Bodil Galipp ist Inner-Wheel-Club-Präsidentin

Von der Dynamik eines inneren Rades

Neu im Amt und auch wieder nicht: Die Sudweyherin Bodil Galipp ist erneut Präsidentin des Inner Wheel Club Grafschaft Hoya.
15.07.2020, 16:39
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Bodil Galipp ist keine Frau, die nur dieses oder nur jenes macht, sondern dabei immer fokussiert ist: auf Dynamik nämlich. Die 78-Jährige ist Optikermeisterin, war Unternehmerin und bleibt auch seit dem Ruhestand in Bewegung – aktuell als Präsidentin des Inner Wheel Club (IWC) Grafschaft Hoya – und das schon zum zweiten Mal.

Dort ist sie eine von neun Frauen. Und weil das zu wenig ist für den jährlich rotierenden Posten ist Galipp nun erneut bis zum nächsten Sommer in diesem Amt. Ihr Job dort nun: den Club nach außen vertreten, beispielsweise bei Feiern anderer Charter – so heißen die einzelnen Gruppen des IWC – oder deren 25-jährigem Bestehen beispielsweise. Zu ihren Aufgaben gehört es aber auch, die jeden zweiten Donnerstag stattfindenden Treffen des IWC in Erichshof zu gestalten. „Man muss immer ein Thema haben“, sagt die Präsidentin. Das kann die persönliche Vorstellung einer der Frauen sein oder der Vortrag eines Referenten. Eine thematische Ausrichtung gibt es da nicht, erzählt Galipp, die dabei auch ihr eigenes Netzwerk aktiviert: Beispielsweise Bekannte, die gerade eine besondere Reise hinter sich haben. Menschen, die sich in Vereinen und Gruppen für andere einsetzen.

So wie Galipp selbst. Schließlich ist das auch das Ziel eines IWC: nationale und internationale Kinder-, Jugend-, Frauen- und sonstige Projekte zu fördern, aber auch schlicht Freundschaften zu pflegen, ebenfalls international. Mit dem Bezug ist die Wahlsudweyherin auch aufgewachsen. Als in Rathenow geborene Tochter einer Dänin und eines Deutschen wuchs sie nach Kriegsende zunächst im dänischen Kopenhagen auf, ging dort zur Schule. Der Krieg trennte Mutter und Vater, der nicht in das skandinavische Land einreisen durfte. Dort war Deutsch sprechen kein Thema mehr und Galipp eignete sich mehr das Dänische als Muttersprache an, das sie während ihres Ruhestands auch an der Bremer Volkshochschule unterrichtet hat. Ein Bruder ging nach Kanada, ein zweiter blieb in Kopenhagen. „Der Krieg hat unsere Familie auseinandergetrieben“, sagt sie.

Anfang der 1950er Jahre ging es für das damals noch junge Mädchen ins schleswig-holsteinische Wahlstedt, wo gemeinsam mit dem Vater wieder ein Familienleben stattfinden konnte. Galipps Leben sollte von da an ähnlich weiter gehen: in Bewegung. 1960 zog sie erst nach Hamburg, machte dort eine Lehre zur Augenoptikerin, im Anschluss zog es sie wieder nach Kopenhagen, wo sie arbeitete, dann wieder nach Hamburg und schließlich nach Berlin, wo sie ab 1966 die Meisterausbildung in ihrem Beruf machte und heiratete – kein Grund zur Sesshaftigkeit für die spätere Unternehmerin. Nach weiteren Stationen in der Oberpfalz und Bremen, wo sie und ihr Mann zeitweise mehrere, am Ende zwei Optikerfachgeschäfte hatten, zog sie vor 30 Jahren nach Sudweyhe, um dort zu bleiben.

Nach ihrem Arbeitsleben begann für Galipp eine andere Zeit der Aktivitäten. Sie hat bei der Leester Tafel gearbeitet, ist auch für den Umsonstladen dort tätig und klopfte 2008 zunächst beim IWC in Wildeshausen an, von dem sie in der Zeitung gelesen hatte. „Ich wollte nicht nur Kochrezepte austauschen“, begründet sie die Entscheidung für den Club, für dessen Mitgliedschaft lange Zeit Voraussetzung war, dass der Ehemann im Rotary-Club ist. Der IWC, so Galipp, ist das weibliche Pendant zu dem Männerbund. Inzwischen seien die Strukturen aber aufgelockert. 2016 schließlich gründete sich der IW-Club in der Grafschaft Hoya, zu dem Galipp dann wechselte.

„Ich wollte gerne in eine Frauengruppe“, sagt sie. Sie habe in ihrem Arbeitsleben keine Kolleginnen gehabt, keine Jugendfreundinnen vor Ort – daher die Entscheidung. Wer mitmachen will, sagt sie, solle bereit sein, sich freundschaftlich zu verbinden, aber auch, sich für soziale Zwecke einzusetzen. Was die Gruppe mit ihren Veranstaltungen, etwa beim Gartenkultur Musikfestival oder einem Kinoprojekt der vergangenen Jahre erwirtschaftet, wegen der Corona-Pandemie derzeit aber gänzlich brach liegt, geht etwa an das Diepholzer Frauenhaus, das Mehrgenerationenhaus Brinkum oder auch in den Kinderschutz.

Antrieb für Galipp war nicht zuletzt auch die Neugier auf Themen aller Art durch besagte Referenten. „Man kann nie genug lernen. Außerdem wird das Gehirn angestrengt“, sagt die dynamische Frau, die sich obendrein vom Bridgespielen in einem Verein gemeinsam mit ihrem Mann oder auch Angeboten zu englischer Konversation anregen lässt. „Es ist nie so, dass ich sage: Heute habe ich nichts vor.“ Beide lesen außerdem viel, gehen ins Theater und verreisen gerne. Und auch da geht es nicht nur um Urlaub am Wasser mit gutem Essen und Wein. „Wir nehmen gerne die Fahrräder mit, wenn es geht“, sagt sie. Gallipps Leben braucht eben Bewegung – und die bekommt es auch.

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