Ehrenamtlicher Fahrer in Weyhe Von der Polizei zum Bürgerbus

Der ehemalige Polizist Alfred Garlich ist nach seinem Dienst in den vergangenen 15 Jahren ehrenamtlicher Fahrer beim Weyher Bürgerbus gewesen.
02.12.2020, 17:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Désirée Bertram

Weyhe-Kirchweyhe. Im Wohnzimmer stehen Regale, die vom Boden bis zur Decke mit Büchern gefüllt sind und eine gemütliche Sitzecke mit Blick in den Garten lädt zum Verweilen ein. Durch die großen Fenster des Wintergartens erhellt die Sonne den gesamten Raum, in dem jede Menge Pflanzen vor der Kälte geschützt überwintern. Ein grüner Luftballon mit den Schriftzügen „Meine letzte Fahrt“ und „2005-2020“ schwebt an einem Band befestigt durch die Stube.

„Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagt Alfred Garlich, der vor Kurzem seine letzte Tour als ehrenamtlicher Fahrer beim Bürgerbus Weyhe fuhr – nach 15 Jahren. „Die Fahrgäste kennt man und manchmal kommt man ins Gespräch mit den Leuten“, erzählt der 75-Jährige, während er auf den Ballon zeigt und einen Bilderrahmen mit Briefumschlägen holt. Am 12. November, seinem letzten Tag als Fahrer, wurde Garlich mit diesen kleinen Geschenken überrascht. Eine Dame, die regelmäßig mit dem Bürgerbus fährt, hat ihre Karte sogar „komplett selbst gemacht“, präsentiert er stolz. Gerne erinnere sich Garlich an die vielen Fahrten in den vergangenen Jahren zurück.

Wie Garlich zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Weyher Bürgerbus kam, beschreibt er lachend: „Ganz einfach: Ich habe meine Arbeitsstelle mit 60 Jahren verlassen. Ich war vorher Polizist und habe nicht ganz ins Rentnerdasein gewollt.“ Eigentlich wollte der gebürtige Bremer dort „noch ein bisschen länger bleiben“. Das ging aber nicht, weil er am 1. Januar 1945 geboren wurde und es üblich war, mit 60 Jahren aufzuhören. Aber bekannte Gesichter trifft man immer wieder: Ein früherer Lehrling aus der Kraftfahrzeug-Werkstatt der Polizei ist jetzt beim Bürgerbus für die Technik zuständig, berichtet der frühere Beamte und blättert in einem Ordner auf der Suche nach alten Fotos.

Als er 2005 beim Bürgerbus begann, mitzuhelfen fuhr er zwei bis drei mal in der Woche – am Ende noch zwei bis drei mal pro Monat. Die anderen Fahrer haben ihre erste Fahrt alle mit ihm gemacht und er schaute, ob sie sich für die Tätigkeit eignen. Zudem war der Weyher lange Zeit für die Technik verantwortlich und ist Beisitzer im Vorstand gewesen. In Zukunft wolle er aber noch weiterhin die Testfahrten mit neuen Anwärtern machen, erzählt der Ehrenamtliche und betont, dass es auf den Charakter und den Fahrstil ankomme: „Über 40 neue Fahrer habe ich gefunden.“

Ursprünglich lernte Garlich den Beruf des Maschinenschlossers. Der Weg zur Polizei ergab sich, weil er keinen Wehrdienst machen wollte. Alternativ habe er dann 1965 angefangen bei der Polizei in Bremen zu arbeiten, erzählt er rückblickend und verrät, dass er in verschiedenen Bereichen tätig war und dort auch eine Ausbildung absolvierte: „Es hat mich gereizt, Neues zu probieren und es hat immer aufeinander aufgebaut.“ So arbeitete er bei der Schutzpolizei, der Bereitschaftspolizei und im Kraftfahrzeugsektor. „Und ich war Fahrlehrer bei der Polizei“, fügt Garlich hinzu und betont seine Technik-Affinität. Durch die Tätigkeit als Fahrlehrer hat er auch bereits verschiedene Führerscheine in der Tasche, die auch bei seinen Aufgaben beim Bürgerbus hilfreich waren.

Besonders viel Spaß machten ihm die Zeit als Fahrlehrer und die Erlebnisse während der Einsätze, so Garlich. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Einsatz bei einem Hochwasser an der Elbe: „Alle, die dort waren haben eine Ehrenurkunde vom Innenministerium, eine Medaille und eine Anstecknadel für den Einsatz bekommen. Es war ein riesiges Wasseraufkommen und gleichzeitig eine extreme Hitze.“ Aber auch die Großdemonstrationen und Castor-Transporte behalte er im Kopf.

Seine Frau, Margret Garlich, lernte er früher in den 1960er Jahren nach seiner Konfirmation in der Kirchengemeinde Sankt Martini in Bremen kennen. Beide besuchten einen Jugendtreff für Christen. „Wir wurden dort getauft, konfirmiert und haben da geheiratet“, verrät Garlich und erzählt, dass er 1968 seine „Jugendliebe“ heiratete. Gemeinsam haben Margret und Alfred Garlich einen Sohn, eine Tochter und ein Enkelkind. In das Haus in Kirchweyhe, in dem er und seine Frau heute noch wohnen, zogen die beiden im Jahr 1972. Diese Doppelhaushälfte haben sie in den vergangenen Jahren immer mehr erweitert. „Erst haben wir die Wärmeenergie geklinkert, dann den Vorbau gemacht und später den Wintergarten“, erzählt der Weyher und schaut sich lächelnd in seinem Wohnzimmer um.

Neben dem Engagement in der Nachbarschaftshilfe und im Schwimmverein sei das Reisen eine große Leidenschaft Garlichs. Jedes Jahr fährt er mit seiner Lebensgefährtin nach Amrum. „Ich sage einfach nur: auf Amrum hat man alles – Wasser, Strand, Wald, Dünen, Ackerbau und das Watt. Man kann dort alles machen“, berichtet der Reisebegeisterte und fügt hinzu: „Wir waren schon oft dort, aber man entdeckt doch immer noch wieder was Neues.“ Neben Jordanien haben die beiden auch Island bereist. Dort waren sie gemeinsam mit Freunden und es sei so extrem windig gewesen, dass Garlich beim Aussteigen aus einem Bus umgeweht wurde: „Ich konnte mich gerade so an einem Felsen festhalten.“ Auch die riesigen Gletscher und Wasserfälle beeindruckten ihn sehr. Eigentlich wollten Margret und Alfred Garlich in diesem Jahr an den Gardasee in Italien fahren – wegen der Corona-Lage ist das allerdings ausgefallen: „Das wollen wir gerne wann anders noch machen.“

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