Fußball-Bezirksliga „Wir haben vergessen zu kämpfen“

Im Interview spricht Christian Mach, Trainer des TuS Sudweyhe, über die schwierige Hinrunde seines Teams, die Wende zum Guten und über einen alten Bekannten, der zum TuS zurückkehren wird.
13.11.2018, 18:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Herr Mach, Ihr Team hat nach zuvor schwierigen Wochen nur eine der vergangenen vier Partien verloren. Hat es damit die Wende bereits geschafft?

Christian Mach: Nein, die Wende zum Positiven ist geschafft, wenn wir jetzt gegen Lemförde, Seckenhausen und Sulingen gute Spiele hinlegen. Wenn wir da anständig punkten, dann haben wir uns erst einmal aus dem Gröbsten befreit und können etwas ruhiger in die Winterpause gehen.

Es war wahrlich nicht die Hinrunde des TuS Sudweyhe. Die ersten Wochen liefen noch ganz ordentlich, doch nach dem 4:2 über Kirchdorf ist der Faden gerissen. Woran hat es gehakt?

Wir müssen ganz einfach sagen, dass wir die Leistung des letzten Jahres nicht wieder abrufen konnten. Auch der Anfang der Saison war nicht so stark, wie ich mir das gewünscht hätte. Schon in der Vorbereitung waren wir nicht ganz zufrieden. Da war es schon sehr schwankend. Das Spiel gegen Wildeshausen (0:2, d. Red.) zum Beispiel war eine Frechheit. Ich glaube, nach den relativ lockeren Siegen über Lemförde und Twistringen hat sich der Schlendrian eingeschlichen. Da hat die Spannung nachgelassen.

Statt in der Spitzengruppe fand sich der TuS im Abstiegskampf wieder. Was haben Sie getan, um in dieser ungewohnten Situation wieder Stabilität zu gewinnen?

Wir haben das Training verändert. Nach dem Seckenhausen-Spiel haben einige Jungs gesagt, es wäre ihnen lieber, wenn wir Offensivaktionen, Laufwege und Spielzüge trainieren. Das haben wir dann zwei, drei Wochen gemacht, doch mit dieser Maßnahme wurde es immer schlechter. Wir haben vergessen zu kämpfen. Aber das ist das A und O. Ich stehe auch auf Spielzüge, ich weiß gerne, was Y macht, wenn Spieler X den Ball hat. Aber das mussten wir einstampfen. Ich habe das dann auch abgebrochen. Seitdem sind wir wieder mehr im Zweikampfbereich unterwegs. Das gehört sicherlich dazu, aber das sehe ich eigentlich als Grundvoraussetzung fürs Spiel an. Aber das Kämpfen ist zuvor ein bisschen außen vor geblieben. Die Wende zum Guten war dann das Spiel in Heiligenfelde, in dem die Jungs wirklich füreinander gekämpft haben. Vorher haben wir uns zu sehr auf das Spielerische verlassen und völlig aus den Augen verloren, dass davor erst die Arbeit steht. Wir mussten die richtige Spur wiederfinden. Jetzt ist die Richtung wieder erkennbar. Auch den Fans draußen ist es wichtig, wenn sie sehen, dass die Jungs gekämpft haben. Wir wollen natürlich auch, dass die Mannschaft gut zusammenspielt. Diesen Schritt haben wir letztes Jahr versucht zu gehen. Dieses Jahr haben wir es nicht ganz so gut hingekriegt. Ich hoffe, dass wir daran im Winter feilen können. Die Pause ist ja lang genug, wir legen erst im März wieder los. Wir haben die Qualität, im oberen Bereich mitspielen zu können. Wir hoffen, dass wir das dann auch zeigen können. Dafür müssen die Jungs aber begreifen, dass sie einen Schritt mehr machen müssen.

Wie sehr hinterfragt man sich in schwierigen Zeiten selbst?

Gezweifelt habe ich nie, weil es Spaß macht mit den Jungs und wir merken, dass sie auch Spaß mit uns haben. 24, vielleicht noch 48 Stunden nach dem Spiel bin ich enttäuscht darüber, wie es gelaufen ist. Aber wenn ich danach ein gutes Training von den Jungs sehe, dann sehe ich, dass sie wollen. Ich hinterfrage natürlich schon, was klappt und was nicht. Ich versuche, mich als Teil des Ganzen zu sehen, mein Bestes mit einzubringen und meine Ideen den Jungs mit ihren Stärken und Schwächen zu vermitteln. Das ist das Wichtigste. Ich suche das Gespräch, auch mit Außenstehenden, die einen anderen Blickwinkel haben. Auch der Austausch mit Paule (Co-Trainer Sven Paul) und Joe (Torwarttrainer Joachim Neumann) ist sehr wichtig. Wir arbeiten ganz eng zusammen.

