Raumnot an der KGS Leeste Nach dem Brand kommt die Enge

Die aktuelle Lage an der Kooperativen Gesamtschule Leeste ist schwierig: Es läuft die Sanierung, Corona-Auflagen müssen eingehalten werden, nun erschweren die Brandschäden von vergangener Woche den Betrieb.
20.11.2020, 17:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Weyhe-Leeste. In der Luft liegt ein beißender Gestank, der umso stärker wird, je näher der Weg Richtung Lagerraum führt. Der Lagerraum, in dem am Freitag vergangener Woche das Feuer in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste gelegt wurde. In den Klassenzimmern des alten Traktes ist der Boden seitdem schwarz. Eine Rußschicht bedeckt ihn. Glassplitter liegen herum. Eine gute Woche später sind die Spuren vom Brand erdrückend, das Ausmaß des – mutmaßlich hohen – Schadens aber nur zu erahnen. Eines der größten Probleme der Schule nun: Wohin mit den ganzen Schülern, die in den 23 Räumen unterrichtet wurden, die durch die Schäden nicht mehr nutzbar sind?

Michael Krutschke war „schon geschockt“, als er am besagten Freitag vom Brand in der Schule hörte. Da war der kommissarische Schulleiter gerade im Verwaltungstrakt. Die Brandmeldeanlage hatte am Nachmittag automatisch ausgelöst. Gut möglich wäre es gewesen, dass es mal wieder ein Fehlalarm war. „Wir sind ja mit Fehlalarmen vertraut“, sagt Krutschke – der Sanierung wegen. Dieses Mal aber war es anders. Der Hausmeister kam zu ihm: „Da hinten brennt es.“ Die Meldeanlage hatte die Info über den Brandort gleich mitgeliefert. Acht Minuten später kam die Feuerwehr. Krutschke lotste die Rettungskräfte.

Aktuell steht die Schule nicht nur sprichwörtlich vor dem einen oder anderen Scherbenhaufen. Die Situation ist eine große Belastung – für Schüler wie Lehrer. Seit dem Brand ist die Lage für alle dreifach schwierig. „Es gibt ja schon genug Arbeit mit dem Umbau“, sagt Krutschke mit Blick auf die neben dem Schulbetrieb laufende Sanierung des Gebäudes. Hinzu kommen die Auflagen durch die Corona-Pandemie. Nun auch noch der Brand. „Es kommt alles zusammen gerade“, sagt Krutschke. Auf einem Lageplan des Gebäudes zeigt er, welche Räume aktuell sowohl durch den Umbau als auch durch den Brand nicht nutzbar sind. „Es sieht schon rein optisch nach der Hälfte aus“, sagt er über die vielen mit einem roten Kreuz gekennzeichneten Flächen und beziffert den Umfang der Räume, die nicht mehr zur Verfügung stehen, auf 23.

Deshalb muss jetzt improvisiert werden. Es müssen Klassenräume her. Die sollen ab Mitte nächster Woche unter anderem in der Turnhalle entstehen. Sie soll gedrittelt werden mithilfe eines Messebauers. Sechs Gruppen könnten so beschult werden, erklärt Krutschke. Im Hattesohl-Trakt soll das Improvisieren weitergehen. Im ersten und zweiten Stock sollen die Klassenräume dort, die für textiles Gestalten vorgesehen sind, als Unterrichtsräume herhalten, ebenso alle weiteren Fachräume für Musik, Werken, Naturwissenschaften im übrigen Teil der Schule. Wenn nötig, müsste auch das große Forum umgenutzt werden. „Es ist dann so gut wie jeder Raum belegt“, so Krutschke, immer auch unter der Vorschrift der gemeinsamen Kohorten. Eine von ihnen habe aktuell keinen Platz. Daher aktuell die Praxis: Ein Jahrgang soll pro Woche zu Hause bleiben. Für den heißt es dann jeweils Distanzlernen. Das Ganze soll zunächst bis Weihnachten so gehandhabt werden.

„Wir haben über Container nachgedacht“, sagte Bürgermeister Frank Seidel (SPD). Die Gemeinde ist als Schulträger für die räumliche Versorgung zuständig. Nicht nur dieser Posten wäre dann einer, der zur Gesamtschadenssumme beiträgt. „Das ist ein Riesen-Rattenschwanz“, so Seidel – angefangen beim Security-Dienst, der das Gebäude in der Nacht direkt nach dem Brand bewachte, denn die Fenster in den Räumen oberhalb des Bereichs, wo das Feuer ausbrach, sollten auf Empfehlung der Feuerwehr geöffnet bleiben, erklärte der Bürgermeister. Und weiter: Die Klassenbücher und weitere Dokumente im Obergeschoss des alten Traktes müssen entstaubt und fotokopiert werden, ebenso die elektronischen Geräte, die geöffnet und gereinigt werden müssen, dazu die Möbel für die Turnhalle, wie Krutschke ergänzt. „Wenn man da mal einen Strich drunter macht, kann man ein paar Häuser dafür bauen“, schätzt Seidel den Umfang der Schadenssumme in Gänze ein.

Angesichts der veränderten Situation müsse nun der Sanierungsprozess überprüft werden, so der Bürgermeister weiter. Dem durch den Brand geschädigten Trakt blühte ohnehin eine Erneuerung. Es komme die Überlegung in Betracht, diese dort nun vorzuziehen, ohne die Räume dort zunächst noch von den Brandschäden zu befreien und damit wieder für den Unterricht nutzbar zu machen. Der bereits sanierte Teil der Schule ist komplett verschont geblieben. „Das wäre sonst der Super-Gau gewesen“, sagt Seidel.

Wie hoch der Schaden letztlich ausfällt, müssten abschließende Untersuchungen ergeben, an denen auch die Versicherung beteiligt ist, denn die Gemeinde will Ansprüche geltend machen. Auch die Polizei konnte zur Summe noch keine Angaben machen, ebenso wenig zu den Motiven der beiden 13-jährigen Jungen, die das Feuer gelegt haben sollen, wie Polizeisprecher Thomas Gissing auf Nachfrage sagt. Einer der beiden, die Schüler der KGS seien, sei bereits vernommen worden. Wie das Verfahren für die noch nicht strafmündigen Schüler weitergehe, lasse sich nicht abschätzen. Der Fall werde an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, so Gissing. „Das wird später über Gerichte geklärt.“

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