Paketdienst Hermes baut in Weyhe

Neues Zustellzentrum bei alter Ziegelei

Hermes baut in Sudweyhe. Neben der alten Ziegelei, die erhalten bleibt, ist auf 25.000 Quadratmetern für einen zweistelligen Millionenbetrag ein Hochleistungs-Verteilzentrum für die ganze Region geplant.
24.09.2019, 17:39
Lesedauer: 3 Min
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Neues Zustellzentrum bei alter Ziegelei
Von Sebastian Kelm

Aufmerksame Beobachter werden die Aktivitäten unweit der Rieder Straße in Sudweyhe bereits bemerkt und sich vielleicht gefragt haben, was dort gerade geschieht auf der Wiese direkt neben der 2017 stillgelegten Ziegelei Wehrmann. Die Antwort: Paketdienst Hermes baut seit dieser Woche sein neues „Hochleistungs-Verteilzentrum“, von dem aus Bremen und umzu versorgt werden sollen. Und das schon mit Beginn des Weihnachtsgeschäfts 2020, verrät Christoph Peper das Ziel des Unternehmens mit Hauptsitz in Hamburg.

Peper ist Geschäftsführender Gesellschafter der Peper & Söhne GmbH aus Bremen-Hemelingen. Die Firma realisiert in Zusammenarbeit mit Goldbeck Nord GmbH das Vorhaben im Auftrag von Hermes, hat sich nach eigenen Angaben unter 15 Projektentwicklern bei einem "Pitch" durchgesetzt. "Hermes war ein regionaler Partner wichtig", sagt Christoph Peper, selbst wohnhaft in der Gemeinde Weyhe, zur Auswahl. Investiert wird ihm zufolge ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag. Den genauen Kaufpreis wollte er indes nicht beziffern.

Peper & Söhne vermietet das rund 25.000 Quadratmeter große, kürzlich erworbene Areal dann an Hermes, das zusammen mit Robert C. Spies Immobilien Bremen als Vermittler ein geeignetes Grundstück gesucht und letztlich in Sudweyhe gefunden hatte. Auf diesem werden 5000 Quadratmeter Hallenfläche und Büroräume auf 540 Quadratmetern entstehen. Gut 100 Arbeitsplätze werden bald im Nordosten Weyhes angesiedelt sein.

60 Touren pro Tag

Hermes schätzt, dass künftig bis zu 50.000 Sendungen täglich am neuen Standort verarbeitet werden. Wobei dieser „für weitere Sendungssteigerungen“ ausgelegt sei. Das Depot sei jetzt aber schon das größte für die Hansestadt, so Christoph Peper. Der geht von durchschnittlich 60 Anlieferungen und Abtransporten am Tag aus, davon 30 Sprinter-Bewegungen und jeweils etwa 15 Fahrten von 40-Tonnern und von Klein-Lastern. „Die Ziegelei hatte zu Hochzeiten 80 Groß-LKW jeden Tag“, ordnet Peper die zu erwartende Verkehrsbelastung ein. Allerdings werden sich die Verkehre bei dem Paketdienst, der im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten will, auf 24 Stunden und somit auch auf die Nachtstunden verteilen. Hermes selbst rechnet übrigens mit maximal 80 Touren pro Tag.

Wie bei allen neuen Logistik-Centern von Hermes – erst im Februar und März dieses Jahres wurden zwei weitere in Hamburg und Leipzig eröffnet –, wird die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) den dann jüngsten Standort in Sudweyhe mit dem Gold-Status auszeichnen, wie das Unternehmen mitteilt. Das Zertifikat soll den vorbildlichen Umgang mit Ressourcen und Umwelt würdigen. Neben ergonomischen, barrierefreien Arbeitsplätzen werde mit der Integration von E-Ladestationen ein Hauptaugenmerk auf Elektromobilität gelegt. „Wir planen direkt zum Betriebsstart mit mindestens zehn E-Fahrzeugen einen nicht unerheblichen Teil unserer täglichen Touren emissionsfrei durchzuführen“, erklärt Christian Helbig, Head Of Real Estate & Facility Management bei Hermes Germany.

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Erschließung und Anbindung des Firmengeländes soll über die von der Rieder Straße abgehende Seewendung erfolgen. „Die wird auch noch ertüchtigt“, kündigt Peper Ausbauarbeiten an. Man wolle so nicht zuletzt dem Schallschutz Rechnung tragen und der viel befahrenen Landesstaße 331 keinen direkten Abbiegeverkehr auf das Betriebsgelände zumuten. Die Zufahrt an der Seewendung wird zwischen altem Ziegelei-Gelände und der 2018 südlich davon in Betrieb genommenen Trocknungsanlage für Klärschlamm nebst Biogasanlage verlaufen.

Der ehemalige Wehrmann-Komplex wird dabei von Hermes gar nicht angetastet, versichert Peper. Das heißt: fast nicht. Denn einzig das Wohnhaus des letzten Geschäftsführers Hans-Heinrich Meier muss für den Neubau abgerissen werden. Meier bestätigte auf Anfrage den Verkauf und seinen baldigen Auszug: „Das wird wohl im Laufe des Jahres so kommen.“ Er berichtete außerdem von weiterhin laufenden Gesprächen zur Ziegelei-Nachnutzung. „Es gibt da einige Interessenten“, gab der einstige Ziegelei-Chef zu Protokoll. Spruchreif sei aber noch nichts.

Fertigstellung August 2020

Für Hermes jedenfalls liegt nach Angaben Pepers die Baugenehmigung seit Kurzem vor, die fragliche Fläche östlich von Wehrmann sei bereits vor einigen Jahren als Gewerbegebiet ausgewiesen. Die Fertigstellung ist für August kommenden Jahres anvisiert, der Betriebsstart für Oktober. Schon im März aber soll die Halle an Hermes übergeben werden, damit das Unternehmen seine aufwendige Technik vor Ort einrichten und testen kann.

„Der Neubau in Weyhe ist für uns von enormer strategischer Bedeutung“, sagt Christian Helbig im Namen von Hermes. Durch die direkte Nähe zur Stadt Bremen und die unmittelbare Anbindung an das Fernstraßennetz über die A 1 sowie die Bundesstraße 6 zeichne Weyhe sich durch wichtige Faktoren für einen logistischen Knotenpunkt aus.

Im Weyher Rathaus steht man der Ansiedlung von Hermes im Gemeindegebiet naturgemäß wohlwollend gegenüber. Man begrüße die positive Entwicklung des Gewerbegebietes „Seewendung“ durch neue Betriebsansiedlungen im Bereich der Ziegelei-Brachfläche, so Erste Gemeinderätin Ina Pundsack-Bleith. Die allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters freuen vor allem die Stellen, die hier geschaffen werden: „Die hohe Anzahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter ist ein weiterer Beleg für die Attraktivität des gut angebunden Standortes.“

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