TSV Blau-Weiß Melchiorshausen

Weyher Verein baut sein Reha-Sportprogramm aus

Nach dem Hallenbau vor Kurzem hat der TSV Blau-Weiß Melchiorshausen nun auch sein Reha-Angebot ausgebaut. Dieses verantworten der hauptberufliche Trainer Mike Lehmkuhl und die Auszubildende Ninja Sündermann.
28.09.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Weyher Verein baut sein Reha-Sportprogramm aus
Von Alexandra Penth

Weyhe-Melchiorshausen. Die Teilnehmer treten auf der Stelle, die rasselnden Brasils gehen mal nach vorne, dann zur Seite. Ninja Sündermann und Mike Lehmkuhl machen die Übungen in dem großen Spiegelraum vor. Sie verantworten den Rehabilitationssport beim TSV Blau-Weiß-Melchiorshausen. Die 19-Jährige absolviert dabei seit September ihr letztes Ausbildungsjahr als angehende Sport- und Fitnesskauffrau bei dem Verein. Ihr Bruder Mike Lehmkuhl ist im vergangenen Dezember von der Reha Weyhe zum TSV gewechselt. Zwischen Mitte September und Anfang Oktober sollen die Kursangebote nun noch einmal aufgestockt werden. Das Themenfeld ist vielseitig und reicht von klassischer Orthopädie über Lungensport, Angeboten für Demenzkranke und ihre Angehörigen bis hin zu Menschen mit psychischen Erkrankungen. Bisher waren es 24 Kurse im Bereich Reha, die Zahl soll auf 30 anwachsen. 

"Die Nachfrage ist in allen Bereichen groß und wächst weiter. Da passt es gut, dass wir uns vergrößert haben", sagt Birgit Sündermann, Vorsitzende des TSV. Sie meint damit die Ende 2020 fertiggestellte Halle am Bollmannsdamm 4. Im März des vergangenen Jahres waren die Bauarbeiten gestartet, im Dezember erfolgte die Übergabe (wir berichteten). Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Verein auf dem Boden des großen Übungsraumes seither Abstandsfelder markiert. 

Für das Reha-Angebot für Demenzkranke und ihre Angehörigen arbeitet der TSV mit dem Senioren- und Pflegestützpunkt Pro Dem zusammen. "Man sagte uns, dass man lange auf der Suche nach solch einem Sportangebot gewesen war", sagt Mike Lehmkuhl. Oft sind in der Gruppe auch die Partner der Erkrankten anwesend, die sich gleich Übungen für den Alltag abgucken können. Zudem würde es den Angehörigen guttun, sich bei den Sportübungen auch einmal Zeit für sich zu nehmen. "Für sie ist es ja zumeist ein 24-Stunden-Job", sagt Birgit Sündermann. Die bisher kleine Gruppe sei aber auch ein Ort des Austausches untereinander. Die Reha-Angebote werden von den Kassen und Versicherungen übernommen, eine Mitgliedschaft beim TSV ist nicht vonnöten. Mit jedem Patienten führt der 32-jährige Lehmkuhl zu Beginn ein persönliches Kennenlerngespräch, um einschätzen zu können, in welche Gruppe derjenige passt und wo die einzelnen Probleme liegen. 

Die Ausweitung des Reha-Angebotes hatte der TSV so ursprünglich nicht geplant, sagt Birgit Sündermann. Eigentlich sollte Mike Lehmkuhl bloß nebenbei Kurse in Melchiorshausen anbieten, da er aber in Kurzarbeit musste und nach Bremen versetzt worden war, wechselte er einfach hauptberuflich zu dem Verein, in dem er seit seinem vierten Lebensjahr Sport macht. Nun widmet sich der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann mit vielen Zusatzqualifikationen dem, was ihm am meisten Freude bereitet: Menschen zu helfen, wieder ein Stück mobiler und selbstbestimmter zu werden. Umso froher ist Lehmkuhl auch, dass seine Schwester Ninja Sündermann ihn seit dem 1. September unterstützt, einen Teil der Kurse übernimmt und sich mit ihm im Vereinsbüro abwechselt. Der TSV will bei seinem Angebot aber bewusst keine Konkurrenz für andere Vereine sein. So werde beim Herzsport etwa auf den TuS Sudweyhe verwiesen.

Viel Rückmeldung und Dankbarkeit nimmt Mike Lehmkuhl in seinem Beruf wahr. Eine seiner Gruppen unterscheidet sich dabei besonders von den anderen. Es ist die für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Um den Teilnehmern ein gutes Gefühl zu geben und keine Stigmatisierung zuzulassen, hat er sie "Rehasport für die Seele" getauft. Es ist auch die einzige Gruppe, bei der der große Spiegel in der Halle abgedeckt wird. Neben den Bewegungen geht es auch um Gespräche und Spiele, bei denen die Teilnehmer gemeinsam agieren müssen. "Es steht nicht die Krankheit im Vordergrund, sondern vor allem der Spaß", sagt Lehmkuhl. In der Gruppe habe sich eine tolle Dynamik entwickelt, die Teilnehmer würden sich gegenseitig motivieren und einander aufbauen, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. "Der spielerische Teil ist wettkampflos. Die Gruppe löst dabei gemeinsam Aufgaben." 

In der neuen Halle des TSV fehlen nur noch Kleinigkeiten. So soll ein Streifen der Wand im Flur mit Magnetfarbe gestrichen werden, auf die dann die Zertifikate der beiden Trainer geheftet werden sollen. Denn Ninja Sündermann und Mike Lehmkuhl bilden sich nebenbei stetig fort. So lassen sie sich derzeit zu Personal Trainern ausbilden, nächstes Jahr wollen sie intensiver in den Bereich Ernährungsberatung einsteigen.

Zwischen Halle und Vereinsheim ist zudem in Zukunft noch eine Überdachung geplant, die windgeschützt sein soll, damit die Kursteilnehmer bei schlechtem Wetter nicht draußen warten müssen. Es ist also weiterhin einiges in Bewegung beim TSV. Der Rehasport läuft indes nun an jedem Wochentag. "Da wird sich sicher für jeden etwas finden", sagt Lehmkuhl. 

Die Geschäftsstelle des TSV Blau-Weiß Melchiorshausen ist montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 19 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr besetzt. Zu erreichen ist sie unter den Rufnummern 0421/89765996 und 0159/01890387 sowie per E-Mail an tsv@tsv-melchiorshausen.de.

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