Weyher Theater Neue Stücke und ein Experiment

Das Weyher Theater hat sich für die kommende Spielzeit wieder eine Menge ausgedacht. Eine Art Experiment mit Unterstützung des Boulevardtheaters Dresden gehört ebenfalls dazu.
24.04.2019, 18:01
Lesedauer: 5 Min
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Kirchweyhe. Die aktuelle Spielzeit ist noch längst nicht zu Ende, doch das Weyher Theater blickt bereits auf die kommende Saison 2019/20 und verspricht dafür wieder „ein buntes Programm“ – auch, wenn ein ernstes Stück dieses Mal fehlt.

„Es bleibt bei dem Weihnachtsmärchen und fünf neuen Abendstücken im Abo“, berichtet Theater-Intendant Kay Kruppa. Außerdem präsentiert das Ensemble mit „Weyher Theater extra“ wieder ein Stück außerhalb des Abonnements. Das gab es laut Kruppa auch schon in der Vergangenheit, fand dort aber als Special-Monday-Shows im Shakespeare’s Theaterpub statt. „Dieses Mal ist das Stück direkt für die große Bühne konzipiert worden“, informiert er weiter. Zu sehen gibt es dann „Wo die Liebe hinfällt“. Gemeinsam mit Gitarrist Patrick Kuhlmann werden dabei Lieder, kleine Szenen, Kabarett und Gedichte rund um das Thema Liebe präsentiert. Auf der Bühne zu sehen sind dann neben dem Musiker auch Kruppa, Dramaturg Frank Pinkus und Antje Klattenhoff. Die erste Aufführung ist für Montag, 28. Oktober, ab 20 Uhr geplant.

Das erste „klassische“ Stück des Weyher Theaters feiert am Freitag, 23. August, Premiere. „Im weißen Rössl“ wird dann gezeigt. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass dies ursprünglich als Komödie geschrieben und erst in den 1950er-Jahren zu einer Operette wurde“, informiert Kruppa. Elf Darsteller plus Band treten dafür auf, der Intendant verspricht „ein Feuerwerk, sowohl musikalisch als auch komödiantisch“.

Ab Freitag, 4. Oktober, ist dann das Werk „Schiff Ahoi!“ nach einer Geschichte des kanadischen Autors David Shelter zu sehen. Dort folgen die Besucher zwei Paaren – das eine ist bereits getrennt, das andere lebt in Scheidung. Die beiden Männer haben beschlossen, eine gemeinsame Kreuzfahrt zu machen, die beiden Frauen hatten jedoch die gleiche Idee. „Das Stück ist fast im klassischen Boulevard-Stil“, erläutert Kruppa. Die Szenerie spiele in den beiden Kabinen, nur getrennt durch einen Mittelgang.

Dann folgt im Weyher Theater auch schon das Weihnachtsmärchen. Dieses Mal wird „Pipi im Taka-Tuka-Land“, nach dem Buch von Astrid Lindgren, gezeigt. „Vor etwa sieben Jahren haben wir schon einmal einen Pippi-Langstrumpf-Teil aufgeführt“, berichtet Kruppa. Nun folgt die Geschichte um das außergewöhnliche Mädchen, das ihren Vater retten will. Wie Kruppa informiert, wird in Weyhe übrigens vom „Südsee-König“ gesprochen. Im Original heißt die Figur „Neger-König“, doch im Vorfeld hätten bereits einige Lehrer angerufen und kritisch nachgefragt, wie das Weyher Theater es halten will. Erstmals gezeigt wird das Stück am Donnerstag, 28. November. Dann zeigt das Theater die Geschichte insgesamt 60 Mal bis Heiligabend.

Eine „neue Komödie von Frank und mir“ kündigt Kruppa mit „Ab heute bin ich Jungfrau“ an, das am 24. Januar 2020 Premiere feiert. Darin geht es um Tom, der nach einer gescheiterten Ehe beschließt, von nun an als Jungfrau zu leben und bei seinem besten Freund Markus einzuziehen. „Es sind zwei sehr unterschiedliche Männer“, berichtet Pinkus. Markus lebt nämlich das genaue Gegenteil von seinem Freund und hat für fast jeden Tag in der Woche eine andere Liebschaft. Auf beide Männer warten damit turbulente Zeiten.

Für März steht dann ein neues Musical auf dem Programm. „Nicht nur Träume können fliegen“ feiert am Freitag, 20. März 2020, Premiere. Die Musik kommt von Patrick und Kevin Kuhlmann, die Inszenierung übernimmt Pinkus. „Es ist eine romantische Komödie“, teilt Letzterer mit. In dem Stück geht es um die schüchterne Maria, die eine erfolgreiche Kinderbuchautorin ist, sich der Welt jedoch nicht zeigen möchte. Doch dann trifft sie den mindestens ebenso schüchternen Emil.

