Philipp Fahrenholz

Noch einmal eine Grenzerfahrung

Zum Abschluss seiner ersten Profisaison hat Triathlet Philipp Fahrenholz seine erste Ironman-Langdistanz absolviert. Es war eine Premiere, die ihn ans Limit führte.
01.10.2018, 17:00
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Von Thorin Mentrup
Noch einmal eine Grenzerfahrung

Philipp Fahrenholz musste in Italien an seine Grenzen gehen.

Thorin Mentrup

Cervia/Weyhe. Der Abschluss seiner ersten Saison als Triathlon-Profi war eine Grenzerfahrung. Denn während Philipp Fahrenholz beim italienischen Ironman Emilia-Romagna in Cervia an der Adria um jede Sekunde kämpfte, zog sich die Rückreise quälend lange hin. Sturmtief Fabienne bremste den Triathleten mit Weyher Wurzeln aus. Erst mit einem Tag Verspätung kam der 26-Jährige über Bologna, Rom, Frankfurt und Bremen wieder in der Heimat an. Zur körperlichen Erschöpfung kam nach der alles anderen als entspannten Rückreise also auch noch die mentale hinzu. „Ich bin froh, dass ich jetzt ein bisschen runterfahren kann“, sagte Fahrenholz mit Blick auf seine sportliche Reise.

„Wenn ich Urlaub gemacht hätte, dann wäre die ganze Erholung nach dieser Rückreise dahin“, wusste der Triathlet. Doch Urlaub war wahrlich nicht der Grund gewesen, aus dem es ihn an die Adria gezogen hatte. Beim italienischen Ironman feierte der Sportler seine Langdistanz-Premiere. Nach einer fünften Mitteldistanz hatte ihm der Sinn nach zuvor vier Auftritten in diesem Jahr nicht gestanden. „Dann blieb nur der Schritt auf die Langdistanz“, gab es für Fahrenholz, der zuvor noch seine Masterarbeit abgab, nur einen logischen Schritt. Allerdings war die Vorbereitungszeit sehr kurz, um sich von 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen auf das Doppelte zu steigern. Drei, vier Wochen habe er Zeit gehabt, berichtet Fahrenholz. Beim Radfahren war das kein Problem für den Sportler, der in dieser Disziplin ein absolut zuverlässiger und schneller Athlet ist, sondern vor allem im Laufen. „Ich bin vielleicht drei oder vier Mal in meinem Leben mehr als 30 Kilometer gelaufen“, schilderte Fahrenholz seine Voraussetzungen. In Italien musste er allerdings seinen ersten Marathon absolvieren – nach fast vier Kilometern im Meer und 180 auf dem Rad. Mit Koppeltraining, also Einheiten auf dem Rad und längeren Läufen direkt im Anschluss daran, versuchte sich Fahrenholz dennoch so gut wie möglich auf die Herausforderung einzustellen. Trotzdem war ihm uneingeschränkt klar: „Es war ein Abenteuer zum Ende des Jahres.“

Allein auf weiter Flur

Dieses Abenteuer verlief für Fahrenholz nicht perfekt, aber ordentlich. Als 19. der gut 40 gestarteten Profis kam er nach 9:21:37 Stunden ins Ziel. Nach seinem Schwimmpart im Meer (57:45 Minuten) war er im Soll, hatte zudem eine Gruppe gefunden, mit der er die erste der drei Disziplinen absolvieren konnte. Dieses Zweckbündnis zerfiel danach allerdings schnell: „Einer ist sofort losgefahren und hat sich abgesetzt, die anderen waren nicht so stark wie ich. Die Folge war, dass ich 150 Kilometer komplett allein gefahren bin“, wurde das Radfahren zu einer besonderen Herausforderung. „Vor einem gar nichts, hinter einem gar nichts. Da verliert man ordentlich an Zeit, denn das ist auch für den Kopf nicht einfach.“ Größere Gruppen von Amateurfahrern, die ihm auf der Wendepunktstrecke entgegen kamen, erschwerten Fahrenholz den inneren Kampf zusätzlich. Erst rund 30 Kilometer vor dem Ziel holte er einen anderen Athleten ein und erfuhr so zumindest etwas mentale Erleichterung.

Die größte Herausforderung stand dem 26-Jährigen aber noch bevor. Der erste Marathon ließ sich „wirklich gut“ an, wie er sagte. Je länger aber der Lauf dauerte, desto schwerer wurden Fahrenholz' Beine. „Ab dem Halbmarathon war muskulär der Ofen aus“, war er mit seinen Kräften am Ende. „Auf der zweiten Hälfte habe ich gute 30 Minuten verloren. Da bin ich ungefähr einen Sechser-Schnitt pro Kilometer gelaufen. Das ist für mich eher Powerwalking“, beschrieb der Athlet, wie viel Geschwindigkeit und Zeit er verlor. Der Frust darüber hielt sich am Ende allerdings in Grenzen: „Ich wusste ja um das Risiko. Der Münzwurf ist quasi nicht zu meinen Gunsten ausgefallen, das lag aber auch an der kurzen Vorbereitung.“ Während der letzten gut 20 Kilometer wuchs allerdings auch eine Erkenntnis, die für die Zukunft wichtig ist: „Wenn ich noch einmal eine Langdistanz machen will, brauche ich häufiger längere Läufe“, will sich Fahrenholz dann gezielter vorbereiten.

Weiter geht es nur als Profi

Sicher scheint indes, dass der Athlet sich erneut der Langdistanz widmen will: „Die letzten 20 Kilometer waren nicht zufriedenstellend, um damit abtreten zu können. Da muss noch einmal etwas Besseres folgen.“ Dann allerdings erst im kommenden Jahr. „Die Saison ist für mich beendet“, ist erst einmal Pause angesagt. Ab dem 1. November aber wird Fahrenholz wieder angreifen. Er werde wahrscheinlich auch im kommenden Jahr mit einer Profilizenz starten. „Ich kann mir momentan nichts anderes vorstellen“, sagte er und blickte auf die vergangenen Monate zurück: „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Für mich hat es sich total ausgezahlt, einfach auch die Erfahrung zu machen, wie es in dieser Rolle ist. Ich durfte mit absoluten Ikonen starten. Aber auch sportlich hat mich das Jahr nach vorn gebracht. Ich habe sehr viel mitgenommen, was ich umsetzen kann, um noch besser zu werden.“

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