Cypres Demo Team Rekord über den Wolken

Der Leester Stefan Scheper ist Teil des Cypres Demo Teams, das besondere Fallschirmsprünge absolviert. Eine Aktion war aber selbst für die sechs Männer etwas Besonderes: Sie stellten einen Weltrekord auf.
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Von Stephen Kraut

Weyhe-Leeste. Stefan Scheper absolviert gerne Fallschirmsprünge. Dieses Hobby teilt der 41-jährige Leester zwar mit vielen anderen Menschen auf der ganzen Welt, doch Scheper ist auch Teil des Cypres Demo Teams. Und die Sprünge, die die sechs Mitglieder im Zuge dessen absolvieren, sind ganz und gar nicht mehr gewöhnlich – und brachten sie im vergangenen Jahr sogar ins Guinness Buch der Rekorde. Das war nicht nur eine besondere Erfahrung für die Gruppe, sondern bringt auch weitere Erlebnisse mit sich.

Das Cypres Demo Team absolvierte immer schon besondere Sprünge. „Wir bringen den Chef zu Firmenfeiern, Champagner-Flaschen nach unten oder unterstützen bei Heiratsanträgen“, nennt Scheper einige Beispiele. Dann aber entstand plötzlich die Idee zum Weltrekord – und zwar in Russland, genauer: bei der dortigen Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen für Militärangehörige, an der jedes Mal mehr als 40 Nationen teilnehmen. „Dort gab es zur Eröffnung bunte Streifen von Kampfjets. Im darauffolgenden Jahr sollte die WM in Deutschland stattfinden, und dafür wollten wir auch etwas Besonderes machen“, berichtet Scheper. Bei einer Weltmeisterschaft rund ums Fallschirmspringen sei es nun aber schwierig, genau damit zu begeistern. Also beschlossen die sechs Männer, die vor allem aus dem norddeutschen Raum stammen, einen bestehenden Weltrekord zu brechen: Sie wollten den Sprung mit der größten Fahne absolvieren. „Der Rekord lag offiziell bei rund 1600 Quadratmetern, es gab noch einen inoffiziellen mit etwa 1800 Quadratmetern“, berichtet Scheper von den dafür notwendigen Dimensionen. Und ergänzt: „Wir wussten damals überhaupt nicht, worauf wir uns eingelassen haben.“

Zunächst drängte sich dabei die Frage nach dem Gewicht der Fahne auf. Zu ihrem Glück stieß das Team auf einen neuartigen und besonders leichten Stoff aus England, „der war da noch gar nicht offiziell auf dem Markt“, so Scheper. Aufgrund des sehr geringen Gewichts entschloss sich das Team, entsprechend größer zu denken: Nicht nur die 2000-Quadratmeter-Marke sollte fallen. Und so wurde die Fahne schließlich 2607 Quadratmeter groß. Dann wurde der weiße Stoff aus England angeliefert – der laut Guinness-Buch eine reale Flagge oder ein existierendes Logo zeigen muss. „Deshalb haben wir sie in Deutschland-Farben eingefärbt“, erzählt der Fallschirmspringer. In 27 Bahnen kam der Stoff bei dem Team an, bei einem Kieler Flaggenhersteller wurde das Ganze zusammengenäht. Aber damit war es noch lange nicht getan: „Bei der ersten Packung waren wir mit 15 Leuten acht Stunden beschäftigt“, erinnert er sich. Schließlich musste die Fahne auch transportabel sein. „Das System haben wir dann weiter perfektioniert“, sagt er.

Es folgten immer wieder Tests mit dem großen Objekt, schließlich mussten die Springer auch Sicherheitsaspekte beachten. „Bei Wind kann es leicht passieren, dass der Fallschirmspringer rückwärts fällt“, nennt Scheper ein Problem mit einer derart großen Fahne. Im Laufe der Vorbereitung habe das Team festgestellt, dass es kein System gibt, das den besonderen Anforderungen dieses Sprungs gerecht wird. „Deshalb haben wir uns einen Prototypen bauen lassen“, erzählt er. Alles parallel zur Fertigstellung des Gepäcks. „Wir hatten nach hinten heraus auch nicht unendlich viel Zeit“, gibt der Leester zu bedenken. Zwar gab es keine zeitliche Vorgabe, wann der Weltrekord geknackt werden muss, das Ziel, das bei der WM im Kreis Soest zu tun, wollten die sechs Springer aber einhalten. Hilfreich bei der Arbeit sei auch gewesen, dass ein Teammitglied gelernter Fallschirmtechniker ist.

Und dann war es so weit: „Die Luft im Flugzeug konnte man schneiden“, erinnert Scheper sich an den Tag der WM-Eröffnung. Die Fahne, ein Paket von etwa 1,20 Meter Höhe und einem Gewicht von 152 Kilogramm, stand bereit, das Wetter hatte erst ganz kurz vorher aufgeklart. Und der Sprung klappte. Schepers Aufgabe dabei war es, den Landepunkt zu ermitteln. Generell sei das ein wichtiger Punkt bei den Sprüngen des Cypres Demo Teams. „Auf einer großen Fläche zu landen, ist kein Problem. Aber wir reden hier von einem Punkt von vielleicht 20 mal 20 Zentimetern“, erklärt der Geländegutachter. Viele der Kunstsprünge müssten äußerst präzise sein.

Leben können die sechs Männer von den Sprüngen nicht, besondere Aufträge gibt es trotzdem immer wieder, vor allem nach dem geglückten Weltrekord. „Wir haben eine große Anfrage für eine Airshow 2020 in Chile erhalten“, berichtet Scheper. Weitere internationale Anfragen, unter anderem aus Katar, gab es ebenfalls.

Das Cypres Demo Team gibt es laut Scheper seit rund sieben Jahren, er selbst ist seit 2015 mit dabei. „Wir haben uns immer wieder auf Veranstaltungen gesehen, man kannte sich“, berichtet er. Und schließlich habe man festgestellt, dass man auch die gleichen Interessen verfolgt. Um die umzusetzen, stehen für den ehemaligen Fallschirmjäger der Bundeswehr und seine Mitstreiter stets viel Training an, wie Scheper betont. „Die Abläufe müssen sitzen“, stellt er klar. Trotzdem mache es noch immer eine Menge Spaß, „und das Adrenalin ist auch noch jedes Mal da“, ergänzt er. Das sei auch ohne die ganz großen Projekte der Fall – von denen es aber auch in Zukunft noch weitere geben soll. Welche, das will Scheper noch nicht verraten. Nur so viel: „Es gibt ein paar Ideen.“

Weitere Informationen zum Cypres Demo Team gibt es unter www.cypres.aero/tag/cypres-demo-team/.

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