„Dididoktor“ dreht Musikvideo Blumen im Netz statt beim Fest

Das beliebte Rosenfest im Garten von „Dididoktor“ Diedrich Heumann fällt in diesem Jahr aus. Deshalb hat der musizierende Jeebeler in seinem Rosengarten ein Musikvideo gedreht.
28.06.2020, 17:21
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Blumen im Netz statt beim Fest
Von Jürgen Juschkat

Weyhe-Jeebel. Wo die bunten Kletterrosen sich in den Bäumen und Büschen den Weg Richtung Himmel bahnen und das aufgeblasene Eichhorn der Enkel auf dem Teich hin- und herschaukelt, da findet Diedrich Heumann in Jeebel Ruhe und Entspannung. Der pensionierte Internist, der einst in Bremen-Arsten seine Praxis hatte und deshalb „Dididoktor“ genannt wird, ist Herr über mehr als 500 Rosen.

Diedrich Heumann lebt schon seit 1986 in Jeebel – zusammen mit seiner Frau Susanne. Zwei Hektar groß ist die Fläche rund um den Resthof an der Lahauser Straße, der von der Hauptstraße nicht eingesehen werden kann. „Wichtig war damals, dass ich nur zehn Kilometer entfernt von meiner Praxis wohne“, erzählt der Mann, der an diesem Tag ein kunterbuntes Hemd trägt und sich bei der Frage nach seinem Alter als „80 plus 1“ outet.

Aus der Landwirtschaft – im bremischen Niederbüren, welches einst den Klöckner-Werken weichen musste – stammt Diedrich Heumann. Zwangsläufig erlernte er den Beruf des Bauern, doch weil der Landwirtschaft damals keine Zukunft vorausgesagt wurde, holte er das Abitur nach. Er kam als Bundeswehr-Sanitärer erstmals mit der Medizin in Verbindung und schlug schließlich den Weg in Richtung Mediziner ein. Doch das nur nebenbei.

Irgendwie kam Diedrich Heumann zurück zu den Wurzeln – zumindest, was den ländlichen Charakter betrifft. Mit dem Jeebeler Resthof erfüllte er sich einen Traum. Hatten zu Hause in Niederbüren schon die Rosen mit den attraktiven Namen „Tausendschön“ und „Flammentanz“ links und rechts die Einfahrt geschmückt, so entschied sich der Arzt dafür, auch in Jeebel neben Eiche, Scheinzypresse, Schneeball, Ginkgo und Obstgarten (Heumann: „Gut für die Insekten.“) Rosen anzubauen. Rund um das große Areal sind auch vier Mammut- und drei Urwaldbäume zu finden. Die ersten fünf Rosen wurden an der Terrasse gepflanzt, weitere kaufte Heumann, der Mitglied im Rosenverein ist („Rosen mit Prädikat brauchen weniger Pflege“), bei speziellen Züchtern. Heumann weiß, dass es ganz ohne Chemie nicht geht. So musste er feststellen, dass zum Beispiel die „Tausendschön“ – wie einige andere auch – sehr anfällig für Mehltau ist.

Heumann besitzt 250 Kletterrosen, ebenso viele Busch- und Edelrosen. Bunt gemischt versprühen einige einen verführerischen Duft. Die einen leuchten mit kräftigen Farben, andere stechen dem Besucher in Weiß und Gelb ins Auge, mit großen oder kleinen Blüten und Blättern. Viele Sämlinge findet der gebürtige Bremer in seinem Garten und lässt diese natürlich nicht ungenutzt verkümmern. In Reih‘ und Glied finden sie ihren Platz – fein katalogisiert und mit Nummern versehen.

Die Namen der blühenden Pflanzen sind vielfältig: „Fassadenzauber“ ist zum Beispiel eine lachsfarbene Kletterrose, „American Pillo“ eine rote Rose mit weißer Mitte. Knallrot präsentiert sich „Shalom“. „Bajazzo“, „Carmelot“, „Salita“, „New York“, „Raubritter“, „Kir Royal“ – den Züchtern fehlt es bei den Namen nicht an Fantasie. Ein Pfahl steht jeweils bei der Rose – beschriftet mit dem Namen des bunten Exemplars. Mittendrin haben Obstbäume, aber auch Büsche und Bäume ihren Platz. „Das Obst bringe ich zum Mosten zur Finkenburg in Thedinghausen-Eißel“, berichtet der Hofbesitzer aus der Gemeinde Weyhe. Der kräftige Gewitterregen der vergangenen Tage setzte den Rosen etwas zu. „Da laufen die Blüten voll und lassen die Köpfe hängen. Aber Wasser ist wichtig“, sagt Heumann.

Eigentlich hätte der Gartenbesitzer – wie seit 2006 – am 14. Juni sein beliebtes Rosenfest veranstaltet, doch die Corona-Krise mit ihren Auflagen hielt ihn davon ab. Klein waren die Heumanns Ende der 1980er-Jahre mit ihrem Gartenfest angefangen. In den folgenden Jahren kamen Musik und Theater dazu, und es wurde auch gegrillt. Den Anstoß gab einst der Weyher Kulturverein. „Willst du den Garten nicht mal zeigen?“ Auf die Antwort musste nicht lange gewartet werden, denn Diedrich Heumann ist schon ein wenig stolz auf seinen Rosengarten.

Doch der ehemalige Arzt aus Jeebel hat noch ein weiteres Hobby: nämlich die Musik. Er schreibt meist plattdeutsche Texte und die Melodien dazu. Früher begleitete er sich selbst mit dem Akkordeon, mittlerweile aber auf dem Keyboard. „De Werser“ und „Mien Vadder“ sind Vermächtnisse ans Elternhaus. 192 Lieder sollen es ungefähr sein, die Heumann geschrieben hat, sieben CDs wurden im Studio aufgenommen. Auch die Barrier Wassermühle kommt – im Mühlenlied – im Repertoire vor. „Ik schenk di rode Rosen“ verspricht der Musiker fast zwangsläufig.

Zu hören und zu sehen sind die Werke auch auf der Plattform Youtube im Internet, denn Werner Bartsch, ein Freund seit den 1950er-Jahren, hat Videos vom singenden Jeebeler gedreht und ins Netz gestellt. So auch das „Rosenlied“ als kleines Trostpflaster für das ausgefallene Gartenfest. „Man muss das als Kameramann auch hören, denn synchron ist nicht so einfach. Da muss man doch hinschwenken, wenn das Lied zu Ende geht“, berichtet der ebenfalls über 80 Jahre alte frühere Geschäftsmann. Wenig später geht er durchs weitläufige Areal, um mit dem Handy Rosen als Bild oder Video festzuhalten.

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