Run For Rescue in Kirchweyhe

Laufen für die zivile Seenotrettung

Mit einer Spendenaktion der besonderen Art wirbt ein breites Bündnis derzeit bundesweit um Unterstützung für die zivile Seenotrettung. Beim Run For Rescue in Kirchweyhe beteiligten sich mehrere Laufgruppen.
19.09.2021, 19:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek / xng

Weyhe. Der Massenstart blieb pandemiebedingt aus, dennoch haben sich am Sonntag pünktlich um 11 Uhr zahlreiche Läufer auf dem Kirchweyher Marktplatz eingefunden, um den Run For Rescue zu eröffnen. Rund 30 Teilnehmer zählten die Organisatoren, die den Spendenlauf für die zivilen Seenotrettungsorganisationen im Mittelmeer unterstützen wollten. 1834 Euro kamen durch die Veranstaltung zusammen. "Es gab einen großen Pool an Förderern", stellte Mitorganisatorin Jana Klatte verblüfft fest.

Rund drei Stunden später hatte dann auch Daniel Neuber seinen Lauf beendet. Zwei Mal die große Runde, insgesamt 17 Kilometer zählte der Weyher. „Das merke ich jetzt auch“, sagte er und lächelte. Neuber ist Mitorganisator des Weyher Ortsschildlaufs und hat auch in der Gruppe für die Veranstaltung geworben. „Es ist so unfassbar, solche Bilder zu sehen von Menschen, die den Weg über das Mittelmeer auf sich nehmen“, führte er aus. Dabei sei ihnen bewusst, dass sie nur mit Glück die gefährliche Überfahrt in seeuntauglichen Schlauchbooten überleben würden.

Mehr als 1300 Vermisste zählt die Internationale Organisation für Migration (IOM) in ihrem „Missing Migrants“-Projekt allein auf der zentralen Mittelmeerroute. Damit ist sie für Menschen auf der Flucht die weltweit tödlichste Passage. „Was für Angst man haben muss, um diesen Weg zu gehen, ist krass“, merkte Neuber an. Bilder von Kinderleichen, die an die Strände gespült wurden, hätten auch ihn sehr mitgenommen.

Mit seinem Lauf wollte der Weyher dann einen Beitrag leisten, um die zivilen Seenotrettungsorganisationen zu unterstützen; staatliche Missionen sind bereits vor mehreren Jahren ausgelaufen und nicht verlängert oder erneuert worden. „Es ist super, dass es Leute gibt, die sich dafür einsetzen. Das ist nicht selbstverständlich“, zeigte Neuber großen Respekt für die Initiativen. Sein Part beim Run For Rescue sei dabei denkbar einfach: laufen und Geld sammeln. „Das bewirkt hoffentlich viel“, merkte er an. Daran könnten sich auch viele Bürger unkompliziert beteiligen, um gemeinsam mit kleinen Schritten etwas zu bewegen. Sonst mehr allein auf den Weyher Straßen unterwegs, war er nun locker mit einer achtköpfigen Gruppe losgezogen und genoss die gesellige Atmosphäre.

Neuber selbst warb im Vorfeld um Sponsoren, die für jeden gelaufenen Kilometer Geld spenden. Am Ende kamen so 680 Euro für die Spendendose zusammen. Das Konzept kannte er bereits aus seiner Schulzeit mit dem Run For Help. In Weyhe hat die Bremer Lokalgruppe der Organisation Sea-Eye den Lauf organisiert und war auf dem Marktplatz mit einem Infostand präsent. „Es haben auch Laufgruppen und das Team von Aufmucken mitgemacht“, freute sich Klatte über die breite Unterstützung; ein Teilnehmer nutzte den Lauf auch, um sich auf den Bremen-Marathon vorzubereiten.

Vereinzelt seien auch Hobbyläufer durch die Wegweiser entlang der Strecke auf die Aktion aufmerksam geworden. Andere hätten ihre Runde bereits anderweitig beendet gehabt und dann beim Infostand vorbeigeschaut und sich über die Arbeit der Seenotretter informiert. „Es ist genauso wichtig, dass die Aufmerksamkeit für das Thema erhalten bleibt“, betonte Klatte. Zumal auch über die Online-Plattform Betterplace nachträglich gespendet werden kann.

Der Run For Rescue für die zivilen Seenotrettungs-Organisationen wird in diesem Jahr zum ersten Mal bundesweit organisiert. „Letztes Jahr hat es ihn schon in Münster gegeben“, sagte Helferin Nele Jakusch. Insgesamt 40 Vereine und Initiativen beteiligen sich an den bundesweit 22 Veranstaltungen von Freiburg bis Flensburg.

Bei den ersten acht Spendenlaufen kamen so schon 11.700 Euro für Sea-Eye, Mission Lifeline, SOS Mediterranee, Resqship und Mare Liberum zusammen. Am kommenden Sonnabend wird zwischen 9 und 16 Uhr noch einmal für den guten Zweck um den Werdersee in Bremen gelaufen. "Es ist schön, dass Weyhe so ein Statement gesetzt hat. Jetzt muss Bremen einen draufsetzen", merkte Klatte an. Weitere Informationen und Termine sind online unter www.runforrescue.org/ abrufbar.

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