Interview mir Rapper Fatoni Rap und das „Antisemitismus-Problem“

Der Musiker Fatoni tritt am Sonnabend, 9. November, bei der Nacht der Jugend in Leeste auf. Im Vorfeld sprach er mit dem WESER-KURIER über Antisemitismus im deutschen Rap und politische Texte.
Lesedauer: 2 Min
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Von Maike Plaggenborg
Fatoni, Ihr Konzert ist am 9. November – Gedenktag zur Reichspogromnacht. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Fatoni: Ein dunkles Kapitel unserer Geschichte, wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass sich so etwas wiederholt.

Hat der deutsche Rap ein Antisemitismus-Problem?

Die deutsche Gesellschaft hat ein Antisemitismus-Problem! Deutscher Rap ist Teil dieser Gesellschaft. Insofern kann er gar nicht kein Antisemitismus-Problem haben. Allerdings würde ich schon sagen, dass der Antisemitismus im deutschen Rap präsenter ist als in anderen Teilen der deutschen Gesellschaft. Ich persönlich spüre das aber kaum, da es in meinem Subgenre kaum bis keinen Antisemitismus gibt.

Warum ist Ihre Musik politisch – unter anderem?

Ich nehme als Privatperson am politischen Diskurs teil und bin politisch interessiert. Ich schreibe Lieder aus meiner Perspektive, deshalb ist das die logische Konsequenz, dass auch politische Inhalte in diesen Liedern vorkommen. Ich messe aber politischen Songtexten keine allzu große gesellschaftliche Bedeutung zu, mir passiert das einfach.

Die aktuelle Tour hat den Titel „Andorra“. Was hat Ihre Kunst mit dem Fürstentum in den Pyrenäen zu tun?

Eher wenig, wobei sie ist manchmal eckig und kantig, lol! Mein Albumtitel bezieht sich auf den Andorra-Effekt, der wiederum nach dem Stück von Max Frisch benannt wurde.

Bisher haben Sie mit Szenegrößen wie Antilopen-Gang, Mine oder Kryptic Joe (Deichkind) zusammengearbeitet, nun aber mit dem Indie-Musiker Dirk von Lowtzow (Tocotronic). Wie gewinnbringend sind die unterschiedlichen Kooperationen für Sie und wie passen die Stile zusammen?

Ich denke nicht in solchen wirtschaftlichen Maßstäben, wenn ich mit jemandem einen Song mache. Wäre wohl auch eine Milchmädchenrechnung, die meisten meiner Fans kennen Dirk von Lowtzow eher nicht, die meisten Tocotronic-Fans werden sich wohl auch nach so einem Feature nicht für mich interessieren. Ich finde aber, der gemeinsame Song zeigt ganz gut, dass das ganz gut passt.

Mit wem würden Sie gerne einmal Musik machen?

Tom Waits.

Sie arbeiten ja zusätzlich als Schauspieler. Gibt es eine Tendenz, dass es langfristig auf ein entweder/oder hinausläuft?

Nein, ich möchte diese Entscheidung nach wie vor nicht treffen. Meine Vorbilder sind größtenteils aus den USA und machen oft beides oder auch noch mehr Tätigkeiten in der Entertainment-Branche, dort ist sowas Normalität. In Deutschland wird einem oft nahegelegt man solle nur eine Sache machen. Ich halte das für Blödsinn. Momentan mache ich aber deutlich mehr Musik und das fühlt sich auch ganz gut an.

Die Fragen stellte Maike Plaggenborg.

Info

Zur Person

Fatoni (34)

alias Anton Schneider, so sein bürgerlicher Name, ist deutscher Rapper und ausgebildeter Schauspieler. Geboren und aufgewachsen ist er in München. Zurzeit ist er mit dem Album „Andorra“ auf Tour. Der Titel spielt auf das sozialpsychologische Phänomen (nach dem Buch von Max Frisch) an, das menschliches Verhalten beschreibt, das sich an Urteile und Erwartungen der Umwelt anpasst. Es gilt als ein Album, in dem der – auch politische – Musiker viel von sich erzählt.

Info

Zur Sache

Nacht der Jugend

Das Konzert von Fatoni ist Teil der Nacht der Jugend in Leeste zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938. Die Veranstaltung beginnt am Sonnabend, 9. November, ab 16 Uhr mit Workshops (nur mit Anmeldung). Ab 17.30 Uhr ist Einlass zum kostenlosen Hauptprogramm, zu dem Vorträge, ein Poetry-Slam und Theater gehören. Im Vorprogramm von Fatoni wird auch der Rapper La Partyzipation in der Aula der Hundertwasserschule, Ladestraße 5, auftreten.

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