Das Porträt

In vornehmer Gesellschaft

Bis Jahresende ist Jürgen Sander noch Präsident des Rotary-Clubs Bruchhausen-Vilsen. Der Rechtsanwalt ist vor sieben Jahren angesprochen worden, ob er Mitglied werden will.
20.11.2019, 06:48
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Von Micha Bustian
In vornehmer Gesellschaft

Selbstloses Dienen: Jürgen Sander fühlt sich wohl in seiner Rolle als Präsident des Rotary-Clubs Bruchhausen-Vilsen.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. Allein die Tür ist beeindruckend. Das Drumherum sicher auch. Aber das muss es auch. Der Sitz einer Anwaltskanzlei sollte schon repräsentabel sein. Das schafft Sicherheit bei den Klienten. Bei Sander und Sander in Leeste ist das geglückt. Das Gebäude an der Straße An der Beeke macht ordentlich etwas her. Doch dort sitzen keine herzlosen Rechtsverdreher, die ihr Geld mit dem Reiten von Paragrafen verdienen. Dort sitzt – unter anderen – der Vorsitzende des Rotary-Clubs Bruchhausen-Vilsen, Jürgen Sander.

Der Rotary-Club. 1905 gegründet von Rechtsanwalt Paul Harris (1868–1947) in Chicago. Der ursprüngliche Grundsatz war es, eine „Gemeinschaft von Berufsleuten“ aus der Taufe zu heben. Dieser Grundsatz gilt noch heute. 1925 wurde der erste Rotary-Club in der Schweiz gegründet, zwei Jahre später – am 7. Oktober 1927 – schaffte es die rotarische Idee nach Deutschland. Genauer: nach Hamburg. Inzwischen bilden die Rotaristen ein weltweit sozial engagiertes Netzwerk mit dem Wahlspruch „Service Above Self“, auf Deutsch: selbstloses Dienen.

Der Rotary-Club in Bruchhausen-Vilsen wurde 2004 gegründet. Seit 2009 richten die Rotaristen im Zwei-Jahres-Rhythmus den Musikwettbewerb „Rosa“ aus, am 6. Dezember kommt die A-Cappella-Gruppe Die Medlz bereits zum vierten Mal in die Samtgemeinde. Von den Einnahmen profitieren die Rotarier. Sie wollen von dem Geld den Bau einer Schule im nördlichen Namibia finanzieren.

Allem voran geht Jürgen Sander als Vorsitzender. Vor acht Jahren wurde er von Karl-Heinz Bemmann angesprochen, ob er sich den Rotariern anschließen wolle. „Damals wurde man gefragt, ob man Mitglied werden wollte, heute ist das anders“, erzählt der 61-Jährige. Geblieben sei aber die „vornehme, zurückhaltende Gesellschaft“ des Rotary-Clubs. Sander kannte einige Rotaristen bereits vom Golfplatz, aber es war Bemmann, der „mein Interesse für den Rotary-Club geweckt hat“.

Die verschiedenen Facetten waren es, die Jürgen Sander am Rotary-Club gereizt haben. Die lokalen Aktionen wie der Adventskalender in Kooperation mit dem Verein Lebenswege Begleiten. Aber auch die weltweiten Projekte wie der Schulbau in Namibia. Der Drang, anderen Menschen zu helfen, habe sich während seiner Ausbildung im Polizeidienst entwickelt, sagt der gebürtige Nord-Sulinger. Deswegen habe er Jura studiert. Deswegen bietet er als Präsident handwerkliche Hilfe am Lebenshilfe-Heim in Twistringen an. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie nicht alleine sind“, erklärt der Vater einer Tochter, die auch Jura studiert. „Die Arbeit soll nicht ausschließlich daraus bestehen, das Scheckbuch zu zücken.“

Nicht ausschließlich, aber dann doch ein wenig. „Jeder Rotarier spendet jedes Jahr eine Summe in einen Topf.“ Bei Mitgliedern in etwa 190 Ländern weltweit kommt da eine ordentliche Summe heraus. In Bruchhausen-Vilsen sind's nur 35 Menschen, die sich dem Rotary-Club angeschlossen haben. Die würden mit dem Geld gerne Start-ups fördern, erklärt Jürgen Sander. Ansonsten sei der Zusammenschluss der Rotaristen im Luftkurort eher „musikalisch angehaucht“. Ein Verdienst des Ex-Bürgermeisters Horst Wiesch, der selbst begeisterter Schlagzeuger in einer Band ist. Und so sollen nach Chören oder Sangesgruppen, die über die „Rosa“ gefördert wurden, demnächst auch Einzelmusiker von der Tätigkeit der Vilser Rotaristen profitieren.

Viel zu tun also für Jürgen Sander und seine Mitstreiter. Wobei der Ober-Rotarier abwiegelt: „Präsident ist nicht der arbeitsreichste Job. Konferenzen leiten, repräsentieren.“ Bis Ende des Jahres ist er noch im Amt, dann löst ihn Silke Klotzhuber ab. Dann hat Sander wieder mehr Zeit für Ehefrau Kerstin, den Golfschläger, den Fotoapparat, das Klavier und seinen Porsche.

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