschrieben, wie sich die verhinderten Musiker durch endlose, inhaltslose Tage hindurch langweilten: „Der Tag geht schwer wie Blei“ sang Lars Michalsky mit nun doch viel Kraft und Fülle in der Stimme.

Als Catharina Zogmayer über sich berichtete, beschrieb sie die Einsamkeit in ihrem Studienort Göttingen, immerzu saß sie isoliert in ihrer kleinen Bude, bis sie entnervt zurückkehrte in das Elternhaus. Aber das war auch nicht ganz konfliktfrei, da musste man sich neu arrangieren, und im Duett mit Jessica Knief trug sie mit hasserfüllter Stimme sehr überzeugend vor, dass man einander „einfach nicht mehr aushalten könne". Sehr gelungen waren bei dieser theatralischen Einlage die knapp aber gekonnt eingesetzten Schritte und Gestiken. Überhaupt überzeugte das noch junge Ensemble über den ganzen Abend hinweg neben seiner sehr guten Gesangsleistung auch mit seinem Bühnenauftritt mit etlichen Kleiderwechseln.

Und weiter beschrieben die Drei die beklemmende Zeit des "Eingesperrtseins", sogar die Flucht hinaus in lange Spaziergänge wollte keine Linderung bringen, denn draußen war dann auch niemand. Das textsichere Trio brachte seine Schilderungen auf den Punkt mit der Frage: „Hast du dich schon einmal allein gefühlt in der Mitte von nirgendwo?“ Aber man solle nicht aufgeben, mit dem Lied „You Will Be Found“, da kann auch jemand sein, der dich findet, ging man in die Pause, begleitet vom stürmischen Beifall der begeisterten Zuhörer.

In den Liedern des zweiten Teils des Abends zeichneten sich allmählich hoffnungsvollere Stimmungen ab. Lars Michalsky: „Jetzt reicht‘s mit der Traurigkeit. Alles Schlechte hat auch seine gute Seite.“ Und Jessica Knief stimmte zu: "Wir haben wieder zur Musik gefunden und durften hier singen." Irgendwann wolle sie sich dem Leben stellen und brachte ihr neues Denken auf die Formel: „Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume!“ Lars Michalsky nahm im Duett mit Jessica Knief mit ihren präzisen Stimmen die neue Stimmung auf mit den Liedzeilen: „Ich will mehr, ich will groß, Hand in Hand, wir zwei träumen groß!“

Mit Dank an die Zuhörer für ihr Kommen kamen sie zu ihrem vorerst letzten Lied „We‘ll Come Home Back Again!“ Noch während der letzten Klänge sprangen die Zuhörer mit lautem Applaus auf und spendeten langen Beifall. Diese rundum gelungene Vorstellung mit hervorragender musikalischer Leistung der stimm- und textsicheren Gesangsstimmen, Einbindung in ein überzeugendes Narrativ, unterstützt durch gute Bühnentechnik, verdiente großes Lob. Natürlich wurde noch eine Zugabe gewährt. Ein Lied mit Zitaten aus vielen bekannten Popmusiktiteln der letzten Jahrzehnte, darunter zum Beispiel „Thank You For The Music“ von ABBA.

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