Kinderyoga in Weyhe

Wenn der Krieger zum Helden wird

Yoga, das heißt sich verbiegen und sich strecken – vor allem aber Entspannung. Die Weyherin Jennifer Schubert bietet die aus Indien stammende Technik seit ein paar Monaten speziell für Kinder an.
15.07.2019, 18:03
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Wenn der Krieger zum Helden wird
Von Alexandra Penth
Wenn der Krieger zum Helden wird

Volle Konzentration ist bei den Yoga-Übungen, den Asanas, angesagt. Sie tragen in der auf Kinder ausgerichteten Version teilweise etwas andere Namen.

Michael Braunschädel

Weyhe-Leeste. „Wie geht’s dir heute?“, will Jennifer Schubert wissen. „Gut“, antwortet Lias rasch und gibt den Plüsch-Teddy an seine Schwester Sina weiter, die dieselbe Antwort gibt. Jeder der vier Teilnehmer nimmt sich reihum einen Gegenstand von dem großen Metallteller in der Mitte, in dessen Zentrum ein Kerzenlicht im Glas flackert. Die Kinder legen ihn auf einem der aufgemalten Smileys auf einem Blatt Papier ab – Federn und Plüsch-Bommel landen allesamt auf dem lachenden Gesicht. Alle sind gut drauf, dann kann es ja losgehen. Im Schneidersitz sagen sie auf ihren im Kreis angeordneten Matten ein Mantra auf: Om Namah Shivaya. „So wie ihr seid, seid ihr genau richtig“, übersetzt es Schubert frei und verständlich für die vier Kinder, die an einer Nachholstunde in den Sommerferien teilnehmen. Seit Dezember bietet die 33-jährige Weyherin Yogakurse für Kinder bei Mama-Fitness am Bäckerweg in Leeste an. Zwei Mal montags heißt es dort für ihre Schützlinge verbiegen und strecken nach den Regeln der indischen Lehre. Nach einer musikalischen Aufwärmübung geht es für die Teilnehmer Lias, Sina, Joana und Zoey an diesem Nachmittag spielerisch an die Asanas, wie die Bewegungs-Übungen im Yoga genannt werden.

Im vergangenen Oktober hat sich Jennifer Schubert in Bremen speziell im Kinderyoga im Umfang von 35 Stunden ausbilden lassen. Sie fing aus gesundheitlichen Gründen erst mit Pilates an, kam dann zum Yoga. „Ich fand es total schön. Beruhigend und entspannend. Die Übungen haben vor allem immer einen Nutzen“, schwärmt sie. So wirkten sich bestimmte Asanas auf Herz und Kreislauf aus, andere schulten wiederum das Gleichgewicht. Im Kinderyoga wird eine Auswahl an Übungen angewandt, die für die Kleinen machbar sind.

Jennifer Schubert ist mit ihrem Yoga für Vier- bis 16-Jährige an zwei Vormittagen die Woche auch in Weyher Kindertagesstätten zu Besuch. Zusätzlich coacht sie Pädagogen und Interessierte, die Yoga-Übungen in ihren Alltag integrieren wollen, um Stress abzubauen. Auch in der diesjährigen Weyher Ferienkiste ist Kinderyoga inbegriffen. Die Nachfrage war immens, sagt Jennifer Schubert: „Es standen 23 Teilnehmer auf der Warteliste.“

Mit Lavendelblüten gefüllte Stoffsäckchen, die sich die Teilnehmer zur Entspannung am Ende der Sitzung auf die Augen legen, verströmen ihren herben Duft in dem lichtdurchfluteten Übungsraum am Bäckerweg. Der Sonnengruß für die Tiere ist dran. Dafür legen die jungen Teilnehmer, eine von ihnen ist Jennifer Schuberts Tochter Zoey, ihre am Kopfende der Matte liegenden Kissen beiseite. Denn sie brauchen jetzt jede Menge Platz. „Hallo, Sonne!“ sagen alle gleichzeitig und recken die Hände nach oben. Bei „hallo, Hase“ knien sie sich hin und trommeln auf die Matten. Bei der Katze macht der Rücken einen Buckel. Dann folgt noch eine Quatschrunde. Der Sonne wird beim Sonnengruß zum Beispiel in der Nase gebohrt. Das Gekicher ist groß.

Eigentlich tragen die Übungen im Yoga andere Namen. Damit Kinder sie aber verstehen, heißen sie Stuhl, Brücke oder auch Baum. Aus dem Krieger, wie er im Original heißt, wird in der Kinderversion so etwa der Held. Jennifer Schubert holt einen Stapel Karten aus dem Nebenraum. Darauf stehen die Namen der Übungen, und ein Bild zeigt, wie sie ausgeführt werden. Jeder in der Runde darf sich eine Karte aussuchen, alle machen sie dann nach. Zoey hat sich für den Löwen entschieden. Alle in der Runde stampfen laut auf und brüllen los. Im ersten Moment ein Kontrast, wird Yoga ja vor allem mit Entspannung und Ruhe in Verbindung gebracht. Doch es geht eben auch um den Umgang mit Emotionen. „Das baut Dampf ab“, erklärt Jennifer Schubert. Eine Übung, die sie privat auch selbst absolviert, wenn sie sich danach fühlt. Auch der „Holzhacker“, der sich von selbst erklärt, diene manches Mal als Ventil. Genau wie die „Maus“, bei der man sich ganz klein macht und sich sammelt. „Ich sage den Kindern, dass sie das integrieren können“, erklärt Schubert.

Die Yogalehrerin lässt die Kinder oft auch selbst entscheiden. Dabei darf es durchaus mal kreativ zugehen. „Die Kinder haben ihr eigenes Arschbomben-Yoga entwickelt“, sagt Jennifer Schubert und lacht. Wie das geht? Einfach mit dem Gesäß voran auf die Matte plumpsen lassen und im Schneidersitz landen. An dem aus Indien stammenden Yoga fasziniert die Mutter vor allem, dass es kein Wettbewerb ist. „Bei vielen Aktivitäten geht es schon viel um Leistung.“ Umso wichtiger sei es ihr, dass ihre vierjährige Tochter Zoey von Anfang an kennen lernt, dass es auch anders geht. Am Ende jeder Sitzung soll der Organismus noch einmal völlig zur Ruhe kommen. Jennifer Schubert versucht das mit progressiver Muskelentspannung oder Traumreisen. Wie die großen Yoga-Schüler lernen die Kleinen dabei schließlich auch, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren.

Wer Interesse am Kinderyoga hat, der kann sich mit Kursleiterin Jennifer Schubert in Verbindung setzen unter der Rufnummer 01 78 / 4 67 66 02 oder per E-Mail an jenny@yogini4you.de. Nähere Informationen sind auch im Internet unter yogini4u.de abrufbar.

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