Sie haben in der sportlichen Krise A-Jugendliche wie Timon Wolff oder auch Robin Engelhardt ins kalte Wasser geworfen…

Mit den A-Jugendlichen ist noch einmal richtig Feuer reingekommen. Ich habe mir damit natürlich den Unmut einiger Spieler zugezogen, die nicht eingewechselt wurden, aber das war auch Absicht. Wir wollten ein Zeichen setzen: Jungs, wenn ihr nicht wollt – wir können auch anders. Das Zeichen gilt weiterhin. Das wissen die Jungs auch. Sie sollen merken, dass auch Druck von unten kommt.

Talente wie Wolff und Engelhardt sind auch aufgrund der Ausfälle zum Zug gekommen. Ein Reizthema war die Sperre von Tobias Hall, der nach seiner Roten Karte gegen Mühlenfeld wegen eines Schlags und eines Griffs ins Gesicht sechs Wochen lang aus dem Verkehr gezogen wurde. Ist das zu hart?

Da würde ich gerne mal mit dem Schiedsrichterausschuss sprechen, nicht nur wegen Tobi, sondern auch wegen Jörn Wachtendorf vom SV Heiligenfelde (fünf Spiele Sperre wegen Nachtretens). Sicherlich muss man für rüde Situationen eine Strafe aussprechen. Aber wir sind alle Hobbykicker, da sind sechs Wochen sehr viel. Zwei, drei würden es auch tun. Natürlich ist auch klar, dass Tobi das nicht machen durfte. Die Jungs müssen verstehen, dass Kinder am Platz stehen. Sie sind Vorbilder. Deshalb habe ich mich über unsere Gelb-Rote Karte (für Hanjo Harjes, d. Red.) gegen Eilvese auch so aufgeregt. Nach einem Foul, das man nicht einmal selbst begangen hat, muss man dem Schiedsrichter keinen Spruch mehr reindrücken.

Die Winterpause steht kurz bevor. Wird es personelle Veränderungen geben?

Maik Behrens trainiert seit drei, vier Wochen bei uns mit. Er ist vor der Saison von Etelsen nach Habenhausen gewechselt. Dort hat er dreimal trainiert. Aus privaten Gründen hat es nicht funktioniert. Jetzt kam er auf uns zu und hat gesagt, er möchte spätestens ab Winter bei uns sein, am liebsten aber sofort. Wir haben uns da jetzt bei der Passstelle erkundigt: Er wird uns im letzten Spiel gegen den TuS Sulingen II zur Verfügung stehen. Darauf freuen wir uns alle. Maik ist im Training sehr präsent. Das Jahr in Etelsen scheint ihm sehr gutgetan zu haben. Ich habe ihn ja noch gemeinsam mit seinem Vater Uwe trainiert. Er ist gefestigter. Was er im Moment im Training anbietet und leistet, das sieht sehr gut aus.

Gibt es sonst noch Handlungsbedarf?

Wir wollen uns schon auch aufgrund der Konkurrenzsituation in der Defensive verstärken. Es wäre schön, wenn das im Winter klappt. Wir sind auch in Kommunikation mit der Zweiten. Die spielt eine super Saison. Wenn überhaupt, wird es einen Eins-zu-eins-Tausch geben, dass ein Spieler von der Ersten zur Zweiten und einer von der Zweiten zur Ersten wechselt. Du kannst nicht irgendwo abgreifen und die Zweite geht auf dem Zahnfleisch. Das muss im fairen Austausch passieren.

Die Fragen stellte Thorin Mentrup.

Info

Zur Person

Christian Mach (41)

ist mit Mitte 20 Trainer geworden. Im Jugendbereich hat er sich zahlreiche Meriten erworben, ehe er beim TuS Sudweyhe in den Seniorenbereich aufstieg. Zunächst war er gemeinsam mit Uwe Behrens aktiv, seit 2017 dann hauptverantwortlich. Ihm zur Seite stehen Sven Paul und Joachim Neumann.

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