Soziale Dorferneuerung

Ideen sammeln, spinnen, philosophieren

Erst gab es die Dorferneuerung. Dann folgte die Dorfentwicklung. Und nun kommt die soziale Dorfentwicklung. Die Region Hoyerhagen/Bruchhausen-Vilsen schließt sich dem an. Das Ziel: Fördergelder.
03.05.2019, 17:13
Lesedauer: 3 Min
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Ideen sammeln, spinnen, philosophieren
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Bei der Dorferneuerung dreht sich alles Wirken nur um ein Dorf. Bei der Dorfentwicklung bündeln zumindest drei Dörfer ihre Ressourcen. In beiden Fällen geht es ausschließlich um Investitionen, die in den Ort fließen sollen. Jetzt aber kommt die soziale Dorfentwicklung dazu. Ein Zug, auf den die Region Hoyerhagen/Bruchhausen-Vilsen jetzt aufgesprungen ist. Als eine von elf Landstrichen in ganz Niedersachsen. „Hierbei steht allerdings die soziale Interaktion im Vordergrund“, erklärte Holger Brörkens vom begleitenden Planungsbüro Niedersächsische Landgesellschaft (LGN) bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Die soziale Dorfentwicklung verläuft in zwei Phasen. Phase eins: die Planung. Dafür werden zwei Bürgerforen einberufen – eins am 13. Mai ab 19 Uhr im Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen und das zweite am 22. Mai zur gleichen Uhrzeit im Dorfgemeinschaftshaus Hoyerhagen. „Zu beiden Terminen ist jeder Bürger aus beiden Bereichen eingeladen“, stellte Holger Brörkens klar. An beiden Terminen sollen sogenannte Dorfmoderatoren bestimmt werden. Nicht per Wahl, einfach per Meldung. Diese Dorfmoderatoren sollen ihrer Aufgabe entsprechend weitergebildet werden. Dann sollen sie ihre Netzwerke glühen lassen, Ideen entwickeln, Kritik aufnehmen. Immer wieder werden dann die Dorfmoderatoren unter sich konferieren, immer wieder kommen sie mit der Bevölkerung zusammen, um Fortschritte zu dokumentieren. Und am Ende steht dann ein Plan. „Das können sie vor Ort viel besser als wir“, meinte Brörkens.

Detlef Meyer findet diese erste Phase spannend. Es gehe darum, Ideen zu sammeln, zu spinnen, zu philosophieren. Ohne Grenzen. Das ist das, was Holger Brörkens dabei irritiert. „Man kann in der ersten Phase sehr viel machen, es gibt keine wirklichen Regeln.“ Und auch noch keinen finanziellen Rahmen. Weil die ganze Aktion ja Modellcharakter hat. Meyer: „Das ist ein Pilotprojekt.“

Pilot hin, Projekt her: Die erste Phase soll im August 2020 beendet sein. Eineinhalb Jahre haben Dörfer wie Riethausen, Stapelshorn, Heidböhl und Memsen mit ihren Moderatoren Zeit, Wünsche zu formulieren, Ideen zu entwickeln und daraus letztlich einen Plan zu schmieden. Das Gebiet erstreckt sich von Bruchhausen-Vilsen im Westen über Hoyerhagen bis nach Bücken im Südosten; auch ein Teil von Hoya ist betroffen. Für jedes einzelne dieser Dörfer oder für die gesamte Region sollen Pläne entstehen.

„Wenn der Plan dann fertig ist, ist er eine Eintrittskarte für den erweiterten Fördertopf“, erläuterte Holger Brörkens. Darauf folgt die Umsetzungsphase. Dann geht es um Straßen und um Häuser. Aber nicht um Privathäuser. „Hier geht es in erster Linie um Gemeinschaftsprojekte“, so Brörkens. Um Dorfgemeinschaftshäuser, Spielplätze, Bushaltestellen oder barrierefreie Gehwege.

„Wir sehen das als Chance und wollen das Beste daraus machen“, zeigte Christa Gluschak von der Samtgemeindeverwaltung Bruchhausen-Vilsen bereits Vorfreude. Holger Brörkens hält dieses Modellvorhaben für einen Glücksfall: „So kann ich meine Nachbarn mit anderen Augen sehen, sie richtig kennenlernen.“ Für Detlef Meyer ist das „Learning By Doing“. Das Projekt biete die Gelegenheit, den Dorf als Sozialraum zu begreifen. Das sei spannend für zukünftige Entwicklungen. „Was dabei herauskommt, hängt natürlich von den Menschen vor Ort ab“, fügte Detlef Meyer dazu. Nach den Auftaktveranstaltungen am 13. und 22. Mai seien die Bürger ebenso gefragt wie die Wirtschaft, die Kommunen oder das Planungsbüro. „Das zentrale Element sind aber die Dorfmoderatoren“, stellte Holger Brörkens noch einmal fest. Er schloss auch nicht aus, dass es zu thematischen Überschneidungen kommt. Selbst Konflikte könne es geben.

Und noch einmal: „Es gibt keine starren Vorgaben. Niemand weiß, wo die Grenzen sind.“ Holger Brörkens hält die soziale Dorfentwicklung, an der Regionen aus den Landkreisen Wolfenbüttel, Northeim, Stade, Lüneburg, Rotenburg/Wümme, Aurich, Emsland, Cloppenburg und Osnabrück sowie aus der Region Hannover teilnehmen, für einen Spagat. Der räumliche Zuschnitt sei bewusst größer gewählt worden, „deshalb werden auch nicht alle gleich sagen: Jetzt sind wir eine Region.“ Aber Bruchhausen-Vilsens Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann hofft dennoch, „dass wir alle weiter zusammenrücken“. Auf welche Art auch immer.

Brörkens‘ Tipp: „Setzt Euch zusammen und macht mal.“

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