Kulturscheune öffnet Start für einen Treffpunkt in Leeste

Mit zahlreichen geladenen Gästen hat die Weyher Gemeindeverwaltung am Wochenende die Eröffnung der Kulturscheune gefeiert. Das Projekt ist in vielerlei Hinsicht bedeutend - nicht nur für Leeste.
03.10.2022, 18:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Weyhe-Leeste. Sechs Jahre für mehrere Jahrzehnte: Die Kulturscheune in Leeste mit Bibliothek, Volkshochschule und Café ist seit dem Wochenende offiziell eröffnet. Vor geladenen Gästen schnitt Weyhes Bürgermeister, Frank Seidel, am Sonnabend zunächst das rote Band durch. Tags darauf durften dann alle Interessierten das neue Schmuckstück für Leeste betreten.

Seidel würdigte die Zusammenarbeit aller Akteure und hob das gastronomische Angebot im Leester Ortskern hervor, das lange gefehlt habe. Mit 25.000 Medien stehe in der Bibliothek fast für jeden Einwohner ein Medium bereit. „Einst war sie Vision, jetzt ist sie Treffpunkt der Zukunft“, hob er den sozialen Charakter der Kulturscheune hervor.

Ein Begegnungsort für alle

Die Kulturscheune als Begegnungsort für Leeste spielt auch für Bibliothek-Designer Aat Vos, der das Projekt gemeinsam mit zwei weiteren Architekten umgesetzt hat, eine zentrale Rolle. „Wir brauchen Ort, wo wir andere Menschen treffen und uns austauschen können“, untermauerte er die Idee. Wenn Vereine weniger Mitglieder, Kirchen weniger Besucher und Orte weniger Kneipen hätten, komme dieser sozialen Funktion eine noch bedeutendere Rolle zu.

Den Gestaltungsprozess wollte der Niederländer dann auch nicht als sein Werk oder das der drei Architekten verstanden wissen. „Wir wollten das mit den Kenntnissen und den Menschen vor Ort machen, wir haben das Gespräch gesucht“, schilderte er. So seien Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt worden, um mehr als nur ein Gebäude, Kurs- und Lernräume oder Gastronomie zu verwirklichen: „Wir schaffen am liebsten Werkzeuge für die Gesellschaft.“ Entworfen werde viel mehr Zeit, die Menschen gerne miteinander verbringen wollten.

Stärkung der lokalen Identität

Wie Vos die Kulturscheune charakterisieren würde? „Niedrigschwellig, locker, freundlich, komfortabel, sicher“, zählte er auf. Die Verantwortlichen hätten sich schließlich darauf konzentriert, das Gebäude dem Ortsbild anzupassen. Die Fenster im Obergeschoss sind beispielsweise auf den Kirchturm ausgerichtet, die alte Scheune habe als Maßstab für die Anbauten gedient. „Wir versuchen, die lokale Identität zu stärken“, erläuterte der Architekt diese Idee. Ein weiteres Ziel sei gewesen, das Café als verbindendes Element zwischen Bibliothek und Volkshochschule einzubauen. „Es ist wie ein Dach und die Grundbedingung für einen Sozialort“, führte Voss aus. Diese Verbindung werde auch über die Theke verbildlicht.

Auf die Arbeit im Café freuen sich derweil Tabea Reimers und Manuela Einemann. Reimers hat zuvor drei Jahre im Delcasy, dem Café der Delme-Werkstätten in Syke, gearbeitet. „Ich bin ganz aufgeregt“, sagte die Weyherin über den Ortswechsel, der für sie nun auch einen deutlich geringeren Anfahrtsweg bedeutet. Die ersten Tage in der Kulturscheune beschrieb sie als „echt cool“, eine Idee für den Betrieb hatte sie auch schon: „Ich möchte gerne bedienen.“ Das sei bisher noch nicht vorgesehen. Einemann hat zuvor in der Küche der Delme gearbeitet und eine neue Tätigkeit gesucht. „Ich habe Kontakt zu Menschen und eine Herausforderung gesucht“, erzählte sie. Umso mehr habe sie sich gefreut, als die Verantwortlichen der Delme-Werkstätten ihr das Café vorschlugen. „Ich finde, das ist sehr schön geworden“, lobte sie.

Inklusiver Ansatz

Gruppenleiter Robert Drost hob den inklusiven Ansatz hervor. „Die Gesellschaft bewegt sich auf die Beschäftigten zu – das ist eine Riesensache“, untermauerte er. Für die sei das Café eine Möglichkeit, aus den Werkstätten für Menschen behinderte Menschen in das Arbeitsleben zu kommen. „Wir sind mittendrin, das macht es besonders“, sprach auch der Weyher Betriebsleiter, Kalle Jabs, von einem Novum für seine Einrichtung. Denn anders als in Sulingen oder Syke träten die Delme-Werkstätten nicht als Betreiber auf, sondern stellen das Personal und müssten sich mit der Bibliothek koordinieren.

Bovenschulte als Überraschungsgast

Als Überraschungsgast begrüßten die Verantwortlichen mit Andreas Bovenschulte den ehemaligen Weyher Bürgermeister und aktuellen Bremer Oberbürgermeister. Er hatte die Kulturscheune in seiner Amtszeit mit auf den Weg gebracht und sprach in höchsten Tönen von dem Projekt. Am Henry-Wetjen-Platz „entsteht die soziale und kulturelle Mitte Leestes“ mit Strahlkraft für die Region. Wie das Weyher Freibad würden sicher auch viele Bremer das Angebot nutzen.

Diese Präsenz sei durch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Landkreis über mehrere Generationen gesichert, lobte auch Volker Meyer, Landtagsabgeordneter für die CDU. Dieses Engagement sei ein „absoluter Glücksfall“ und nicht selbstverständlich, würdigte Frank-Peter Heidrich vom Amt für regionale Landesentwicklung. Dabei habe die Verwaltung ein „Höchstmaß an Förderungen“ eingestrichen, schnell und effektiv gearbeitet und ein Paradebeispiel geschaffen. „Ich komme aus dem Staunen nicht raus“, fasste er zusammen.

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