Umgestaltung an der ZSA mit klarer Botschaft

Weyher Sportvereine bekennen Farbe gegen Rassismus

Der SC Weyhe und der TSV Weyhe-Lahausen bekennen Farbe. Das in zweierlei Sinne, denn mit der Umgestaltung des ehemaligen Kassenhäuschens an der ZSA in Kirchweyhe setzen sie ein Zeichen gegen Rassismus.
26.04.2021, 07:13
Lesedauer: 3 Min
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Weyher Sportvereine bekennen Farbe gegen Rassismus
Von Alexandra Penth
Weyher Sportvereine bekennen Farbe gegen Rassismus

Wollen gemeinsam mit ihren Mitstreitern an der Zentralsportanlage Weyhe ein Zeichen gegen Rassismus setzen (von links): Frank Seidel, Siard Schulz, Michael Koch und Joachim Gorklo.

Alexandra Penth

Weyhe-Kirchweyhe. Nicht nur verschönern in ansonsten tristen Zeiten wollten Fußballspieler des SC Weyhe und TSV Weyhe-Lahausen das ehemalige Kassenhäuschen an der Zentralsportanlage (ZSA) in Kirchweyhe. Sie haben die Neugestaltung der Außenfassade auch gleich mit einem Bekenntnis gegen Rassismus verbunden. Dieses prangt nun unter ihren Vereinslogos und ist in der vergangenen Woche fertiggestellt worden. Rassismus im Sport ist kein neues Phänomen, sei bei den die ZSA nutzenden Vereinen SC Weyhe und TSV Weyhe-Lahausen aber bisher nicht zu beobachten gewesen, sagt Weyhes Bürgermeister Frank Seidel, der zudem Trainer der 2. Fußball-Herren des SC Weyhe ist. Damit auch nach außen sichtbar ist, dass die Sportvereine fremdenfeindlichen Aussagen und Handlungen die rote Karte zeigen, sollte an gut sichtbarer Stelle nun Farbe bekannt werden. Buchstäblich ist das in Schwarz für den TSV und in Grün für den SC der Fall.

Das ehemalige Kassenhäuschen dient seit Längerem als Lagerfläche, wobei Bretter vor die einstige Glasfront geschraubt wurden. Da diese aber im Laufe der Jahre mit Stickern beklebt worden waren, hat der Bauhof der Gemeinde die Platten einfach umgedreht, sodass die etwa sechs beteiligten Spieler im Alter von 18 bis 25 Jahren die unversehrte Seite bemalen konnten. „Das Logo haben die Spieler entworfen, nachts auf die Oberfläche projiziert und dann nachgezeichnet“, erklärt Frank Seidel. Die Farbe war von den Vereinen gesponsert worden.

„Auch im Schaukasten haben wir die Botschaft ausgestellt“, sagt Joachim Gorklo, zweiter Vorsitzender des TSV Weyhe-Lahausen. Die ZSA ist immerhin „Hauptumfeld für Fußball“, wie Michael Koch betont, der zweiter Vorsitzender des SC Weyhe ist. Auch bei der Gestaltung des ehemaligen Kassenhäuschens sollten nicht nur die Logos beider Vereine abgebildet sein. Warum, erklärt Siard Schulz, Co-Trainer der 2. Herren und Trainer der Fußball-Jugend beim SC Weyhe: „Alltagsrassismus ist ein gesellschaftliches Problem und Fußball ist Teil der Gesellschaft.“ In der Fußball-Bundesliga sei das zu sehen, aber auch im Kleineren. „Jeder, der hier Fußball spielt, soll sich sicher fühlen“, betont Schulz.

Das gelte im Übrigen für alle Sparten der Vereine, machen Gorklo und Koch deutlich. Sollte es zu Fällen von Rassismus kommen, würde das bei den regelmäßigen Trainersitzungen thematisiert, sagt Siard Schulz, der sich in verschiedenen Funktionen in Weyhe und im Landkreis im Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzt. Im Zuge des Austausches zwischen den Trainern könnten auch Handlungsempfehlungen gegeben werden. Bürgermeister Seidel betont, dass die Gemeinde sich insgesamt entschieden gegen Rassismus stellt. Auch gebe es bereits ähnliche Aktionen anderer Sportvereine.

An der ZSA tut sich derweil nicht nur äußerlich etwas. In der Hauptkabine der Sportanlage sind Vereinsmitglieder derzeit ebenfalls gestalterisch an den Wänden tätig. Die Spiel-Saison für den Fußball ist derzeit unterbrochen, die 2. Herren haben das letzte Mal im vergangenen Oktober gespielt, schildert Seidel. Eigentlich wären die Spieler mitten in der Saison. Unter normalen Umständen wäre in der Zentralsportanlage täglich Betrieb. Die Umgestaltungs-Aktion an der ZSA sei auch ein Schritt, damit Sportler trotz der Pandemie Vereinsarbeit leisten können. Der Jugendbereich bis 14 Jahren dürfe zwar unter Auflagen Sport treiben, doch das müsse tagesaktuell beobachtet werden. Michael Koch hofft darauf, dass die kommende Punktspielsaison im Amateurfußball dann wieder wie geplant stattfinden kann.

Auch mit Laufaktionen und Videos versuchen die Vereine, ihre Mitglieder weiterhin zu motivieren. Sportvereine, gerade in der Stadt, hätten es in diesen Zeiten zumeist schwer, ihre Mitglieder „bei der Stange zu halten“, sagt Joachim Gorklo. In Weyhe aber gebe es eine große Treue, wofür Michael Koch und er dankbar sind. Wäre das nicht so, sagt Gorklo, würde es die Vereine mit jeweils rund 1500 Mitgliedern womöglich nach der Pandemie nicht mehr geben.

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