Gleichstellungsplan beschlossen

Teilzeitarbeit ist in Weyher Verwaltung Frauensache

In der Weyher Verwaltung ist es wie in der freien Wirtschaft: Der Frauenanteil bei Teilzeitbeschäftigten ist sehr hoch - ein Aspekt im neuen Gleichstellungsplan der Kommune.
15.07.2021, 17:04
Lesedauer: 3 Min
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Teilzeitarbeit ist in Weyher Verwaltung Frauensache
Von Maike Plaggenborg

Weyhe. Als "unstrittig" bezeichnet die Gemeinde Weyhe in ihrem neuen Gleichstellungsplan die Vorteile von Teilzeitarbeit bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In der Belegschaft der Verwaltung zeigt sich: Diese ist überproportional Frauensache. Dem Plan hat der Gemeinderat – wie diversen weiteren Tagesordnungspunkten – in seiner Sitzung ohne weitere Debatte zugestimmt. Nur bei der Abschaffung der Straßenausbaubeiträge positionierten sich die Fraktionen abermals.

365 von 604 Beschäftigten in der Weyher Verwaltung arbeiten in einem Teilzeitverhältnis, heißt es in dem Gleichstellungsplan. Der Anteil der Frauen liegt dabei bei 91,23 Prozent. Dabei verweist die Gemeinde allerdings auch auf die Nachteile von Teilzeitarbeit: Für den Arbeitgeber bedeutet sie einen größeren Aufwand bei der Personalbewirtschaftung. Problematisch sei auch der Ersatz der fehlenden Arbeitsstunden der teilweise (hoch-) qualifizierten Teilzeitkräfte. Grund sei der Fachkräftemangel. Langjährige Teilzeitarbeit bedeute zudem Einbußen bei Rentenansprüchen und damit drohende Altersarmut.

Unterrepräsentiert dagegen sind die Frauen auf den Führungsebenen, abgesehen vom Verwaltungsvorstand. Bei der Leitung von Fachbereichen liegt das Verhältnis Frau-Mann bei drei zu fünf, bei den stellvertretenden Leitungen vier zu drei. In den dargestellten Entgeltgruppen bei den Beschäftigten sind Frauen in den oberen Stufen (zehn bis dreizehn) unterrepräsentiert mit einem Anteil zwischen 33 und 44 Prozent, stark überrepräsentiert dagegen in den ersten beiden Stufen mit 87 bis 100 Prozent.

Der Fortschreibung des Gleichstellungsplans für die Jahre 2021 bis zum 31. Dezember 2023, der gemäß Niedersächsischem Gleichberechtigungsgesetz auf die gleiche Stellung von Frauen und Männern sowie die Förderung der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für Frauen und Männer zielt, stimmte der Gemeinderat einhellig zu.

Besetzung für Klimaschutzgruppe

So auch weiteren Tagesordnungspunkten, die bereits in vorangegangen Ausschusssitzungen beraten und mehrheitlich empfohlen wurden, darunter die Besetzung der Arbeitsgruppe Klimaschutz, für die nun nicht mehr nur die Positionen, sondern nun auch die Namen feststehen. Für die SPD-Fraktion entfallen die zwei vorgesehenen Sitze auf Martina Jenner und Siard Schulz sowie zwei weitere auf Kurt Meyer und Ingrid Söfty von der CDU-Fraktion. Für die Grünen ist die Fraktionsvorsitzende Annika Bruck Teil der Gruppe, dazu der fraktionslose Ratsherr Torsten Kobelt (Die Partei) sowie Bürgermeister Frank Seidel (SPD). Sitze für eine im Klimaschutz tätige wissenschaftliche Instanz sowie ein entsprechendes Büro sind noch nicht besetzt.

Finanzierung bei Straßenausbau

Zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge für Anlieger tat CDU-Fraktionschef Dietrich Struthoff sein Bedauern kund, dass eine Solidargemeinschaft – die der Eigentümer – aufgehoben werde. "Eigentum verpflichtet", sagte er. Das sei ein Grundsatz der CDU. Die Position, dass die Finanzierung über eine Erhöhung von Grund- oder auch Gewerbesteuer bewerkstelligt werden solle, lehnte er erneut im Namen der Fraktion vehement ab. Denn so würden diejenigen, die bereits bezahlt hätten, erneut herangezogen. Das Geld solle durch "Umschichtungen im Investitionshaushalt" erreicht werden.

Zu den Straßen gehörten auch Rad- und Gehwege sowie zu 50 Prozent auch Grünstreifen, für die die Gemeinde in den vergangenen sechs Jahren 265.000 Euro pro Jahr ausgegeben habe, merkte SPD-Ratsherr Berthold Groeneveld an. "Das ist deutlich zu wenig für eine Gemeinde wie Weyhe. Im Schnitt seien jährlich 114.000 Euro von Anliegern eingezogen worden. Das sei für den einzelnen viel Geld, in Summe aber "Peanuts", wie er sagte. "Wir sind bereit, die Grundsteuer zu erhöhen."

Die Grundsteuer für den Straßenausbau nicht erhöhen zu wollen, bezeichnete die Grünen-Fraktionsvorsitzende Annika Bruck als "unlauter" angesichts der vielen noch anstehenden Investitionen – beispielsweise der Erweiterung der Straßenbahnlinie 8 oder auch der Zentralen Sportanlage, für die ein Förderbescheid negativ ausfiel. Sie wolle nicht an der Qualität von Kitas oder Gebäuden sparen. Daher müsse das Geld aus der Steuererhöhung kommen.

Größtenteils einhellige Zustimmung

Die Zustimmung für die Abschaffung der Ausbaubeiträge fiel einstimmig aus, ebenso die für die Annahme von Zuwendungen für Bereich Bildung und Freizeit in Höhe von 3000 Euro, die Umbesetzung im Ausschuss für Schule, Kindertagesstätten und Jugend, den nun Antje Laurinat von der Felicianus-Kirchengemeinde ergänzt und für den Jahresabschluss 2017. Teil der Abstimmungen waren auch die zuvor berichteten erhöhten Nutzungsentgelte für die Gemeindebibliothek (zwei Gegenstimmen), geänderte Beiträge für Kindertagesstätten, neue Satzungen für die Weyher Feuerwehr und deren Aufwandsentschädigungen. Zugestimmt hatte der Rat auch dem im Vorhinein beratenen Rahmenplan für das Sanierungsgebiet Ortskern Leeste, der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes, eine Veränderungssperre für den Bebauungsplan Appelallee, dem Bebauungsplan Westlich Hagener Straße (bei fünf Gegenstimmen der Grünen) und der Benennung von Planstraßen dort.

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