Fußball

Wegbegleiter und Wegbereiter

Von der G-Jugend bis in den Herrenbereich haben Rainer Dismer und Edwin Bade etliche Fußballer des TSV Weyhe-Lahausen begleitet. Es war eine prägende Zeit – für die Kicker, aber auch für die Trainer.
07.08.2020, 17:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Wegbegleiter und Wegbereiter

Abschiedsfoto bei der Abschlussfeier: 13 Jahre lang trainierten Edwin Bade (vorn, 2. v. l.) und Rainer Dismer (vorn, 2. v. r.) den 2001er-Jahrgang Lahausens.

Jens Lohmann

Die Frisuren haben sich verändert. Wo es früher gern etwas länger sein durfte, ist die Haarpracht heute meist kurz, vor allem an den Seiten. Heranwachsende machen so manchen Trend mit. Wie viele es in den vergangenen 13 Jahren waren, das vermögen Rainer Dismer und Edwin, genannt Eddi, Bade nicht zu sagen. Sie können dagegen mit Gewissheit von sich behaupten, dass sie beim TSV Weyhe-Lahausen aus einer Gruppe kleiner Kicker junge Erwachsene geformt haben, die nun im Herrenbereich durchstarten.

13 Jahre. „Das hört sich zunächst gar nicht nach so viel an“, findet Dismer. Dass das doch eine ganz schön lange Zeit ist, fällt ihm und Bade stets dann auf, wenn sie ihre Jungs ansehen. „Sie sind jetzt Männer, fahren Auto oder beginnen ein Studium. Als wir angefangen haben, konnten sie kaum über den Ball gucken“, schmunzelt Dismer, der zur selben Zeit in die Lahauser Spartenleitung eintrat. Sein Sohn Fynn und Bades Junior Marvin waren Kicker der ersten Stunde, genau wie Sebastian Mohmeyer, Jan Dahremöller, Jost-Eike Behrens und Marc-Dennis Hussels. Diese Talente haben im Herrenbereich zum ersten Mal Trainer, deren Nachname nicht Dismer oder Bade lautet. Linus Werner spielte lange in der Parallel-Mannschaft. Etliche weitere Akteure waren viele Jahre dabei. „Freiwillig verlassen“, sagt Bade, „hat uns kaum jemand.“

Beide Trainer sind stolz darauf, dass mit ihren Talenten auch die Abteilung gewachsen ist: „Mit diesen Jungs haben wir viele Strukturen geschaffen, zum Beispiel die Trainerausbildung oder die Fußballschule. Sie haben alles durchlebt“, sagt Dismer. Viele Talente sind heute als Trainer, Unterstützer beim Fußballcamp und in weiteren Aufgaben im TSV aktiv. „Die Jungs haben verstanden, worum es im Vereinsleben geht“, freut sich Bade, auch die persönliche Entwicklung vorangetrieben zu haben. Sie waren Wegbereiter und Wegbegleiter.

Auch in Zeiten der Veränderung: Mit dem TuS Sudweyhe bildeten die Lahauser eine Spielgemeinschaft, im Jahr 2016 folgte die Gründung des JFV Weyhe-Stuhr. Leistungsorientierten Fußball will der JFV bieten – das verkörpern der 54-jährige Dismer und der 52-jährige Bade. Beide waren bereit, viel zu investieren. „Wir haben in den 13 Jahren maximal fünfmal das Training ausfallen lassen“, betont Dismer. Bade ergänzt: „Und wir hatten eine Beteiligung von 80, 90 Prozent mindestens.“ Selbst im Winter: „Einmal war dichtes Schneetreiben und jede Menge Schnee auf dem Platz. Da haben wir die Tore hingelegt und sie hin- und hergeschoben, damit der Platz gerade war. Alle haben mitgemacht. Sonst war kein Mensch auf der Anlage. Wir haben noch eine Schneeballschlacht gemacht. So etwas vergisst man nicht“, erzählt Bade.

Ein Buch voller Erinnerungen aus 13 Jahren haben Edwin Bade (l.) und Rainer Dismer zusammengestellt.

Ein Buch voller Erinnerungen aus 13 Jahren haben Edwin Bade (l.) und Rainer Dismer zusammengestellt.