Das letzte neue Stück der Saison feiert am Freitag, 15. Mai 2020, Premiere und trägt den Titel „Männer allein zu Haus“. Dort sehen die Besucher Jan, Ben, Max, Paul und Bruno, die ein Männerwochenende an der Nordsee verbringen wollen, denn Jan wird 40 Jahre alt. Doch der kann damit nicht besonders gut umgehen und sucht ständig Ablenkung, sei es durch Alkohol, alberne Spiele oder auch Aufputschmittel. „Was da alles passieren kann, sehen die Besucher dann“, sagt Pinkus.

Aber es wird nicht alles neu zur kommenden Spielzeit. So sollen die Heinz-Erhardt-Revue „Nachdem ich mich hier versammelt habe...“, der Johnny-Cash-Abend „I Walk The Line“ sowie die beiden Komödien „Geld stinkt nicht“ und „Auf uns!“ im Programm bleiben. Das bedeutet auch, dass es mindestens in der nächsten Saison kein ernstes Stück geben wird. Die Gründe sind laut Kruppa und Pinkus einfach: Es ist nicht so beliebt wie die Komödien oder die musikalischen Werke. „Wenn uns nochmal ein ernstes Stück über den Weg läuft, das wir gerne spielen wollen, werden wir das machen. Aber wir werden nicht mehr aktiv danach suchen“, stellt der Intendant klar. Pinkus vergleicht die Besucherzahlen einer Komödie mit der des aktuell laufenden ernsten Werkes: „Wir haben für 'Geld stinkt nicht' doppelt so viele Karten verkauft wie für 'Unsere kleine Stadt'.“ Heinz-Hermann Kuhlmann, Geschäftsführer des Weyher Theaters, ordnet das Ganze ebenfalls ein: „Wir haben bei 'Unsere kleine Stadt' eine Auslastung von 77 Prozent. Darüber wären einige andere Theater froh, da wir aber ein Privattheater sind und ohne Subventionen auskommen, müssen wir auf über 80 Prozent kommen.“ „Geld stinkt nicht“ liege bei einer Auslastung von 94 Prozent. Für Kruppa und Pinkus ist diese Entwicklung aber in Ordnung. „Ich liebe Komödien“, betont Ersterer für sich.

Aber in der kommenden Spielzeit sind zum ersten Mal seit 15 Jahren nicht nur die Stücke des hauseigenen Ensembles im Weyher Theater zu sehen, sondern auch ein Gastspiel. Das Boulevardtheater Dresden tritt am 10., 11. und 12. März 2020 in Kirchweyhe auf und zeigt eine „frivole Komödie“. Zu sehen gibt es dann „Herr Doktor, die Kanüle klemmt!“. „Wir haben die Geschichte gelesen und fanden sie toll“, sagt Kruppa. Einzig, es fehlt bislang der Mut, das Werk selbst auf die Bühne zu bringen. „Wir möchten es gerne bei uns testen“, so der Intendant. In Dresden sei der erste Teil (drei weitere gibt es bereits) bislang 120 Mal aufgeführt worden und habe immer für ein ausverkauftes Haus in der 500 Plätze fassenden Spielstätte gesorgt. Auf dem Stück liege eine Altersbeschränkung ab 18 Jahren, ab 16 Jahren dürfen laut Pinkus Besucher in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten hinein. „Dagegen waren wir bisher brav“, ergänzt der Dramaturg schmunzelnd. Das Werk schaffe es trotzdem, nicht billig zu wirken und sich gut auf einem schmalen Grat zu bewegen. Inhaltlich geht es darin um einen Frauenarzt, der zu einem wichtigen Kongress muss. Seine Vertretung sagt ab, und so fragt er seinen Zwillingsbruder – ein Tierarzt, spezialisiert auf Großvieh –, ob dieser einspringen kann. Sollte „Herr Doktor, die Kanüle klemmt!“ erfolgreich sein, kann sich das Duo des Weyher Theaters auch vorstellen, selbst Entsprechendes ins Repertoire aufzunehmen.

Aber nicht nur auf dem Spielplan gibt es Neues zu entdecken, auch im Ensemble gibt es Veränderungen. So scheiden Nathalie Bretschneider, Beatrice Kaps-Zurmahr und Patrick Michel aus. Neu dabei sind dafür Christian Hamann, Leenert Schrader und Markus Weise. Bretschneider habe nach sieben Jahren in Weyhe weiterziehen wollen, den Wahl-Hamburger Michel plage Heimweh. Letztere sei sowieso nur als Gast im Ensemble eingeplant gewesen. Für Kruppa und Pinkus ist das aber nicht schlimm: „Es muss auch mal frischer Wind hinein“, sagt Kruppa. Er selbst und Pinkus schauen deshalb auch, in maximal zwei neuen Stücken pro Saison selbst zu spielen, „damit wir uns nicht verbrauchen“, so Kruppa.

Wem der Start bis zur neuen Saison zu lang ist, für den gibt es in diesem Jahr wieder das Sommertheater. Dort ist eine Woche lang, vom 7. bis zum 11. August, „Geld stinkt nicht“ zu sehen. Was vor Saisonbeginn ebenfalls aufgeführt wird, steht noch nicht fest, soll aber zeitnah bekanntgegeben werden.

Weitere Informationen zum Weyher Theater, die genauen Spieldaten und Tickets gibt es im Internet unter www.weyhertheater.de.

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