Fußball TSV Weyhe-Lahausen: Erst lernen, dann genießen

Der Ligaverbleib ist nicht mehr realistisch für den TSV Weyhe-Lahausen in der Niedersachsenliga der B-Juniorinnen. Spaß haben will das Team in der Restrunde, die Ende Februar beginnt, trotzdem.
12.02.2020, 12:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Siebter in der Bezirksliga – und dann hoch in die Niedersachsenliga? Auf den ersten Blick musste dieses Abenteuer für die B-Juniorinnen des TSV Weyhe-Lahausen doch zu einem Himmelfahrtskommando werden. Mit Schwergewichten wie Hannover 96, dem Osnabrücker SC oder auch dem BV Cloppenburg und dazu vier Absteigern bei zehn Mannschaften doch erst recht. Und wer auf die Tabelle schaut, der dürfte sich bestätigt fühlen: Der Abstieg ist kaum noch zu vermeiden für die TSV-Fußballerinnen, die als Achter des Klassements bereits zehn Punkte Rückstand auf das rettende Ufer aufweisen. War die Niedersachsenliga also der falsche Schritt für die Lahauserinnen? Für Trainer Max Hurdalek ist das Gegenteil der Fall: „Wir würden es jederzeit wieder machen“, sagt er. Die Lust auf die Niedersachsenliga ist dem TSV noch lange nicht vergangen.

Es gibt laut Hurdalek keinen Grund, die vergangenen Monate zu bereuen. „So eine Chance bekommt man vielleicht nie wieder. Jetzt dürfen wir gegen Hannover 96, Osnabrück und Cloppenburg spielen. Das hätten wir nie gekonnt, wenn wir in der Bezirksliga geblieben wären. Dieses Jahr nimmt uns keiner mehr. Darauf dürfen die Mädchen ruhig stolz sein“, beschreibt der Coach die immense Bedeutung der Niedersachsenliga abseits der Ergebnisse. Die Spielklasse ist auch ein Erlebnis, das für einen Verein wie den TSV Weyhe-Lahausen keine Selbstverständlichkeit ist. Das darf man in der Rückschau auf die erste Phase der Saison nicht vergessen.

Auf der anderen Seite ist Fußball, ganz besonders auf dem Niveau, auf dem sich die Lahauserinnen nun bewegen, eben auch ein Sport, in dem sich die Beteiligten nicht freimachen können von den Resultaten. Und unter diesem Aspekt war es angesichts von zwei Siegen in zehn Spielen kein besonders gutes Halbjahr für die Talente des TSV. Andererseits hat der Verein auch einen untypischen Weg genommen. „Normalerweise sagt man: Ein Jahr lernen und dann ein Jahr genießen. Wir müssen das anders machen: in der Hinrunde lernen, in der Rückrunde genießen“, erklärt Hurdalek. Zwei Spielzeiten in einer also. Niedersachsenliga im Schnelldurchgang ist das Motto für die Kickerinnen aus dem Diepholzer Nordkreis.

Auf Augenhöhe mitspielen

Davon, dass in den verbleibenden acht Spielen der Genuss nicht zu kurz kommen wird, ist Hurdalek überzeugt. „Wir kennen jetzt unsere Gegner und die Spielweise“, hat sich der TSV seiner Meinung nach an das hohe Niveau gewöhnt. Besonders die Spitzenmannschaften Bemerode, Osnabrück, Hannover und Cloppenburg spielen sehr geordneten, aber auch intelligenten und intensiven Fußball. Das sind nicht die Teams, mit denen sich Lahausen vergleichen lassen muss. Die Hurdalek-Elf setzt auf Kickerinnen vor Ort, während etwa in Hannover oder auch Cloppenburg die Spielerinnen auch von weiter weg herangeholt werden. Die Voraussetzungen sind an den größeren Standorten letztlich andere. „Es hat trotzdem wirklich Spaß gemacht, das zu sehen und gegen diese Mannschaften zu spielen. Wir haben alle viel gelernt, das gilt auch für uns Trainer“, sagt Hurdalek. Das Ziel, am Ende einen Nichtabstiegsplatz zu erreichen, „wird nicht funktionieren“, ordnet der Coach die Chancen nüchtern ein. Etwas anderes haben sich die Lahauserinnen deshalb für die Restrunde auf die Fahne geschrieben: „Wir wollen auf Augenhöhe mitspielen.“ Am besten schon beim ersten Punktspiel beim TuS Büppel am 29. Februar.

Dass das möglich ist, hat der TSV durchaus unter Beweis gestellt. Chancenlos war er nur in den Vergleichen mit Osnabrück und Hannover. „In allen anderen Spielen waren wir nah dran“, findet Hurdalek. Das galt besonders für die beiden Niederlagen gegen Krusenbusch sowie bei den 0:1-Pleiten gegen Rodenberg und Bemerode. In allen Spielen war mehr möglich. „Besonders die Niederlage in Rodenberg tat weh. Da hätten wir gewinnen müssen, aber wir waren nicht clever genug“, meint Hurdalek und hofft auf einen Lerneffekt.

Die Kontrahenten in der Niedersachsenliga nutzen Fehler gnadenlos aus. Lahausen ließ diese Kaltschnäuzigkeit das eine oder andere Mal vermissen. Manchmal – wie beim 0:9 gegen Osnabrück – landete der TSV mit seiner Taktik auch auf dem Hosenboden. Das meint Hurdalek, wenn er davon spricht, dass auch das Trainerteam lernen musste. Mit Niederlagen wie diesen sei die Mannschaft aber gut umgegangen. „Natürlich sind die Mädels dann erst einmal sauer, aber beim nächsten Training sind sie dann schon wieder fokussiert. Sie haben Bock auf die Niedersachsenliga“, betont der Trainer. Wie ehrgeizig das Team mittlerweile ist, hat es beim 3:0 in Göttingen gezeigt. Denn wirklich zufrieden war es nach dem zweiten Saisonsieg nicht. „Wir waren in der zweiten Halbzeit einfach schlecht“, verdeutlicht Hurdalek die hohen Ansprüche der Spielerinnen an sich selbst.

Leistungsorientierter Fußball

Der harte Kern wolle dreimal pro Woche trainieren. Das ist leistungsorientierter Fußball – und womöglich der Schritt zu einer Restrunde, in der der TSV seinem offensiven Stil weiter treu bleiben, den Spielen stärker den eigenen Stempel aufdrücken und natürlich ein paar Siege einfahren will. Eine Symbiose aus Erlebnis und Ergebnis – das wäre auf jeden Fall etwas, womit sich die Niedersachsenliga noch mehr genießen ließe.

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