Foto: Thorin Mentrup

Anekdoten haben die 13 Jahre etliche geliefert, von der ersten Weihnachtsfeier in alten Trikots des SV Werder Bremen über Besuche bei Eishockeyspielen mit bitterkalten Füßen in der alten Fischtown-Halle, den Gothia-Cup in Schweden oder das Turnier im tschechischen Skalná, zu dem die Lahauser mitten in der Schulzeit für ein komplettes Wochenende aufbrachen. Und natürlich die Abschlussfahrten. „Mit Übernachtung. Immer“, sagt Dismer. Dass diese Fahrten zuletzt auch nach Lloret de Mar führten, ist ein weiterer Beleg dafür, dass die einstigen Steppkes erwachsen geworden sind. „Wir haben da schon ein Rundum-Sorglos-Paket geboten“, findet Bade. „Es hat uns aber auch immer Spaß gemacht, das zu organisieren.“

Auch sportlich lief es meist rund. „Zunächst waren wir abgeschlagen“, blickt Dismer zurück. Doch allzu lang blieb das nicht so. Der TSV holte auf, zog vorbei. Mehr als drei Jahre blieb er ungeschlagen, besiegte auf Turnieren den VfB Oldenburg und den SV Meppen, startete phasenweise sogar eine Altersstufe höher. Den JFV Weyhe-Stuhr führte es von der Bezirks- bis in die Verbandsliga. Abgestiegen sind Dismer und Bade nie. Sie hatten deutlich mehr Gründe zu feiern als zu trauern.

Das führen sie auch darauf zurück, dass sie sich anzupassen verstanden. Die Ansprüche an Trainer verändern sich. „Jeder hat eine Vorstellung davon, wie Kindertraining funktioniert, aber die ist oft völlig falsch: Das ist kein Adaptieren von dem, was man im Fußball gesehen hat. In der G-Jugend ist man ein reiner Entertainer. Man muss spannende Geschichten erzählen, damit die Kinder Lust haben, sich zu beteiligen, zu rennen und zu spielen. Man kann nicht Übungen, die man aus der Alten Herren kennt, auf die Kinder adaptieren“, verdeutlicht Dismer. Taktik und Spielphilosophie spielen laut Bade vor allem dann eine Rolle, wenn es aufs große Feld geht.

Zwischen den Trainern stimmte die Chemie. „Wir ergänzen uns sehr gut. Ich glaube, es hat so gut funktioniert, weil wir beide eine kleine Macke haben“, sagt Bade und lacht. „Vor allem aber haben wir uns geschätzt und respektiert. Das ist das A und O.“ Dabei sind beide durchaus unterschiedliche Typen. „Aber wir haben unseren Weg gefunden“, ergab sich laut Dismer, dem impulsiveren Part, das Rollenverständnis von selbst. Er war meist der Häuptling, Bade der perfekte Partner, ein idealer Zuarbeiter, dessen Wort Gewicht hat. Für beide stand die Mannschaft im Mittelpunkt: „Es ging immer darum, was das Beste für das Team ist“, sagt Bade.

Der gemeinsame Weg ist nun vorbei. Den Abschied feierten Trainer und Spieler in Dismers Garten. Der Coach hatte extra abgekreidet, wo die Spieler für ein Foto mit Abstand stehen können. „Ein einfaches Ciao hätte nicht gepasst“, findet er. Die Erinnerungen sind in einem Buch gesammelt. Der Titel: „13 Jahre – Ein Team – Zwei Trainer – Jahrgang 2001 Lahausen“. Die Zeit wollen die Coaches nicht missen. „Für mich war es eine ganz tolle Erfahrung“, sagt Bade. Das sieht Dismer genauso: „Eine wichtige Erkenntnis ist für mich, dass man als Trainer unfassbar viel gestalten und junge Menschen positiv entwickeln kann, wenn man das mit viel Klarheit, Engagement und Freude macht. Man muss bereit sein, Veränderungen hinzunehmen. Und man muss diesen Sport lieben.“ Das tun beide.

Deshalb bleiben sie dem Fußball auch treu: Bade wird weiter für den JFV Weyhe-Stuhr und den Jugendfußball-Förderverein Kicker-Aktiv Weyhe tätig sein. Die Spiele seiner Jungs im Herrenbereich werde er mit dem E-Bike besuchen. Dismer will derweil den 2002er-Jahrgang beim Übergang in den Herrenbereich begleiten. Außerdem hat er die Kicker des Jahrgangs 2008 mit seinem Sohn Kjell unter seinen Fittichen. Diese Talente übernahm er wie die 2001er im Kindergartenalter. Langeweile werden also weder Dismer noch Bade haben. Wenn sie in einer ruhigen Minute aber an ihre 2001er denken, werden sie zum selben Schluss kommen: „Das war einfach eine geile Zeit.“

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