Weyher Nabu gibt Blühpflanz-Tipps

Säen und Pflanzen im eigenen Garten

Raus in den Garten und Blühsamen verteilen: Der Weyher Naturschutzbund verrät, wie man das eigen Fleckchen Grün insektenfreundlich gestalten kann, steht beratend zur Seite und vergibt dazu Saatmischungen.
13.04.2021, 17:15
Lesedauer: 5 Min
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Von Maike Plaggenborg
Säen und Pflanzen im eigenen Garten

Die Königskerze, die Heiko Janßen in der Hand hält, sieht abgestorben aus, hat aber noch Leben in sich. Er informiert gemeinsam mit Ulrike Buck über Blühpflanzen im heimischen Garten.

Vasil Dinev

Weyhe. Summen soll es und brummen - so viele Insekten wie möglich sollen sich auf Flächen tummeln, wenn es nach dem Naturschutzbund (Nabu) geht. Weil das zusehends immer seltener der Fall ist, schlagen bundesweit Initiativen nach wie vor Alarm, dass es an tierischer Biomasse in der Luft fehlt. Damit wildes kleines Getier entsprechenden Lebensraum hat, sollen Menschen tätig werden und wiedergutmachen, was sie selbst für Vögel, Schmetterlinge und Bienen eingeschränkt haben. Aktuell und noch in den kommenden Wochen können auch Einzelpersonen dazu beitragen, ihren Garten für Insekten und Vögel attraktiver zu gestalten. Was genau sie machen können (auch auf dem Balkon) und worauf sie achten sollten, erklären die Mitglieder des Weyher Nabu.

Dabei ließe sich auch klein anfangen, etwa, indem kleine Flächen auf dem eigenen Rasen eben nicht gemäht, sondern stehen gelassen werden, erklärt Ulrike Buck, die Schriftführerin in der Nabu-Ortsgruppe. „Dann kommt aus dem Boden, was noch da ist“, sagt sie. Wer will wissen, was aus dem Boden kommt, bedient sich einfacher Saatgutmischungen. Die gibt es auch im Gartencenter zu kaufen, ebenso wie die Stauden, die Buck und ihr Vereinskollege Heiko Janßen empfehlen. Allerdings gilt es dabei, die Eigenschaft „insektenfreundlich“ zu beachten. Allerdings: „Stauden werden manchmal aus Kommerzgründen mit viel Stickstoff hochgezogen“, warnt Janßen. „Es kann sein, dass sie den Winter dann nicht überleben“, sagt er und verweist beim Kauf auf Fachgeschäfte. Außerdem gebe es „sterile Pflanzen“, die sich wegen der Züchtung nicht vermehren können, so Buck.

„Mit Stauden anzufangen, ist das praktischste“, sagt Janßen, der seit mehr als 20 Jahren auch als ehrenamtlicher Wespenberater für die Gemeinde Weyhe zuständig ist. „Mehrjährige Stauden bieten sich im Garten besonders an, da sie nur wenig Pflege benötigen, weniger Wasser brauchen und die Samen im Herbst auf den Boden fallen und im nächsten Jahr wieder auskeimen“, ergänzt Buck. Ihre Samen dienen nicht nur der Vermehrung, sondern seien auch nahrhaftes Futter für viele Vogelarten wie Stieglitz, Kohlmeise, Blaumeise oder Buchfink. Janßen empfiehlt außerdem Johannisbeeren, Himbeeren oder Apfelbäume. „Die sind gut für Insekten.“

Insekten wie beispielsweise das Tagpfauenauge, der Distelfalter, die Erdhummel oder Steinhummel und viele andere tummeln sich auch gern auf den Blüten der Malve, Königskerze, Wiesenklee, Lavendel, Klatschmohn, Minze, Sonnenblume und der Taubnessel. „Aber nicht nur am Tag sind unsere Insekten unterwegs, des nachts bietet beispielsweise die Nachtkerze vielen Faltern Nahrung“, erklärt Buck.

Ebenso sind Gartenbesitzer beim Pflanzen von Hecken mit einheimischen Gehölzen gut beraten, wenn sie den kleinen Tieren Lebensraum bieten wollen - darunter Holunder, Pfaffenhütchen, Hundsrose, Weißdorn, Kornelkirsche oder Gemeiner Flieder, zählt Buck auf und nennt noch dazu den Gewöhnlichen Schneeball. Der blühe im Juni, habe gefüllte, aber offene Blüten. „Da kommen die Insekten bis an den Nektar“, erklärt sie. Grundsätzlich sei eine bunte Mischung gut, meint Janßen. Denn unter den Wildbienen beispielsweise gebe es viele Spezialisten. Das heißt: Die Tiere sind auf eine oder zwei Arten als Futterquelle eingespielt.

