Weyher Reisebüros

Kampf ums Überleben

Die Touristikbranche kämpft derzeit ums Überleben. Das Weyher Reisebüro Gerlach musste bereits eine von zwei Filialen schließen und verzeichnet immense Einbußen, wie auch das Tui Reisecenter in Kirchweyhe.
11.11.2020, 17:49
Lesedauer: 2 Min
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Von Désirée Bertram
Kampf ums Überleben

Anke Gerlach, Frank Seidel, Axel Knoerig, Rita Schmittat und Tanja Gerlach (v.l.) sprachen über die aktuell prekäre Lage bei den Reisebüros.

Michael Galian

Reisewarnungen, Schließungen von Hotels und Unsicherheit bei den Kunden – das ist nur ein Einblick in die coronabedingten Umstände, die es Reisebüros und der gesamten Touristik-Branche schwer zu schaffen machen. Das Weyher Reisebüro Gerlach musste bereits coronabedingt eine von zwei Filialen schließen, erzählt Inhaberin Anke Gerlach. „Wir wollen auf die prekäre Situation der Touristik aufmerksam machen“, sagt auch Rita Schmittat vom Tui Reisecenter in Kirchweyhe und berichtet von vielen offenen Fragen, die sich die Mitarbeiter stellen. Ungeklärt ist etwa, wie es mit den Reisewarnungen und dem Kurzarbeitergeld weitergeht. Laut Schmittat habe ihr Reisebüro bereits eine Summe von über zwei Millionen Euro an Stornierungen. Auch das Reisebüro Gerlach hat mit immensen Einbußen zu kämpfen. „Seit März sind wir eigentlich nur noch am Rückabwickeln“, berichtet Gerlach.

Beide Reisebüros haben ihre Öffnungszeiten wöchentlich um rund 25 Stunden gekürzt, weil die kompletten Zeiten nicht mehr tragbar seien, wenn keine Kunden kommen und sich die Mitarbeiter in der Kurzarbeit befinden. Derzeit nutzen die Mitarbeiter der Reisebüros ihre Arbeitszeit hauptsächlich, um sich weiterzubilden. Durch die derzeitigen Schließungen von Hotels wollen noch weniger verreisen. „Das bricht uns das Genick“, betont die Inhaberin.

Die Reisegutscheine, die bis zum 31. Dezember von der Politik abgesichert sind, zeigen in den Reisebüros keine Wirkung und die meisten Kunden wollen ihr Geld zurück, erklärt Reise-Expertin Tanja Gerlach und fügt hinzu: „Ich glaube, viele Unternehmen merken erst nächstes Jahr, was das alles eigentlich für Konsequenzen hat.“ Die erste Überbrückungshilfe habe gute finanzielle Unterstützung geleistet, die zweite hingegen weniger, weil es derzeit kaum Provisionen gebe, erklärt sie weiter. Reisen innerhalb Deutschlands wurden zwar deutlich beliebter, aber davon profitierten kaum Reisebüros, weil es sich dabei meist um Direktbuchungen bei den Hotels handele.

CDU-Bundestagsabgeordneter Axel Knoerig informierte sich vor Ort über die prekäre Lage in den Reisebüros. „Wenn wir schließen müssen, müssen wir auch entsprechend helfen“, erklärte er. Dem stimmte auch Weyhes Bürgermeister Frank Seidel zu und betonte: „Die Gesundheit steht an erster Stelle und viele Branchen haben große Probleme – da muss geholfen werden.“

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