Seltener Nachwuchs Plötzlich vierfache Reptilien-Eltern

Und plötzlich waren es sechs: Olaf und Susanne Büther aus Kirchweyhe staunten nicht schlecht, als sie zwei kleine Schildkröten in ihrem Garten entdeckten. Mittlerweile sind zwei weitere geschlüpft.
12.09.2018, 18:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth

Weyhe-Kirchweyhe. Familie Büther hat Nachwuchs bekommen. Und der war so nicht geplant gewesen. Tips und Taps waren einfach da. Und ein paar Tage später auch Mini und Blacky. Olaf und Susanne Büther staunten nicht schlecht, als sie vor zwei Wochen aus dem Campingurlaub nach Hause kamen und Zuwachs im Schildkröten-Gehege bemerkten. Neben ihren vier erwachsenen Schildkröten trotteten da zwei winzige Exemplare über den Rasen. Dann ein weiterer Fund: zwei Geschwistertiere so groß wie eine Ein-Euro-Münze. So wurden die Kirchweyher auf einen Schlag vierfache Reptilien-Eltern. „Wir waren total platt“, sagt Olaf Büther. Schon öfter hätten die Schildkrötenweibchen Eier im Sand des umfunktionierten Frühbeetes abgelegt, doch nie war daraus Leben entstanden. „Eigentlich schlüpfen sie bei diesen Temperaturen nicht. Züchter legen die Eier dafür in einen Brutschrank“, weiß Olaf Büther. Umso stolzer ist er jetzt auf seinen Nachwuchs.

Dazu hat er auch allen Grund. „Es passiert selten, aber es passiert – wenn die Bedingungen optimal sind“, sagt die Tierärztin Angelika Hoffmann, die auch Reptilien in ihrer Praxis in Delmenhorst behandelt. Diese seien gegeben, wenn es relativ ruhig im Garten ist, Kinder etwa nicht ständig umhertoben, und es über längere Zeit besonders warm ist. Hoffmann selbst hatte in 35 Jahren als Tierärztin zwei Fälle von natürlich geschlüpften Landschildkröten.

Tips und Taps sind höchstens einen Monat alt und nicht größer als eine Zwei-Euro-Münze. Die Griechischen Landschildkröten erkunden schon ausgiebig ihr Reich. Mit Pflastersteinen hat das Ehepaar Büther einen Bereich für sie abgegrenzt. Der übrige Teil des 15 Quadratmeter großen Schildkröten-Domizils ist stellenweise zu unwegsam für sie. „Die größte Gefahr ist, dass sie auf den Rücken fallen und von alleine nicht mehr auf die Beine kommen“, sagt Büther und nimmt beide Minischildkröten auf die flache Hand. Panzer, Kopf und Krallen sehen aus wie bei den Großen, nur eben um ein Vielfaches kleiner. Wer aber ist nun Tips und wer Taps? Olaf Büther kennt den Unterschied. Der Kirchweyher zeigt auf den gewölbten Panzer des linken Tieres auf seiner Handfläche, das seinen Kopf starr aus dem Panzer reckt: „Taps ist der mit dem höheren Buckel.“

Die eigenen Kinder von Olaf und Susanne Büther sind schon aus dem Haus. Das von Hohlkammersteinen eingegrenzte Reich der Reptilien befindet sich an der Stelle des Gartens, an dem einst die Schaukel von Sohn und Tochter stand. Ein selbst angelegter Bachlauf fließt dort nun, dessen Wasserzufuhr per Zeitschaltuhr geregelt ist. Die Schildkröten ziehen dann los zur sprudelnden Quelle.

Wenn Olaf und Susanne Büther nicht im Garten sind, müssen Tips und Taps – sowie ihre beiden kleineren Geschwister – im umgerüsteten Frühbeet bleiben. Ohne Dach über dem Kopf wären sie sonst leichte Beute für Elstern. 33 Grad herrschen in dem Glaskasten mit eingebautem Thermostat und einer Wärmelampe. „Wir haben es jetzt so weit geschafft, dass wir den Ehrgeiz haben, sie durchzukriegen“, sagt Olaf Büther. Die frisch geschlüpften Schildkröten, deren Geschlecht sich erst in ein paar Jahren entwickeln wird, sind schon jetzt große Kämpfer.

Auch wenn sie sich prächtig entwickeln, über den Berg sind die Naturbrut-Schildkröten noch lange nicht. Die nächste Herausforderung ist es, den Winter und das Frühjahr zu überstehen. Die Geschwister verbringen ihre Winterruhe nicht bei den anderen im Schildkrötenhaus im Garten, wo sie sich, geschützt vor Wühlmäusen, im Sand eingraben können. Sie kommen von Oktober bis März an einen ungewöhnlichen Ort: in den Kühlschrank. So haben schon die beiden Weibchen Momo und Purzel vor zehn Jahren überwintert, als sie im Alter von zwei Jahren zur Familie Büther kamen. Eine Box mit Substrat, das feucht gehalten wird, dient den Jungtieren bei fünf Grad Celsius als Winterquartier. Dafür muss Olaf Büther noch einen separaten Kühlschrank anschaffen. „Ich möchte sie ja nicht bei uns zwischen dem Gemüse haben“, sagt der 55-Jährige und lacht. Weil noch nicht absehbar ist, ob die Reptilien überleben, hat die Familie Büther sie zunächst nur vorläufig bei der Landesnaturschutzbehörde angemeldet, wo Schildkröten registriert werden müssen.

Auf lange Sicht soll der Nachwuchs bei der Tochter von Olaf und Susanne Büther heimisch werden. „Sie baut gerade und hat angekündigt, sie bei sich leben zu lassen.“

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