SPD-Antrag zur Ehrung Esther Bejaranos

FDP-Redebeitrag sorgt für Empörung im Weyher Ratssaal

Der Weyher Fachausschuss ist dem Antrag der SPD-Fraktion auf die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Esther Bejarano einstimmig gefolgt. Eine Aussage der FDP-Fraktionschefin sorgte jedoch für Kritik.
22.09.2021, 18:32
Lesedauer: 2 Min
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FDP-Redebeitrag sorgt für Empörung im Weyher Ratssaal
Von Alexandra Penth

Weyhe. "Gegen das Vergessen", so hatte die Weyher SPD-Fraktion ihren Antrag mit dem Vorschlag, die kürzlich verstorbene Holocaust-Überlebende Esther Bejarano bei der Vergabe zukünftiger Straßen- oder Platznamen in der Gemeinde zu berücksichtigen, genannt. Anfang des Monats hatte es eine Gedenkveranstaltung zu Ehren Bejaranos in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Leeste gegeben (wir berichteten). "Ihr war es wichtig, dass ihr Schicksal und das anderer nicht in Vergessenheit gerät", führte SPD-Fraktionschef Rainer Zottmann am Dienstag im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt aus. Bejarano hatte sich als Überlebende des Holocaust bis ins hohe Alter für Aufklärungsarbeit eingesetzt und an die Gräueltaten des Nazi-Regimes erinnert. "Sie hat gezeigt, was es heißt, wenn Freiheitsrechte eingeschränkt werden", sagte Zottmann, der noch einmal an den Antrag seiner Fraktion erinnerte, Straßennamen, die auf historisch wichtige Personen hinweisen, mit Informationstafeln auszustatten. Dies könnte auch in diesem Fall geschehen. 

Der Antrag habe die Zustimmung ihrer Fraktion, sagte Ingrid Söfty (CDU). "Seit Jahren ist es in der Gemeinde Usus, dass wir uns gegen das Vergessen einsetzen", sagte sie und nannte die Benennung der Poelderstraße und den Ehrenbürgertitel Otto Polaks als Beispiele. "Es hat mich sehr bewegt, dass Bejarano in ihrem hohen Alter noch unterwegs war, um die jungen Menschen an die Gräueltaten zu erinnern", sagte Söfty. Bejarano habe eine große Aufgeschlossenheit gegenüber der Jugend ausgezeichnet. So unternahm sie gemeinsam mit der Rapgruppe Microphone Mafia Aufklärungsarbeit. 

Für Empörung im Ratssaal sorgte Antje Sengstake (FDP) mit ihrem Redebeitrag. Sie sagte, dem Antrag zwar zustimmen zu wollen ("Wir haben ja viele Straßen zu benennen"), jedoch befand sie die Benennung für "sehr eingegrenzt auf unsere Vergangenheit". Sengstake verwies auf Genozide in unterschiedlichen Ländern. "Unerhört" nannte dies Rainer Zottmann, der die Aussage Sengstakes als Relativierung des Holocaust wertete. "Wir müssen uns zu unserer Geschichte bekennen", mahnte er. "Ich finde es eine Frechheit, mir fehlen die Worte", sagte Zottmann und erhielt dafür Applaus. "Das ist die Geschichte, die uns geprägt hat", sagte auch Ingrid Söfty, die betonte, man müsse sich dieser auch stellen. 

Annika Bruck (Grüne) reagierte nicht direkt auf die Aussage Sengstakes, betonte aber, dass nicht nur Aufklärungsarbeit bei Jüngeren erfolgen müsse, sondern konsequent auch bei den älteren Generationen. Das Gremium nahm den Antrag einstimmig an.

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