Antragspaket für Ratsfraktion Weyhe in smarter, sauberer und grüner

Die Roten wollen grüner werden. Das zumindest zeigt das Antragspaket, das die Weyher Jusos an die SPD-Fraktion übergeben haben, damit diese sie in den Rat einbringt.
30.07.2019, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Maike Plaggenborg

Weyhe. Die Weyher Jungsozialisten (Jusos) – die Jugendorganisation der SPD – wollen sich in die Politik des Gemeinderates einbringen. „Wir können als Jusos keine Anträge einreichen“, sagt Siard Schulz vom Vorstand, der allerdings Ratsherr in der Weyher Fraktion ist. Deshalb gehen sie nun den Weg über die SPD-Ratsfraktion und haben vier Vorschläge an deren Vorsitzenden Frank Seidel überreicht. Die jungen Politik-Aktivisten geben sich einen deutlich grünen Anstrich.

„Rot macht Weyhe grün“, fasst der Vorstand sein internes Motto derzeit selbst zusammen. Die Gruppe, die derzeit 17 aktive Mitglieder zählt, will Weyhe smarter machen, heißt: „Die Bürger sollen Behördengänge erledigen, ohne selbst ins Rathaus zu müssen“, sagt Pascal Seidel, stellvertretender Vorsitzender der Jusos, die damit einem Antrag der SPD-Fraktion folgen beziehungsweise ihn erweitern. Die nämlich hatte Anfang Mai beantragt, dass die Gemeinde die Umsetzung einer Melde-App prüfen möge. Dort sollen Bürger die Kommune über Mängel, etwa Schlaglöcher oder kaputte Straßenlaternen, informieren.

Die Jusos wollen, dass diese Funktion in eine übergreifende Weyhe-App integriert wird, die neben den digitalen Behördengängen und der Mängel-Meldungen auch die Option auf einen Newsletter zur Verbesserung der Informationspolitik sowie eine Plattform für Job- und Ausbildungsangebote in ganz Weyhe beinhalten soll. „Alle Anliegen sollen dort zentral gebündelt werden“, sagt Pascal Seidel, der insbesondere mit Blick auf E-Government, also die elektronische Verwaltung, feststellt: „Wir hängen da total hinterher.“ Sollte die SPD-Fraktion den Antrag im Rat stellen, muss er dort beschlossen werden, damit die Verwaltung die mögliche Umsetzung einer solchen App prüft.

Die Aktion „Weyhe räumt auf“, an der die Jusos sich beteiligt haben und für den Marktplatz eingeteilt waren, führte zu Antragsvorschlag Nummer zwei. Auf dem Areal hätten sie Unmengen an Zigarettenstummeln gefunden. Demnach befasst sich der politische Vorschlag mit der „Prüfung von Mitteln, die das achtlose Wegwerfen von Kippen angemessen sanktionieren und eindämmen“, heißt es. Zwei Drittel der 106 Milliarden in Deutschland jährlich gerauchten Zigaretten würden auf dem Boden landen und die Schadstoffe erst nach 15 Jahren zersetzt, eine Kippe verseuche etwa 40 Liter Grundwasser, teilt Pascal Seidel mit. Kinder und Tiere könnten die Stummel verschlucken. „Wir haben eine riesige Verantwortung für die nachfolgende Generation wie wir die Welt hinterlassen“, sagt er zur Motivation des Antrags, dem Schulz zum Thema mögliches Bußgeld hinzufügt: „Es geht nicht darum, Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern um zu sensibilisieren.“ Eine Möglichkeit, die die Verwaltung ebenfalls prüfen könne, wäre die Zahl der Aschenbecher an Mülleimern, so Pascal Seidel.

Im dritten Antrag geht es um Urban Gardening – städtisches Gärtnern also, das Bienen ein Zuhause geben und Artenvielfalt fördern soll. „Immer weniger Leute haben Gärten“, sagt Schulz. Angesichts einer zunehmenden Verstädterung und Innenverdichtung wollen die Jusos das Gemeindebild „aufhübschen“ und eine stärkere Begrünung, beispielsweise auf den Dächern von Bushaltestellenhäuschen, wie die niederländische Stadt Utrecht es vormacht. Das komme der Ästhetik, dem Klima, der Luftqualität und weniger Lärm zugute. Auf Flächen, die die Gemeinde pachte oder Landwirte stellten, könne Urban Gardening praktiziert und Gemüse angebaut werden, auch andernorts in „kleinen Beeten auf Brusthöhe“, so Schulz.

Dass Anfang 2017 eine Lufttankstelle gestiftet wurde, reicht aus Sicht der Jusos nicht aus. „Es herrscht ein reger Fahrradbetrieb hier“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Marielle Schmöe. Deshalb will der Ortsverband in einem vierten Antrag durch die Verwaltung prüfen lassen, an welchen Stellen eine weitere stationäre Pumpe Sinn mache. Als Ort dafür schlagen sie die Leester Marsch vor. Dem Trend der immer größer werdenden Beliebtheit von E-Bikes solle mit einer Ladestation Rechnung getragen werden.

Es kommen seit einiger Zeit Anträge von den Jusos, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Seidel. Aber: „Vier Anträge – das ist glaub ich Rekord.“ Er kündigt an, dass sie in der Fraktion diskutiert würden und stellt schon jetzt in Aussicht: „Wir sind den Anträgen wohlgesonnen.“ Die nächste Fraktionssitzung ist im August, hieß es.

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