Wer neu Aussähen will, sollte erst einmal den Boden frei von anderen Pflanzen machen und ihn komplett umgraben. Gesät werden könne dann etwa von April bis Juni - „wenn es nicht zu trocken ist“, sagt Buck. Frische Samen müssten intensiv gewässert werden. Wildblumen und mehrjährige Stauden sollten bis ins nächste Frühjahr stehenbleiben. Ganzjahresvögel wie Meisen und Amseln suchen dies gerne auf, um nach Nahrung zu suchen. Unter den Hecken sollte man versteckt Strauch- und Baumschnitt aufschichten, rät Buck. „Das sind wertvolle Nahrungs- und Lebensräume für Insekten und andere Tiere, vielleicht sogar für einen Igel.“

Janßen selbst praktiziert diese Art zu gärtnern seit 1974, wie er sagt. Bei 150 verschiedenen Staudenarten im Garten habe er aufgehört zu zählen. Frisch gepflanzt hat auch der Weyher Naturschutzbund selbst auf einer etwa 20 Quadratmeter großen Demonstrationsfläche auf dem Naturerfahrungsgelände am Dietrich-Schütte-Haus des Vereins an der Straße Böttcherei - darunter Stauden und eine Blühwiesenmischung.

Enttäuscht aber werden wird wohl derjenige, der ein knallbuntes Blütenmeer mit etwa gelben, blauen und roten Blüten erwartet. „Das ist für das Auge schön, bringt den Insekten aber nichts“, sagt Buck - den Wildbienen insbesondere nicht. Denn in Deutschland gebe es elf Saat-Regionen, erklärt Janßen. Die Mischung müsse also in die Region passen. Jene Blütenmeere gebe es eher in Süddeutschland. Hier aber seien die Böden außerdem zu sauer dafür.

Ebenso kritisch sehen die Nabu-Mitglieder angelegte Blühwiesen, die vielerorts angelegt, aber im Herbst desselben Jahres schon wieder umgepflügt werden, wie es bei landwirtschaftlichen Flächen oft der Fall ist. „Das bringt für den Naturschutz gar nichts“, sagt Janßen und spricht dabei von „Augenwischerei“.


Beim Säen und Pflanzen berät der Nabu Weyhe und er vergibt außerdem Saatgut für Blühflächen in der Größe zwischen einem und zehn Quadratmetern. Buck und Janßen sind per E-Mail an ulrike_buck@hotmail.com und heiko-janssen@web.de zu erreichen. Außerdem sind Patenschaften für mehrjährige Pflanzen zu vergeben. Unter Einhaltung der Corona-Regeln lädt der Ortsverein zudem zu Spaziergängen und Führungen auf dem Naturschutzgelände (Böttcherei 115) ein. Die Termine werden auf der Internetseite unter www.nabu-weyhe.de unter der Rubrik Termine angekündigt.

Info

Zur Sache

Nabu wirbt um Mitglieder

Der Naturschutzbund (Nabu) sucht neue Mitglieder. Dazu findet derzeit im Landkreis Diepholz eine Werbeaktion statt, bei der junge Menschen von Haus zu Haus gehen, um über die Arbeit der Naturschützer allgemein und vor Ort zu informieren. „Start ist diese Woche in Stuhr, dann wandern die Werbenden weiter über die Nordlandkreisgemeinden Richtung Süden“, teilt Leonie Jordan, Leiterin der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte, mit. Sie betont, dass sich die Werbeteams selbstverständlich streng an die Hygienevorschriften halten. Auch würden sie kein Bargeld sammeln und seinen an ihrer Nabu-Dienstkleidung und an einem Dienstausweis zu erkennen.

Hintergrund der Aktion ist laut Jordan, dass der Nabu zur „aktiven Umsetzung und langfristigen Finanzierung“ seiner Projekte neue Mitglieder benötigt. „Auch unsere Arbeit wird durch Corona stark beeinflusst. Viele Pflegeeinsätze können, wenn überhaupt, nur in kleinen Gruppen oder zu zweit stattfinden, das erschwert die Arbeit natürlich erheblich“, berichtet sie. Dass trotzdem so viel für den Naturschutz in der Region getan werden kann, verdanke man den vielen Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen, und den vielen Nabu-Mitgliedern, die die Arbeit finanzieren. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter der Telefonnummer 04231/9701460 und per E-Mail an info@nabu-weser-mitte.de.

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